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Pegida: Ihr seid nicht das Volk!

Seit Wochen gehen tausende Menschen auf die Straße und demonstrieren jeden Montag in Dresden und noch mehr in Leipzig. Das ist eigentlich nichts ungewöhnliches, denn das gab es schon vor 25 Jahren. Damals war es die Protestbewegung, die zum wohl größten Moment der deutschen Geschichte führte. Das ist heute nicht mehr so.

Ein schwer erklärbares Phänomen

Die Menschen, die nach dem Willen der Pegida auf die Straße gehen, um hauptsächlich rechte Parolen durch die Gegend zu brüllen, sind bedauerlicherweise nicht alle dumm. Das wäre eine einfache Erklärung dafür gewesen, dass die Demonstranten unter dem Deckmantel alter Denkmuster, die einst zur größten Katastrophe der deutschen- und auch der weltweiten Geschichte führte, auf die Straße gehen – Dummheit. Doch ist es anders. Viele der Menschen, die sich dieser Bewegung anschließen, kommen aus der sogenannten Mitte der Gesellschaft. Sie sind intelligent, teilweise mit hohen akademischen Abschlüssen – daher auch eine gute Adresse für Werbung der AfD, die sich gerne ebenfalls auf diesen Demos zeigen.

Ein Innenminister, der keinen Peil hat

Auch wenn viele Demonstranten aus der Mitte der Gesellschaft kommen, liegt SPD-Innenminister Ralf Jäger mit seiner Äußerung, dass die Organisatoren der Pegida „Neonazis in Nadelstreifen“ sind, sowas von dermaßen falsch, dass man glauben könne, er hätte von dieser Gefahr, die von der Pegida ausgeht, keine Ahnung. Wer sich einmal die Organisationsstruktur der Bewegung anguckt, trifft an der Spitze auf Lutz Bachmann. Der gelernte Koch ist einst und jetzt wird es interessant, vor einer Haftstrafe nach Südafrika geflohen. Er war also selbst einmal Flüchtling und geht nun gegen diese und Asylbewerber und gegen den Islam und Salafisten und wie sie alle heißen auf die Straße. Nadelstreifen trägt dieser Mann nun wirklich nicht. Er saß wegen Einbruchs zwei Jahre im Knaft. Aktuell ist er auf Bewährung wegen eines Drogendelikts. Herr Jäger, wo sind da denn bitte Nadelstreifen? Weiter von Nadelstreifen entfernt kann ein Anführer einer Bewegung kaum sein.

Nazitum unter dem Deckmantel Europas?

Der Name „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ hat schon beängstigendes.

Warum diese Bewegung auch im Netz klappt

Es gibt zwei Ebenen, auf denen die Pegida augenscheinlich funktioniert. Auf der Straße und im Internet. Gerade bei Facebook lässt sich erkennen, dass viele der Anhänger eben nicht dumm sind, auch wenn einige mit ihren Posts das Gegenteil bewiesen. Das ist aber die Minderheit. Die vielen „intelligenten“ verwenden auch gerne Codes, wie es auch schon im Namen der Pegida üblich ist. Dort wird als Islamisierung, wie es die Anhänger gerne ausdrücken nicht nur gegen die Religion als solches gewettert, sondern gegen ganze Bevölkerungsgruppen. Das sind die Araber, die Türken, eigentlich alle Ausländer, gegen die es geht, insbesondere gegen Flüchtlinge und Menschen, die Asyl beantragen wollen. Wer einen Blick in das Positionspapier, diese 19 Punkte der Pegida wirft, denkt vielleicht auf den ersten Blick, dass das eigentlich ganz vernünftige Forderungen sein könnten. Doch sind diese eine abgeschwächte Botschaften von offensichtlich Rechtsextremen bzw. wie Blogger Sascha Lobo es genannt hat „Latenznazis“.

Verdrehtes Weltbild

Wer also diesen Menschen zuhört und ihnen beim Demonstrieren zusieht, merkt, dass die Anhänger der Pegida ihr eigenes von der Realität stark verfälschtes Weltbild haben. Sie nennen sich nicht Nazis und bestreiten es welche zu sein, weil es quasi uncool ist. Sie brüllen daher ihre offensichtliche Distanzierung, die aber mehr Schein als Sein ist heraus. „Wir sind keine Nazis“ schallt es durch die Straßen. Man sei auch für das Asylrecht und man hätte nichts gegen Ausländer. Sagen können die Menschen viel – meinen tun sie es aber nicht.

Hauptsache Dresden

Da passt es so richtig, dass die größten Demos in Dresden stattfinden. Dort wurden Ausländer und Menschen mit anderen Religionen schon längst vertrieben. Die sind dort quasi „kein Problem“ mehr. 0,2 Prozent. Und trotzdem gehen die Menschen gerade dort auf die Straße und reden ihren rechtsextremen Mist daher. Schimpfen auf die angeblich gleichgeschaltete und unfreie deutsche Presse. Soviel kann ich sagen: Ich bin weder unfrei, noch gleichgeschaltet. Nur wissen eben jene, die angeblich so gleichgeschaltet und unfrei daherkommenden Journalisten, Redakteure, Herausgeber und Verläger eben, dass die Pegida, wie es schon Justizminister Heiko Maas bemerkt hat eine „Schande für Deutschland“ ist. Eine Überraschung ist diese Bewegung nicht, aber dennoch falsch.

Das einst so weltoffene Land

Unzählige Politiker haben oft von einem weltoffenen Deutschland gesprochen. Die Gesetze dazu fallen aber nicht immer nach diesem Credo aus. Abschottungsgesetze der EU und Deutschland führen auch dazu, dass tausende Menschen sterben und im Mittelmeer untergehen. Und dann hat die Bundesregierung einen Verkehrsminister, der eine Pkw-Maut durchprügelt, die zumindest zunächst auch nur für Ausländer ist – womöglich auch noch nichtmal EU-Konform. Dass auch dadurch eine Bewegung empor steigt, überrascht nicht. Pegida ist absolut schädlich für Deutschland und für unser Image in anderen Ländern. Dabei ist gerade unser Erfolg auch ein großer Verdienst von Einwanderern – ob Wirtschaftswunder und unser heutiges Standing. Pegida: Ihr seid nicht das Volk! Und wenn Euch das nicht gefällt, geht doch selbst ins Morgenland, das ja so schlecht sein soll und verlasst das gute alte Abendland. Und Änderungen im Grundgesetz – naja da stößt jeder Demonstrant auf taube Ohren. Lieber Anhänger von Pegida: Lernt das Miteinander. Menschen, die aus anderen Nationen nach Deutschland kommen, gehören genauso dazu wie Menschen, die seit eh und je in Deutschland leben. Wir brauchen hier weder Nazis oder Latenznazis noch Rechtsextreme. Denn gerade unsere „Multi-Kulti-Gemeinschaft“ macht uns zu das, was wir sind – guckt doch einfach mal auf die WM in Brasilien.

Artikel-Icon: Screenshot Youtube.com | ARD

(Redaktion)


 


 

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