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Abseits aller Vernunft – Die Sportglosse

Tote Hose: Ohne Lycra zum Frühstücksbuffet

Andere Länder, andere Sitten – und manchmal auch skurrile Verbote. Radfahrer, die in den nächsten Wochen nach Neuseeland aufbrechen, sollten um ein ganz bestimmtes Hotel einen großen Bogen machen.

Neuseeland hat sich bislang noch keinen Namen als führende Nation der Radfahrer erarbeitet. Vielleicht gibt es einfach zu viele Schafe dort unten, die die Straßen vollkötteln.

Und vielleicht ist das Land auch einfach zu weit weg von allem, was mit echtem Radsport zu tun hat: Tour de France, Giro d’Italia oder selbst die einfache Jedermannrunde in den Alpen sind aus dem Blickwinkel der Neuseeländer nicht nur viele Flugstunden, sondern wahrscheinlich Äonen entfernt. (Dabei starten die Radprofis Jahr für Jahr direkt nebenan in Australien bei der angesagten Tour Downunder. Aber das ist eine andere Geschichte).

Und den paar Radfahrern, die dennoch in Neuseeland unterwegs sind, droht nun von ganz anderer Seite aus Unbill.

In Rangiora auf der Südinsel gibt es einen Hotelier, der Radfahrern in Radhosen das Betreten des Frühstücksraums verbietet. Weil er die Beulen, die die vor allem männlichen Radkünstler körperbedingt ins hauchdünne Plastik schlagen, seiner Meinung nach unappetitlich und eine Zumutung für die übrigen Gäste sind.

Quietschbunte Yogahosen, einheitsgraue Fußball-Schlabberhosen, knatschenge Leggings und andere Zeugnisse für körperliche Ertüchtigung sind dagegen uneingeschränkt erlaubt.

Tatsächlich wirken die meisten Radlerhosen, vor allem die mit den dicken Sitzpolstern und den breiten Mesh-Trägern, nicht besonders ästhetisch.

Das liegt aber häufig nicht an den Hosen, sondern an denen, die sie tragen.

Bierbauch unter gespanntem Lycra sieht genau so übel aus wie wolliger Haarflaum, der schwarz und zentimeterlang unter dem Abschluss der Hose herauslugt.

Andererseits legen viele Radfahrer mehr Wert auf Kleidung und auf Aussehen als aufs Radeln selbst.

Wenn man denen schon beim Schaulaufen zum Frühstück die teure Radl-Hose verbietet, bricht eine Welt zusammen. Da hilft in Einzelfällen nur eine Ferienwohnung, in der man sich frei anziehen und bewegen kann.

Der Hotelier hat mit seinem Lycra-Verbot zwar für Schlagzeilen gesorgt; die Chancen, dass eines Tages die Tour de France in Neuseeland vorbeischaut, werden durch solche Verbote aber weder befördert noch geschmälert. Denn erstens frühstücken Radprofis immer ohne Publikum. Und zweitens wäre der Transfer vom Grand Départ in Ozeanien zur nächsten Etappe in Frankreich doch etwas zu weit.

(Wolfram Lotze)


 


 

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