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Abseits aller Vernunft: Die Sportkolumne

Mit einem Lächeln auf den Lippen: Von der Kunst des Sportler-Grußes

Wer jemals in den bayerischen oder österreichischen Bergen wanderte, weiß, wie sich dort die Rucksackträger selbst in größter Einöde begegnen: mit einem freundlichen „Grüß Gott!“ auf den Lippen. Das gilt sogar für die Zugereisten. Die Grußkultur unter hiesigen Sporttreibenden lässt dagegen stark zu wünschen übrig. Bei vielen gilt anscheinend das Motto: Wer grüßt, verliert.

Relativ unbefangen gehen die Walkerinnen und Walker mit dem Gruß auf freier Wildbahn um. Sie begrüßen im Vorübergehen eigentlich Jeden und Alles, was des Weges kommt – auch und gerade, wenn man sich nicht kennt. Das ist sympathisch, das ist schön, nervt aber ein wenig, wenn man beispielsweise an einem Sonntagmorgen im Düsseldorfer Stadtwald unterwegs ist. Vor lauter freundlichem Zurücknicken und -grüßen bleibt der Sport fast auf der Strecke.

Bei den schnelleren Walddurchquerern, also den Joggern, gibt es ein völlig unterschiedliches Bild. Die einen grüßen, die anderen nicht, die einen lächeln, die anderen hetzen mit schmerzverzerrtem Gesicht vorüber. Der eine Teil der Laufgemeinschaft verzichtet anscheinend deshalb auf den Gruß, weil er wie in Trance durch den Forst schwebt. Der andere Teil wiederum, weil er nur jene Zeitgenossen wahrnimmt, die eine adäquate Laufbekleidung ihr Eigen nennen. Adäquat heißt: alles außer Discounter-Laufklamotten und –schuhen. Schade. 

Geradezu hierarchisch geht es bei den Fahrradfahrern zu. Rennradfahrer grüßen Rennradfahrer – meistens jedenfalls. Rennradfahrer grüßen selten Moutainbiker – es sei denn, Letztere grüßen zuerst. Mountainbiker grüßen wiederum Mountainbiker, selten aber Treckingradler. Letztere gelten anscheinend als unsportlich. Dass sich Menschen auf normalen Stadträdern untereinander nicht grüßen, liegt wiederum daran, dass es einfach zu viele davon gibt. Eine Grußfahrt durch die City würde vermutlich mit dauerhafter Schulterstarre enden.

Nun sollte niemand einer unpersönlichen, unechten Grußkultur das Wort reden. Manchmal aber wäre es schön, wenn Walker, Läufer, Radfahrer und andere Sporttreibende ab und zu durch freundliches Nicken zum Ausdruck bringen würden, warum sie sich so abrackern: Weil es Spaß macht!

(Wolfram Lotze)


 


 

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