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Doppelte Haushaltsführung

Kinder können öfters Werbungskosten absetzen

Maßgebend für die Anerkennung einer doppelten Haushaltsführung ist, dass sich der Mittelpunkt der Lebensinteressen weiterhin am Hauptwohnort und nicht in der Wohnung in der Nähe der Arbeitsstätte mit der Zweitwohnung befindet. Dies liegt bei Verheirateten in der Regel ohne weitere Prüfung vor, weil die Familienwohnung regelmäßig den Lebensmittelpunkt darstellt.

Bei Ledigen hingegen wird der eigene Hausstand hinterfragt und von kritischen Finanzbeamten oftmals verneint. Der auswärts berufstätige Nachwuchs hat in der Regel keinen eigenen Hausstand, sofern er noch bei den Eltern wohnt. Denn mit einem Zimmer innerhalb der elterlichen Wohnung ist das Kind in den Hausstand der Eltern eingegliedert. Daher kommt es meist nicht zur Begründung eines beruflich veranlassten Zweitwohnsitzes in der Nähe der Arbeitsstelle, weil sich Sohn oder Tochter nicht oder nur geringfügig an den Kosten für die elterliche Wohnung beteiligen.

Diese strikte Sichtweise weicht der BFH mit Urteil vom 21.4.2010 (Az. VI R 26/09) auf. Hiernach ist für die Anerkennung einer doppelten Haushaltsführung nicht unbedingt notwendig, dass der Arbeitnehmer für die Kosten des Haushalts aufkommt. Diesen bislang stets herangezogenen Umstand hält der BFH zwar weiterhin für ein besonders gewichtiges Indiz, aber für keine zwingende Voraussetzung. Dieser Tenor betrifft insbesondere auswärts beschäftigte Kinder, die bei ihren Eltern noch ihren Hauptwohnsitz haben, sich dort aber kaum oder überhaupt nicht finanziell am Unterhalt der Wohnung beteiligen.

Grundsätzlich kann auch ein alleinstehender Arbeitnehmer neben seinem Hauptwohnsitz eine weitere Wohnung berufsbedingt am Beschäftigungsort unterhalten, also einen doppelten Haushalt führen. Nutzt er eine Wohnung davon unentgeltlich, muss geprüft werden, ob sie als seine eigene oder als die des Überlassenden – wie zum Beispiel der Eltern – zu behandeln ist. Im Rahmen dieser Prüfung spielt die Tatsache, ob der Arbeitnehmer für die Kosten des Haushalts aufkommt, nur eine besonders wichtige Rolle, sie ist aber kein K.-o.-Kriterium. Lässt sich die finanzielle Beteiligung nicht feststellen, ist damit eine eigene Haushaltsführung des auswärts Beschäftigten nicht automatisch ausgeschlossen, wie auch umgekehrt aus einem finanziellen Beitrag allein nicht zwingend auf das Unterhalten eines eigenen Haushalts zu schließen ist.

Lediglich das Vorhalten einer Wohnung für gelegentliche Besuche oder Ferienaufenthalte stellt keinen Unterhalt eines Hausstands dar. Bei Alleinstehenden wird darüber hinaus unterstellt, dass mit zunehmender Dauer der Auswärtstätigkeit grundsätzlich immer mehr dafür spricht, dass die eigentliche Haushaltsführung und auch der Mittelpunkt der Lebensinteressen am Beschäftigungsort liegen oder dorthin verlegt wurden. Indizien dafür, wo der Lebensmittelpunkt liegt, können sein

  1. wie oft und wie lange sich der Arbeitnehmer in der einen und der anderen Wohnung aufhält
  2. wie beide Wohnungen ausgestattet sind
  3. wie groß beide Domizile sind
  4. die Dauer des Aufenthalts am Beschäftigungsort
  5. die Entfernung beider Wohnungen
  6. die Zahl der Heimfahrten
  7. zu welchem Wohnort die engeren persönlichen Beziehungen bestehen

(VSRW-Verlag)


 


 

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