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Ohne Schonung - Im Labyrinth der Weihnachtsbäume

Weihnachten ohne Baum ist wie Cola ohne Kohlensäure: Geht schon irgendwie – aber angenehm ist anders. Das Spannendste am Traum vom eigenen Baum bleibt jedoch die Grünzeugbeschaffung an sich.

Auf die jährliche Diskussion, ob wir überhaupt wieder einen Weihnachtsbaum aufstellen sollen, verzichte ich wohlweislich. Zumal ich mit meiner Alternative – einem Erbstück in Form einer fast mannshohen Pyramide aus dem Erzgebirge – schon vor einigen Jahren schweren Schiffbruch erlitten hatte. Denn beim ersten Versuch, dieses von Generation zu Generation weiter gegebene Prachtstück weihnachtlicher Schnitzkunst in unserem Wohnzimmer zu entzünden, stand Heiligabend tatsächlich die Pyramide in Flammen. Und zwar überall – nicht nur an den Kerzenhaltern. Irgendwie hatte ich beim Aufbau gepfuscht und die brennbaren Teile nicht ordentlich von den nicht brennbaren getrennt. Noch heute wird das Thema Erb-Pyramide bei Familientreffen gewissenhaft umgangen, und das ist gut so. Denn noch immer bin ich nicht dazu gekommen, das angekokelte Teil aus der Kellerecke zu holen, mit der Drahtbürste zu säubern, verbrannte Stücke auszubessern und damit zumindest annähernd den Originalzustand wiederherzustellen. Deshalb gibt es also auch diesmal wieder einen Baum.

Seit einigen Jahren ist es dabei Tradition, den Weihnachtsbaum schon Mitte November in einer Schonung nahe Düsseldorf auszuwählen, zu reservieren und erst kurz vor dem Fest zu schlagen. Klingt einfach, ist es aber nicht. Eine Schonung, die man Mitte November in vollem Baumbestand betritt, sieht beim Bäumchenschlagen sechs Wochen später völlig anders aus. Weil zwei Drittel aller Tannen, an denen man sich auf dem Weg zum eigenen Baum orientiert hatte, bereits in fremden Wohnzimmern stehen.

Auch die laminierten Nummern, die nach der Baum-Auswahl an die Tannenspitze geheftet werden, geben keine Garantie fürs eigene Grün. Mancher Tannenfreund tauscht die Nummernschilder heimlich aus, um sich in den Besitz des vermeintlich besseren Nachbar-Baumes zu bringen. So haben wir erlebt, dass unser ausgewählter Wunschbaum binnen sechs Wochen von stattlichen 1,80 Meter auf mickrige 1,30 Meter geschrumpft war. Und sich dabei auch noch selbst um einen Meter versetzt hatte...

Inzwischen sind wir längst Profis in Sachen Baum-Wahl. So wird der Weg durch die Schonung jeweils per Handyvideo aufgezeichnet. So verläuft sich später keiner. Neben der laminierten Nummer bringen wir inzwischen jeweils ein Fahrradkettenschloss an, das in Augenhöhe um den Stamm geschwungen wird.

Glücklicherweise haben wir den dazugehörigen Schlüssel bislang nie verlegt – ein Weihnachtsbaum mit Kerzen, Lametta und geschlossener Fahrradkette sähe dann doch zu dämlich aus.

(Wolfram Lotze)


 


 

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