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  • 25.09.2015, 17:04 Uhr
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  • Deutschland
Berufsausbildung

Toll, wie Sie das machen! – Wertschätzung in der Berufsausbildung

Ein neuer Jahrgang junger Menschen startet in diesen Tagen ins Berufsleben, und selten wurden im Vorfeld so viele negative Erwartungen laut. Unklare Ziele, mangelnder Leistungswille, geringe Belastbarkeit und Disziplin werden der "Generation Z" – also Geburtsjahrgängen ab ca. 1995 – zugesprochen, so z. B. in einer aktuellen Umfrage des DIHK bei fast 13.000 Unternehmen. Doch wie entsteht dieses Bild? Unterhält man sich ganz neutral mit den Jugendlichen, wirken sie in der Mehrzahl intelligent, neugierig, aufgeschlossen und freundlich – im Grunde die ideale Basis für eine erfolgreiche Ausbildung und eine Generation zukünftiger Leistungsträger.

Die Brücke über den Generationengraben

Tatsächlich entstehen die genannten Negativeindrücke häufig, weil hier zwei Denkwelten aufeinander treffen: eine traditionelle, meist hierarchisch geprägte Unternehmenskultur – und eine junge Generation, für die eigenständiges Denken und unabhängiges Handeln als wichtigste Maxime gilt. Beides gemeinsam ergibt eine brisante Mischung, die schnell zu Missverständnissen, Frust und Demotivation auf beiden Seiten führt. Nur gegenseitiges Verstehen kann diesen Graben überbrücken, und der erste Schritt dazu ist die Wertschätzung der so schwierig erscheinenden Jugendlichen.

Überhaupt zählt fehlende Anerkennung zu den häufigsten Ursachen für Demotivation im Arbeitsleben: 90% aller Mitarbeiter quer durch alle Branchen erfahren keine oder zu wenig Anerkennung (Studien u.a. von Hewitt Associates, Kraftwerk Anerkennung, 2014) Doch was bei routinierten Mitarbeitern zu einer unnötigen, aber offenbar verkraftbaren Minderleistung führt, wirkt sich bei jungen Menschen verheerend aus. Sie wollen aufrichtige Wertschätzung greifbar spüren – sind dann aber auch zu phänomenalen Leistungen fähig.

Keine Lippenbekenntnisse, sondern eine neue Kultur

Wertschätzung hat den Vorteil, wie auf sodexo-benefits.de beschrieben, sich leicht und kostengünstig auch in kleinen Gesten zeigen zu können. Außerdem fördert sie, konsequent gelebt, die Potenziale aller Mitarbeiter und bringt so das gesamte Unternehmen vorwärts. Allerdings muss eine Kultur der Wertschätzung erst einmal erarbeitet werden. Das kann für traditionell aufgestellte Betriebe eine echte Herausforderung bedeuten.

Vor allem beinhaltet eine Kultur der Wertschätzung mehr als das Lob für einzelne Leistungen. Wertschätzung erfordert eine grundlegende innere Haltung, die anderen Menschen Respekt und Wohlwollen entgegenbringt – auch und gerade dann, wenn diese Menschen deutlich jünger sind, einen unverständlichen Slang reden und sich ständig nur mit ihrem Smartphone beschäftigen. Wertschätzung muss unabhängig von einzelnen Leistungen oder persönlichem Verstehen funktionieren. Unbedingt dazu gehört die Akzeptanz von Unterschieden und Offenheit – auch dem fremdartig Scheinenden gegenüber.

Zuhören, zutrauen, zugeben

In der Praxis erfordert ernst gemeinte Wertschätzung vor allem, sich für den Jugendlichen als Person zu interessieren. Der Ausbilder sollte ihm zuzuhören, seine Meinung gelten zu lassen und ihm im Rahmen des Möglichen früh eigene Verantwortung und Entscheidungsfreiräume übertragen. Anerkennung durch ein Lob ist natürlich nach wie vor wichtig. Auch Kritik kommt – besser oder überhaupt nur – an, wenn sie mit einem Stück Anerkennung verbunden ist (etwa mit: "Sie haben das und das versucht. Leider hat es nicht ganz funktioniert. Wissen Sie weshalb, und haben Sie einen Vorschlag, wie Sie es anders machen könnten?"). Die Frage zeigt, dass der Ausbilder dem Betreffenden Können und Engagement zutraut und auf seine Intelligenz baut, statt ihn für grundsätzlich unfähig zu halten. Mit gelebter Wertschätzung werden leistungsabhängige Belohnungen, Bonussysteme oder andere materielle "Zugaben" übrigens keineswegs überflüssig. Im Gegenteil: In einem wertschätzenden Gesamtrahmen wirken sie glaubwürdiger und werden weniger leicht als "Abspeisen" aufgefasst.

Wo Ausbilder und Management Wertschätzung zeigen und vorleben, werden nicht alle Probleme mit jungen Azubis über Nacht verschwinden. Doch mit der Zeit werden sie engagierte, leistungsfähige und begeisterte Mitarbeiter in ihnen finden, die Wissen und Erfahrungswerte dankbar annehmen und dem Unternehmen oft noch in der Ausbildungszeit wertvolle Impulse zurückgeben. Voraussetzung ist jedoch immer, dass diese Wertschätzung im Alltag gelebt wird und nicht nur in wohlklingenden Reden und Texten erscheint.

(Redaktion)


 


 

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