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Digitalisierung

Wie Sie als KMU gestärkt aus der Digitalisierung hervorgehen

Wenn über Digitalisierung berichtet oder gesprochen wird, dann passieren oft zwei Dinge. Zum einen fallen viele Buzzwords, die Namen zukunftsweisender Technologien und digitale Endzeitszenarien werden diskutiert. Zweitens, selbst der gut belesene “nicht digitale” Geschäftsführer oder Inhaber kommt nicht mehr mit. Das liegt zum einen an seiner möglichen Unkenntnis der neuesten Technologien. Aber auch daran, dass viele Szenarien sehr weit weg vom unternehmerischen Alltag eines mittelständischen Unternehmens sind.

Solche Gespräche lassen in der Regel alle Beteiligten etwas ratlos zurück. Den Digitalen, weil er das Gefühl Deutschland verschlafe die digitale Transformation. Der Inhaber oder Geschäftsführer eines KMU bleibt ratlos zurück. Er weiß nicht, was wirklich relevant für ihn ist und wo er anfangen soll. Schließlich hat er ein Geschäft zu führen und den operativen Alltag zu gestalten.

Mit diesem Beitrag möchten wir Ihnen Fragen und eine Hilfestellung bieten, wie Sie als Inhaber oder Geschäftsführer die digitale Transformation eines mittelständischen Unternehmens aktiv gestalten.

Ihr Digitale Leitbild - Den Rahmen für ihre Digitalisierung abstecken

Frage 1: Wie sehr beeinflusst die Digitalisierung unsere Kernkompetenz?

Nehmen wir mal an Sie produzieren industrielle Verbrauchsgüter. Ihr alter Schulfreund dagegen leitet ein mittelständischen Handelsunternehmen. Wer glauben Sie treibt die Digitalisierung mehr Schweißperlen auf die Stirn?

Zu aller erst müssen Sie sich im Kreis ihrer Inhaber und der Unternehmensleitung im Klaren sein, welchen Einfluß die Digitalisierung auf ihre Kernkompetenz und ihre heutigen Stärken hat. Unternehmen, die in ihrem eigentlichen Kerngeschäft von der Digitalisierung betroffen sind, müssen mit hoher Geschwindigkeit digitale Kompetenz aufbauen und an der Implementierung ihres digitalen Geschäftsmodells arbeiten. Unternehmen, deren Kernleistung nicht betroffen ist können die Digitalisierung mit weniger Druck, kreativer und auch etwas freier angehen.

Frage 2: Wie lautet ihr digitales Leistungsversprechen?

Auch wenn ihre Kernleistung durch Digitalisierung nicht gefährdet ist, der Zugang zum Kunden ist für jedes Unternehmen eine Achillesferse. Digitalisierung verändert die Art wie wir konsumieren und kommunizieren. Was erwarten ihre digitalen Kunden, wie verändert sich ihre Customer Journey und was können wir für eine überragende Customer Experience tun?

Können Sie sich Szenarien vorstellen, in denen ihre Kunden z.B. über digital besser aufgestellte Unternehmen bestellen als direkt bei Ihnen? Welche zusätzlichen Services und digitalen Angebote könnte ein Kunden erwarten, die sie heute noch nicht anbieten, die aber in Konsequenz dazu führen, dass eine andere Partei den Kundenzugang besetzt?

Frage 3: Wie rechnen Sie ihren digitalen Business Case?

Glücklicherweise ist die Welt der Zahlen sehr einfach. Weniger ausgeben oder mehr einnehmen. Allerdings ist die Digitalisierung mit Investitionen verbunden. Und die sind in Anbetracht der Schnelllebigkeit und Komplexität digitaler Maßnahmen nicht ohne. Stellen Sie sich das Portfolio ihrer digitalen Maßnahmen als einen großen Garten vor. Der muss geplant aber vor allem auch gepflegt werden. Einmal anlegen reicht nicht. Digitalisierung ist definitiv kein Projekt, das einmal ordentlich umgesetzt ruhen kann. Können ihre Finanzen übrigens auch nicht.

Sie sollten klare Ziele und einen ambitionierten Business Plan für ihre Digitalisierung haben. Allerdings reicht ein wenig “more from the same” für eine nachhaltige Digital-Strategie nicht aus. Es braucht auch Innovationsimpulse und den Mut auch digitales Neugeschäft zu entwickeln oder sich in unbekanntes Terrain zu wagen.

Vier Handlungsfelder für ihre Digitale Transformation

Digitale Prozesse, Systeme und Zusammenarbeit

Ein offensichtlicher Anwendungsfall sind die eigenen Prozesse und die interne Wertschöpfung. Die Einführung moderner technischer Systeme ist für sie als KMU doppelt vorteilhaft:

  1. Hygiene in den eigenen Prozessen und mehr Effizienz
  2. Mehr Transparenz und Geschwindigkeit führen zu einem besseren Kundenerlebnis

Allerdings sollten Sie mit Einführung eines neuen System auch alte und lieb gewonnen Prozesse digital neu denken. Mit dem Redesign ihrer Prozesse können Sie auch ihr Kundenerlebnis verbessern und transparenter, qualitativ besser oder schneller in der Kundeninteraktion werden.

Digitales Marketing - Kundenbindung und Kundengewinnung

Auch wenn Ihr Leistungsversprechen durch Digitalisierung nicht beeinflusst wird, sollten Sie darüber nachdenken, wie sich das Nutzungs- und Einkaufsverhalten Ihrer Kunden verändert. Nehmen Sie die Taxibranche als Beispiel. Hat sich das Kernprodukt Taxifahren verändert? Wir steigen ein, lassen uns fahren, bezahlen. Das heißt das Taxifahren im engeren kern ist noch das gleiche wie vor 10 Jahren. Allerdings gibt es mittlerweile Services wie MyTaxi, die sich erfolgreich in die Wertschöpfung gedrängt haben und Taxizentralen überflüssig machen. MyTaxi besetzt den Zugang zum Kunden und hat damit die wichtigste Position in der Wertschöpfung übernommen.

Nutzen Sie digitales Marketing , um den Kunden dort zu erreichen, wo ihr digitaler Kunde sich heute aufhält. Dazu zählen Werbung und Kundendialog in sozialen Netzwerken wie z.B. facebook, die Auffindbarkeit über Google oder auch die Nutzung externer Plattformen wie z.B. amazon. Je nach Geschäftsmodell kann auch der Aufbau einer eigenen Kundenplattform zur Digitalisierung des Vertriebs sinnvoll sein. Damit gewinnen Sie eine höhere digitale Sichtbarkeit, unterstützen Sie Ihren Kundendialog, erreichen eine höhere Kundenbindung, gewinnen neue Kunden oder bauen alternative Absatzkanäle auf.

Neue digitale Services und Produkte entwickeln

Das dritte Handlungsfeld ist schon etwas für Fortgeschrittenen. Interpretieren Sie Ihre Stärken und Kernkompetenzen digital neu. Aufbauend auf diesem neuen Verständnis entwickeln Sie digitales Neugeschäft entlang Ihrer digitalen Kundenreise oder auch Supply Chain.

Allerdings erfordern Maßnahmen in diesem Handlungsfeld mehr Geduld und eine längere Anlaufphase als z.B. für Projekte im Bereich Prozesse und Markterschließung. Darüber hinaus benötigen Sie dafür neue Kompetenzen oder auch andere Partner. Sie müssen deutlich agiler vorgehen, Services prototypen und mit Anwendern testen. Impulse und Anregungen für die Entwicklung neuer digitaler Produkte ergeben sich insbesondere durch neue Technologien, ein erweitertes Verständnis Ihrer digitalen Kundenreise, Ihrer Supply Chain oder auch durch Kooperationen mit Startups.

Ihre Customer Experience designen

Schließlich nehmen Sie sich einmal ihre Kundenerfahrung vor. Gehen Sie durch alle Schritte, die ihr Kunde im Austausch mit ihren Leistungen und Angeboten verbringt. Versetzen Sie sich in seine Lage, fragen Sie ihre Kunden was sie dabei empfinden. Parallel lassen Sie bitte einmal ihren eigenen digitalen Alltag Revue passieren. Mit welchen Services und Medien kommen Sie in ihrem normalen Alltag privat in Berührung? Garantiert sind Sie digital sehr verwöhnt. Dagegen akzeptieren viele Unternehmen im Berufsalltag noch immer grausame User-Interfaces und komplizierte Prozesse. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis diese Angebote auch Ihren Markt und diese Erwartungen auch ihre Kunden erreichen. Fagen Sie morgen damit an: Geben Sie ihrer Webseite einen frischen Look, befreien Sie sich von nicht mehr zeitgemäßen Systeme und lassen Sie sich beim Einkauf neuer Systeme auch von ihrer Erfahrung als digitaler Konsument leiten.

Werkzeuge, Voraussetzungen und Unarten der Digitalen Transformation eines KMU

Sie haben wichtige Fragen für ihre Digitalisierung beantwortet und Handlungsfelder ausgearbeitet. Abschließend noch ein paar hilfreiche Werkzeuge aber auch ein paar Fallen, die jede gute Absicht für die Digitalisierung verpuffen lassen.

Inhaber und Unternehmensleitung sind dabei

Digitale Transformation in ihrem Unternehmen braucht die volle Aufmerksamkeit und der Inhaber und Geschäftsführer. Digitalisierung kann nicht delegiert werden. Das heißt auch, dass Sie als Inhaber oder Geschäftsführer Technologie und digitales Marketing zumindest in Ansätzen verstehen müssen. Nur so können Sie Prioritäten festlegen und sich für die richtigen Partner in der Umsetzung entscheiden.

Nicht Integriert und vernetzt denken

Es gibt in der digitalen Welt leider eine weit verbreitet Unart, die fast noch schlimmer ist als gar nichts tun. Nämlich sich ohne klares Konzept in digitalem Aktionismus verlieren. Ein wenig digitales Marketing da, ein wenig Social Media hier, natürlich brauchen wir auch einen neue Webseite und ein wenig von dieser Google Werbung. Gleichzeitig die eigene Systemlandschaft erneuern lassen.

Natürlich geben Sie alle Maßnahmen in unterschiedliche Hände. Das ist in etwa soll, als würden Sie ein Hausbau ohne Architekt erledigen ohne die Baustelle ein einziges mal zu betreten. Die eine Hand weiß nicht was die andere tut. Digitale Vorhaben benötigten zunächst ein integriertes Konzept und dann einen unternehmerisch denkenden Architekten, der ihre Strategie, ihren Business Case aber auch digitales Handwerk versteht.

Digital = Unternehmensentwicklung + Technologie + Kultur

Digitalisierung ist definitiv kein IT Projekt. Vor allem betrifft Digitalisierung die Art, wie Sie über ihr Unternehmen, seine Wertschöpfung aber auch ihre Arbeitsmodelle nachdenken. Sie können nicht neue Systeme einführen ohne sich ihre Prozesse anzuschauen und zu optimieren. In vielen Bereich brauchen Sie vielleicht auch neue Kompetenzen und neues Denken über ihre interne Organisation. Die Art wie wir Unternehmen strukturieren kommt schließlich noch aus einer Zeit in der Pferdekutschen über die Straßen rollten.

Eigene Digitale Kompetenz aufbauen

Bei der Frage wie viel eigene digitale Kompetenz benötigen schließt sich der Kreis zu unsere Eingangsfrage. Wie sehr ist ihre Kernkompetenz durch Digitalisierung gefährdet? Wenn ja brauchen Sie zwingend eigene inhouse Digital Kompetenz. Wenn nein ist es trotzdem auch kein Fehler sich digitale Experten in die Firma zu holen, die sich um die Umsetzung ihrer digitalen Transformation kümmern. Diese Digital Leader müssen Sie aber auch gestalten und machen lassen.

Förderung für Digitale Transformation

Es gibt diverse Programm zur Förderung der Digitalen Transformation im Mittelstand. Z.B. das Förderprogramm go digital vom BMWI. Mit dem Programm werden KMU bis 100 Mitarbeiter und 20 Mio. Euro Umsatz gefördert. Förderfähig sind Vorhaben im Bereich Digitale Prozesse, IT-Sicherheit und Digitale Markterschließung.

Fazit - So gelingt die Digitale Transformation im Mittelstand

Digitalisierung bietet Ihnen als mittelständisches Unternehmen die Chance ihr Geschäftsmodell digital neu zu denken. Die Digitale Transformation ist Teil ihrer Unternehmensentwicklung, Sie brauchen ein Konzept und aufeinander abgestimmte Maßnahmen. Starten Sie mit einem digitalen Leitbild, rechnen Sie ihren digitalen Business Case und identifizieren Sie ihre Handlungsfelder. Wenn Sie dann noch akzeptieren, dass Digitalisierung mit Investitionen verbunden ist und eine gesamtunternehmerische Sicht braucht, dann sind Sie gut gerüstet, um mit der Digitalisierung stärker und erfolgreicher zu werden.

(Andreas Diehl)


 


 

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