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Abseits aller Vernunft – Die Sportglosse

TÜV-geprüft und museumsreif: Fußballclubs auf neuen Wegen

Was hat Köln, was Düsseldorf nicht hat? Das ist schnell erzählt: den Dom, einen äußerst entspannten Umgang mit Pfusch am Bau und neuerdings einen TÜV-geprüften Fußballverein namens FC.

Rein zufällig sitzt der prüfende TÜV ebenfalls in Köln – aber er hat auch schon Leverkusen und Bayern München zertifizert, so dass man nicht zwingend kölschen Klüngel unterstellen muss.

Für den Standard „Geprüfte Servicequalität Sport“ checkten die TÜV-Leute Kriterien wie Ticketverkauf, Einlasskontrollen, Sicherheitsbereiche und Sanitäranlagen. Ebenfalls im Blickfeld: die Stimmung im Stadion und die Servicequalität der Onlineangebote und der Hotlines beim Eff Zeh. In sogenannten „Mystery Checks“ – man könnte auch von verdeckten Ermittlungen sprechen – erlebten die TÜV-Tester außerdem am eigenen Körper, wie es um den Service im Stadion und drumherum bestellt ist. Anscheinend gut – so gab es das Zertifikat.

St.Pauli: Wer fördern will, muss malen...

Ganz andere Wege im Marketing geht ein anderer FC aus dem hohen Norden. Der Zweitligist St. Pauli, in seiner Tabelle noch erfolgreicher als der Namensvetter vom Rhein, möchte gerne ein eigenes Vereinsmuseum errichten. Das kostet Geld.

Unter dem Motto „museumsreif. Ein Malbuch“ haben einige Fans nun ein Malbuch mit „17 abwechslungs- und detailreichen Motiven“ herausgegeben. Die Künstler stammen allesamt aus der Fanszene, und das Büchlein gibt’s für jeweils fünf Euro im Fanshop und im freien Verkauf vor den Heimspielen. Wer genügend Buntstifte mit ins Stadion bringt, kann also schon beim Warmlaufen der Teams mit dem Malen beginnen. Der Erlös geht selbstredend ins geplante Museum.

Was bedeutet dies nun für die Fortuna aus Düsseldorf?

Wer jemals im Oberrang und in der Halbzeit erstens aufs Klo und zweitens für ein Bier anstehen musste, hofft inständig, dass niemals gerade ein TÜV-Mitarbeiter in Sachen „Mystery Check“ unterwegs ist. Das Service-Ergebnis sähe verheerend aus.

Und was das Malen betrifft: Angesichts der laufenden Saison und des aktuellen Tabellenstandes haben nur Schwarzmaler Hochkonjunktur.

Sollte Fortuna tatsächlich den Absturz in die dritte Liga vermeiden, hätte der Verein zumindest das Prädikat „et hätt noch emmer jooot jejange“ verdient. Das ist zwar kölsch, aber ohne TÜV-Zertifizierung. Und liest sich wie gemalt.

(Wolfram Lotze)


 


 

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