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Abseits aller Vernunft – Die Sportglosse

Ohne Filter: Bade-Vergnügen in den eigenen vier Hecken

Es muss am Wetter liegen, dass sie sich in diesem Sommer bislang so rar gemacht haben: die meist aufblasbaren, meist runden und meist nur eine Saison haltbaren Swimmingpools in deutschen Gärten. Benötigte man früher nur starke Lungen oder einen Blasebalg, um den Schwimmgenuss in den eigenen vier Hecken zu genießen, bietet der gut sortierte Fachhandel heute technisch ausgefeilte Lösungen.

Der aufblasbare Swimmingpool ist fester Bestandteil in den Jugenderinnerungen der heutigen Best Ager (also Menschen so ab 50). Kaum kam im Sommer die Sonne raus, eilte Vater in den Keller und kramte aus irgendeiner Ecke einen undefinierbaren, meist gelb- oder blaufarbenen Plastikberg. Das war der Pool. Meist hatte er genau drei Ringe, die aufgepustet werden mussten. Und da es damals noch kein Reparaturset als Gimmick gab, verabschiedete sich im Lauf der Saison luftlos mindestens ein Ring – was zu lustigen Ausbeulungen des restlichen Beckens führte.

Das eigentliche Badevergnügen dauerte exakt vom Zeitpunkt des Wassereinlaufenlassens bis zur ersten Benutzung. Denn ab diesem Zeitpunkt färbte sich das Wasser durch mitgebrachte Grashalme, Sonnencremereste und unzählige Insekten mattweiß. Eigentlich hätte man jeden Abend das Wasser wechseln müssen.

Aber erstens dauerte es ewig, bis das Becken wieder voll war, und zweitens hätte man mit dem Gießwasser ganze Parkanlagen durch den Sommer bringen können – oder aber den eigenen Garten in eine Art Dauer-Reisfeld verwandelt. Also blieb das Wasser da, wo es war: im Becken. Die Brühe sah nach spätestens drei Badetagen dermaßen ranzig und übel aus, dass selbst Außentemperaturen jenseits der 30 Grad nicht zum Sprung ins eigene Nass verführten.

Heute, eine ganze Badebeckengeneration später, gibt es zuverlässige Pools mit stabilen Außenwänden, einem Durchmesser von mindestens drei Metern, einer Chlorpumpe und einem Filtersieb, das Grashalme, Haare, Insekten und Hautschuppen zuverlässig herausfiltert.

Allerdings sollte der Umgang mit dem Chlor geübt werden. So mancher Badetag ließ bleiche Gesichter zurück – mit brennenden Augen kurz vor der Verätzungsgrenze.

Wer über eigenen Grund und Boden verfügt und das entsprechende Kleingeld parat hat, kann sich alternativ auch einen Schwimmteich bauen lassen. Ein guter Freund vom Niederrhein nennt ein solches Exemplar sein eigen. Schwimmen kann er im Schwimmteich allerdings nicht: Die Koi-Karpfen, die er vor Jahren angeschafft hatte, sind inzwischen so groß und so zutraulich geworden, dass an einen geregelten Schwimmbetrieb nicht zu denken ist. Er hat sich, der Not gehorchend, einen aufblasbaren Pool gekauft. In dem sitzt er nun, gut bechlort, und blickt in seinen Schwimmteich.

(Wolfram Lotze)


 


 

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