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Interview

Dr. Carla Kriwet zu Entwicklungen im Gesundheitssystem und Medizintechnik-Markt

Im Interview mit business-on.de spricht Frau Dr. Carla Kriwet über Entwicklungen im Gesundheitssystem und deren Auswirkungen auf den Medizintechnik-Markt. Außerdem nimmt sie Stellung dazu, inwiefern asiatische Hersteller von medizinischen Geräten die westlichen Qualitätsanforderungen erfüllen.

business-on.de: Frau Dr. Kriwet, alle sprechen vom Kostendruck im Gesundheitssystem. Woher kommt diese Entwicklung?

Dr. Carla Kriwet: Tatsächlich wachsen die Kosten für das Gesundheitssystem deutlich schneller als das Bruttoinlandsprodukt . Als Haupttreiber für diese Kostensteigerung sind sicherlich die demographische Entwicklung und der medizinisch-technische Fortschritt zu nennen. Gleichzeitig haben die Akteure es nicht geschafft, ihre Organisationsstrukturen und -prozesse wirklich nachhaltig zu verbessern, um so signifikante Einsparungen zu erzielen.

business-on.de: Was bedeutet diese Entwicklung für Medizintechnikunternehmen?

Dr. Carla Kriwet: Die Krankenhäuser und Arztpraxen versuchen natürlich den Druck weiterzugeben, und verlangen von ihren Lieferanten ihrerseits Einsparungen. Kaufentscheidungen über Geräte, bei denen in der Vergangenheit meistens die Ärzte das letzte Wort hatten, werden zunehmend von den Einkaufs-, IT- und Controlling -Abteilungen beeinflusst. Und die müssen ihre Sparziele erfüllen.

business-on.de: Aber das kann doch auch positiv sein, oder?

Dr. Carla Kriwet: Natürlich, die Unternehmen werden gezwungen, neben den High-End- Produkten auch Lösungen für das mittlere Preissegment anzubieten. Und die Kunden erwarten, dass die Vorteile der Geräte in Form von verbessertem Patientennutzen und niedrigeren Betriebskosten belegbar sind. Das untere Preissegment wird immer häufiger von asiatischen Wettbewerbern dominiert. Gleichzeitig müssen die Unternehmen nicht nur technische, sondern auch kommerzielle Innovationen entwickeln und ihre eigenen Strukturen und Prozesse effizienter gestalten.

business-on.de: Inwiefern erfüllen asiatische Hersteller von medizinischen Geräten die westlichen Qualitätsanforderungen?

Dr. Carla Kriwet: Vor einigen Jahren wurden asiatische Unternehmen eher als Zulieferer von einfachen Teilen gesehen. Aber das hat sich deutlich geändert. Unternehmen wie zum Beispiel der chinesische Anbieter für Patientenüberwachung und Bildgebungssysteme Mindray investieren stark in R&D und in Qualitätsoffensiven, und die Ergebnisse können sich sehen lassen: Sie gewinnen auch in Europa und USA vermehrt Marktanteile, da sie neben den niedrigen Preisen auch eine deutlich verbesserte Qualität anbieten können.

business-on.de: Sehen Sie eine Konzentration der Anbieter von Medizintechnik in Deutschland?

Dr. Carla Kriwet: Der Medizintechnik-Markt ist sehr dynamisch, es gibt immer wieder Übernahmen und Zusammenschlüsse. Da es ein sehr technologie- und kostenintensives Geschäft ist, versuchen die Unternehmen so ihre Kräfte zu bündeln. Aber der Markt ist immer noch sehr mittelständisch geprägt: Es gibt sehr viele kleine Nischenanbieter – weniger als ein Zehntel der Unternehmen hat mehr als 50 Mitarbeiter. Daran wird sich auch in der Zukunft nicht viel ändern.

Dr. Carla Kriwet ist Expertin auf dem Gebiet der Medizintechnik. Bis 2011 war Kriwet Vorstandsmitglied von Dräger, wo sie den Vertrieb und das Marketing der Medizin- und Sicherheitstechnik leitete.

(Redaktion)


 


 

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