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Auf einen Cappuccino: Die Jamin-Kolumne

Handkes Nobelpreis und die Skandale

Es war offensichtlich ein Schock für die Insider auf der Frankfurter Buchmesse. "Die Buchmesse ist in eine kleine Schockstarre gefallen", schreibt der Kulturchef der Rheinischen Post, Lothar Schröder. Der Grund: Die Verleihung des Nobelpreis für Literatur an Peter Handke.

Nicht alle sind mit dieser Wahl einverstanden. Mit der Schlagzeile "Literaturpreis für eine Schlaftablette" weckte Literaturcafé.de seine Leser*innen auf. Autor Malte Bremer scharfzüngig: "Meine sporadischen Versuche mit diesem Handke endeten immer bereits nach wenigen Zeilen: Er war und ist eben ein ausgesprochener Langweiler. Doch dafür ist kein Raum in meinem Leben."

Schnappatmung in Düsseldorf

Auch Profileserin Elke Heidenreich ist "kein Handke-Fan, nie gewesen". Sie sei mit vielen Dingen, die Handke sage und tue, nicht einverstanden. Darüber hinaus ist sie gegen solche Auszeichnungen. "Auch der Nobelpreis für Literatur erscheint mir lächerlich", meint Heidenreich: "Man kann nicht Bücher preisen und gegen andere Bücher ausspielen. Jedes Buch erzählt anders."

In Düsseldorf, meiner Lieblingswohnstadt, werden einige Leute, vor allem Politiker, Schnappatmung bekommen haben. Schließlich ist 2006 eine große Meute Düsseldorfer Politpromis über den Dichter lautkläffend hergefallen, als er mit dem Heinrich-Heine-Preis ausgezeichnet wurde.

Stanisic kritisiert Nobelpreisträger

Kritiker werfen - damals wie heute - Handke vor, in seinem Werk die Kriegsverbrechen im Namen des serbischen Nationalismus zu verharmlosen. So unterzeichnete Handke einen Künstlerappell zur Verteidigung des serbischen Politikers Slobodan Milošević. Auch besuchte der Dichter den Serbenführer im Gefängnis in Den Haag, wo er wegen Völkermordes und Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt war.

Sasa Stanisic, neuer Preisträger des Deutschen Buchpreises, kritisierte Handke jetzt bei der Feierstunde in Frankfurt. Dessen Wirklichkeit bestehe "nur noch aus Lügen". Das Börsenblatt des deutschen Buchhandels schreibt dazu: "Sichtlich um Fassung bemüht, kritisierte er die Verleihung des Literaturnobelpreises an Peter Handke, der die Fakten des bosnisch-serbischen Krieges leugne." „Ich hatte das Glück zu entkommen“, sagte der Bosnier Stanišić.

Handke noch Heine-Preisträger

Den Düsseldorfer Handke-Skandal versucht man zwar dadurch kleinzureden, dass behauptet wird, Peter Handke sei 2006 in den Wirren des Skandals vom Preis zurückgetreten. Doch das stimmt nicht. In seinem als Absage gedeuteten Brief an den damaligen Oberbürgermeister Joachim Erwin steht kein Wort vom Rücktritt vom Preis. Handke wollte nicht zur Preisverleihung kommen. Ihn störten "die Pöbeleien" der "Parteipolitiker".

Handke wörtlich: "Ich bitte Sie – so das in Ihrer Macht steht –, die Sitzung oder Veranstaltung auf den Nimmerleinstag zu verschieben und stattdessen die Stadträte an die frische Luft zu entlassen, z.B. zu einem Picknick an den Rhein."

Laut Satzung Heine-Preisträger

Auch sah die damalige städtische Satzung des Heine-Preises gar keinen Rücktritt vor. Und der Rat der Stadt hat dem Autor den Heine-Preis auch nie abgesprochen. Man bevorzugt bis heute das Totschweigen des Dilemmas. Bei Wikipedia bemühen sich einige Autoren um Verschleierung der Wahrheit.

Da heißt es wahrheitswidrig: "…2006: Nominierung für den Heinrich-Heine-Preis der Stadt Düsseldorf am 20. Mai 2006. Ablehnung des Jury-Entscheids durch drei Stadtratsfraktionen (30. Mai 2006), Verzicht Handkes am 2. Juni 2006.[47]". Die Formulierung täuscht eine Ratsentscheidung vor, die es nicht gegeben hat.

Mein Buch "Der Handke-Skandal"

Wer sich für die ganze und wahre skandalöse Geschichte und Debatte um den Heine-Preis 2006 interessiert findet eine vergnügliche Lektüre in meinem - zugegeben recht polemischen - Buch "Der Handke-Skandal".

Meine Chronik des "Skandals der Skandale" führt den Leser in die Szenen von Literatur, Politik und Medien und in die Hinterstuben einer literarischen Welt, wo Politiker die Strippen ziehen und Literaturexperten vor diesen kapitulieren. Auch analysiere ich die Ereignisse, Diskussionen und Medienberichte rund um die Preisverleihung und befasse mich mit den sechs Serbien-Werken des umstrittenen Dichters über die jugoslawischen Kriege der 90er Jahre.

Man kann das Buch hier bestellen.

Bleiben Sie fröhlich. Bis nächsten Freitag. Auf einen Cappuccino...
                   Ihr Peter Jamin

Unser Autor arbeitet als Schriftsteller und Publizist sowie als Berater für Kommunikation seit Jahrzehnten immer wieder auch für ausgewählte Projekte. Sein soziales Engagement gilt der Situation von Angehörigen vermisster Menschen, auf deren Situation er in Büchern, TV-Dokumentationen und Artikeln seit mehr 20 Jahren aufmerksam macht. Mehr unter www.jamin.de

(Peter Jamin)


 


 

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