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  • 29.07.2016, 14:39 Uhr
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  • Deutschland
Brexit

Was der Brexit für den Arbeitsmarkt Gibraltars bedeuten könnte

Nach dem letztendlich doch sehr überraschenden Votum der Briten für einen Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union, fragen sich viele, welche Konsequenzen dieser Schritt auf die britische Wirtschaft und den Arbeitsmarkt haben könnte. Insbesondere in den Überseegebieten wie Gibraltar wird dieser Tage heiß darüber diskutiert, welche Auswirkungen das Ausscheiden Großbritanniens genau haben wird.

Denn viele Unternehmen aus dem Schiffsfahrtsektor, der Finanzindustrie und auch aus dem Bereich des Glücksspiels haben sich an der Südspitze der iberischen Halbinsel angesiedelt und dort auch von einer exzellenten Infrastruktur, einer unternehmensfreundlichen Steuerpolitik und speziell dem freien Zugang zum gemeinsamen europäischen Markt profitiert. All diese Faktoren könnten aber bald der Vergangenheit angehören. „Könnten“, weil die exakten Konsequenzen des Austritts noch nicht wirklich abschätzbar sind. Es wird letztendlich von den Verhandlungen zwischen dem Vereinigten Königreich und den Vertretern der europäischen Kommission abhängen, welche genauen Lösungen gefunden werden können. Wie bei jeder Scheidung reichen hier die möglichen Szenarien von einer amikalen Lösung ohne spürbare Veränderung gegenüber dem Status quo bis zu einer bitteren Fehde mit Verlierern auf beiden Seiten.

In Gibraltar herrscht zudem die Sorge, dass Spanien den Brexit nützen könnte, um das britische Überseegebiet weiter vom gemeinsamen Markt zu isolieren und ihm damit wirtschaftlichen Schaden zuzufügen. In der Vergangenheit wurde dazu das Instrument der endlosen Kontrollen an der spanisch-gibraltarischen Grenze eingesetzt, welche immer wieder erfolgreich, die Wirtschaft und Industrie kurzfristig lahmlegen konnten.

Genau diese Ungewissheit über die Zukunft versetzt Unternehmer, Arbeitnehmer und Bewohner Gibraltars gleichermaßen in Unruhe, denn, dass die Grenze bislang nicht zu einer dauerhaft, unüberwindbaren Mauer wurde, liegt einzig und alleine an den vier Grundfreiheiten der EU, welche aber mit einem Austritt Großbritaniens wegfallen würden.

Noch verfügt ja Gibraltar über eine moderne, vibrierende Wirtschaft, die in erster Linie vom Dienstleistungssektor abhängt, wo viele junge EU-Bürger, inklusive zahlreicher Deutscher, Beschäftigung finden. Sie erzielen im Süden der iberischen Peninsula einen nahezu einzigartigen Ausgleich zwischen Arbeitsleben und Freizeitgestaltung in der Sonne Andalusiens. Aber letztendlich hängen die meisten Jobs in erster Linie vom Zugang zum gemeinsamen europäischen Markt, der zu einem der ersten Opfer des Brexits zu werden droht.

Wenig überraschend also, dass sich diese Abhängigkeit auch im Wahlverhalten der Bürger Gibraltars widerspiegelte. Im Gegensatz zum Kerngebiet, stimmten über 90% der Bewohner Gibraltars wenig überraschend für einen Verbleib in der Europäischen Union. Sie wurden aber von einer Mehrheit der Inselbewohner klar überstimmt und könnten zu den größten Verlierern dieses Referendums mutieren.

Denn in einem Worst-Case-Szenario könnten viele Unternehmen ihren Firmensitz einfach verlegen und damit Tausende Jobs gefährden. Gerade für die ansässigen Unternehmen aus der Finanzindustrie die wie Natwest Offshore Limited aus Gibraltar aus ihr Offshore Geschäft steuern, der internationalen Schiffsfahrt wie Zim und oder bwin aus dem Glückspiel-Sektor ist die Verlegung der Aktivitäten in ein anderes Gebiet aufgrund ihrer Geschäftsmodelle nicht besonders problematisch.

Ob dieser Fall aber wirklich eintritt, wird in erster Linie von der Verhandlungsstrategie beider Seiten abhängen.

Diesbezüglich erscheint sogar, eine an das EWR-Abkommen mit Island angelehnte, freundschaftliche Vereinbarung nicht unwahrscheinlich. Letzteres wäre mit Sicherheit das Wunschszenario der Tausenden EU-Angestellten in Gibraltar und zugleich ein Garant für Frieden und einer prosperierenden Wirtschaft in dem ansonsten so von Leid geplagten Süden der Halbinsel.

(Redaktion)


 


 

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