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Abseits aller Vernunft: Die Sportkolumne

Fußball-Träume mit Resopal, Pokalen & falschen Stutzen

Keine drei Wochen ist es her, seit wir Michel beim Düsseldorfer Vorort-Fußballclub angemeldet haben. Und schon sitze ich in der ersten Elternversammlung. Draußen, auf der rotgeschotterten Kampfbahn, laufen mehr als 30 acht- bis zehnjährige Jungen hinter einem einzigen Ball her. Drinnen, im resopalbemöbelten und mit unzähligen Urkunden, Pokalen und Ehrenpreisen bestückten Vereinsheim geht’s direkt zur Sache.

„Ich bin der Kurt“, kämpft sich Kurt, einer der Trainingsleiter, durch die rauchgeschwängerte Luft. Anscheinend ist das Sportlerheim der einzige öffentliche Ort in Düsseldorf, in dem auch drinnen gequalmt werden darf. „Also, um es für die Neuen zu sagen: Hier duzen sich alle“, sagt Kurt. Warum auch nicht – wenn man nur ein Fenster öffnen könnte. Auch die Tür bleibt während der Versammlung zu. Schließlich sollen die Kleinen nicht mal eben zwischendurch und schon gar nicht in verdreckten Fußballschuhen ins Vereinsheim stiefeln.

Kurt macht das einfach prima

Kurt macht seine Sache prima. In nur 20 Minuten hakt er Weihnachtsfeier (als Geschenk soll’s neue, individuell beflockte Leibchen geben), Osterturnier („Mütter gegen Kinder – war im letzten Jahr ein Riesenhammer!“) und Sommerfest („Das eine oder andere Fässchen Bier als Spende wär‘ nicht übel!“) ab. Alles klar – gäbe es da nicht die Eltern der künftigen Fußball-Weltmeister.

Da kennt Kurt keinen Pardon. „Die Kinder sollen Spaß am Fußballspielen haben, sich austoben und Freunde finden – mehr nicht“, sagt Kurt und hat meine Sympathien sofort auf seiner Seite. „Auf keinen Fall darf irgendein Erwachsener seinen sportlichen Ehrgeiz an den Kleinen auslassen“. Zustimmendes Nicken in der Runde. „Es kann ja wohl nicht angehen“, sagt Kurt und schiebt seinen gerstensaftgeschwängerten Bauch nach vorne, „dass die Eltern wie beim letzten Auswärtsspiel quer über den Platz mit dem Trainer diskutieren, ob der Sohn nach fünf Minuten wirklich ausgewechselt werden darf.“ Denn: „Mit so was machen wir uns komplett lächerlich!“ Verständnisvolles Kopfnicken bei den Eltern. Schade nur, dass diejenigen, die es betrifft, heute anscheinend nicht gekommen sind.

Egal: Bevor die Sauerstoffversorgung im Raum endgültig zusammenbricht, ist Kurt bei den Formalien angelangt. Ob Sonder-Etat für Süßigkeiten („Bitte am Monatsanfang bei Erika fünf Euro extra in die Spielerkasse zahlen“), Farbe der Trainingsanzüge („rot-grün kommt nicht so gut“) oder Fußballtasche mit und ohne Schuhfach – nach 30 Minuten Aussprache ohne größere Diskussion neigt sich die Versammlung dem Ende entgegen.

Draußen läuft mir ein überglücklich lächelnder Sohnemann in die Arme. „Ich habe heute ein Tor geschossen – und das, obwohl mir der Trainer gesagt hat, dass ich die falschen Stutzen anhatte.“ Das, so meine ich, sollten wir auf jeden Fall in der nächsten Elternversammlung besprechen.

(Wolfram Lotze)


 


 

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