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Abseits aller Vernunft: Die Sportkolumne

Zahnlose Drachen im Taumelflug

Herbstzeit – Drachenzeit! Was gibt es Schöneres, als sich auf den Höhen der Knittkuhle oder in der Weite der Oberkasseler Rheinwiesen mit den Kräften des Windes zu messen? Eigentlich nichts – wenn es denn mal so weit kommt...

Es war ein sonniger, windiger Tag im September, als ich mich mit meinen beiden damals noch halbwüchsigen Jungs auf den Weg zu den Rheinwiesen machte. Im Gepäck: zwei im Kunstunterricht in der Schule gebastelte Old-school-(was sonst?!)Drachen. Die Luftfahrzeuge hatten bunte Schleifchen im Schwanz, ein aufgemaltes Gesicht und nur eine einzige Halteleine. Ich dagegen trumpfte mit meinem nagelneuen, beim Discounter erstandenen Lenkdrachen auf – ein Sportgerät mit High-Tech-Polyesterbezug, zwei reißfesten Top-Speed-Leinen und schreienden Farben, die den Drachen auch noch in 500 Meter Höhe als den meinigen erkennen lassen würden.

Doch anstatt mein Fluggerät voller Schwung in dem Himmel zu ziehen, musste ich mich mit allzu Irdischem beschäftigen. Problem Nr. 1: Drachenschnüre – vor allem, wenn sie nicht entsprechend aufgerollt sind – haben die Angewohnheit, sich schon beim Transport schier unentwirrbar zu verheddern. Ein Seilknäuel ist schon anstrengend genug – in diesem Fall hatte ich gleich zwei. Und zwei quengelnde Burschen, die auf einen raschen Flugstart drängten.

Jetzt kann der Spaß beginnen!

Nach nur 15 Minuten Echtzeit und einer gefühlten Ewigkeit hatte ich die Leinen los – der Spaß konnte beginnen. Dabei hatte ich verdrängt, wie wir früher Drachen steigen ließen: Einer hält den Drachen, und der andere läuft mit der Schnur in die Gegenrichtung. Beim ersten Selbstbau-Drachen ging alles glatt. Schnurgerade schraubte sich der Papierkörper nach oben, die Schleifchen tanzten im Wind – ein herrliches Bild.

Nun wollte Sohn Nr. 2 ebenfalls starten – und mein Fluggerät musste warten. Auch hier gelang der Start fast perfekt, und nur wenige Augenblick später standen zwei glückliche Pimpfe auf der Wiese und übten sich in Windspielen.

Denkste!

Just in dem Augenblick, als ich mein High-End-Gerät von der Leine lassen wollte, kamen sich die beiden Erd-Piloten in die Quere. Flugs kreuzten ihre Drachen die Flugbahnen, und im Taumelflug sanken die Papiergebilde hilflos zu Boden – mir vor die Füße. Die Enttäuschung war mindestens ebenso groß wie das Gejammer, das nun einsetzte. Und so stand ich kurze Zeit später wieder im Wind und entflocht am Boden die verhedderte Seilschaft.

Wir hatten ja bereits Erfahrung und brachten die nun folgenden Startmanöver rasch hinter uns. Ich konnte mich endlich meinem Lenkdrachen zuwenden. Fast hätte ich ihn auch in die Luft bekommen – wäre bei dem einen der beiden Sohnemann-Drachen nicht die Querrippe im Stäbchenkreuz gebrochen. In weiser Vorahnung hatte ich eine Rolle Klebeband ins Auto gelegt, und so ließ sich das Malheuer recht rasch beheben. Wieder standen wenig später zwei Schülerdrachen im Wind, und wieder nahm ich Anlauf, um mein Lenkwunder in den Himmel zu hieven.

Weiter aber kam ich nicht. Just in diesem Augenblick riss bei Drachen Nummer zwei die Schnur, und wir konnten nur hilflos mitansehen, wie das Teil nach unten taumelte und sich - für uns unerreichbar – in der einzigen Weide weit und breit verfing. Wir warteten noch ein wenig, ob uns nicht der Wind helfen und den Drachen herunterwehen würde. Diesen Gefallen tat er uns leider nicht. So holten wir den verbliebenen Drachen wieder ein, packten meinen – unbenutzten – Lenkdrachen dazu und gönnten uns als Trost auf dem Heimweg heiße Schokolade.

Mein Lenkdrachen ist übrigens bis heute nicht in die Luft gegangen. Aber nur, weil ich letzten Sommer die Schnur als Bindeleinen für die Tomaten benutzt und später vergessen habe, für Ersatz zu sorgen...

(Wolfram Lotze)


 


 

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