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AUS DER BAHN

Lügen haben kurze Beine

Auch in diesem Monat komme ich nicht umhin, mich gedanklich mit dem Mysterium der menschlichen Psyche zu beschäftigen. Besonders amüsant wird es, als ich einen Fremden beim sehr wahrscheinlichen Lügen in der Bahn erwische.

Kennen Sie das, wenn Sie in der Öffentlichkeit einen Namen hören, der Ihnen bekannt vorkommt? Im Hippocampus blinkt dann ein Licht auf und Sie sind in der Lage, den Namen mit einer Handlung zu verknüpfen. Ungefähr so wie wenn Ihnen der Facebook-Algorithmus alte Klassenkameraden, verflossene Liebschaften oder längst vergessene Partyfreunde unter der Rubrik „Personen, die du kennen könntest“ anzeigt. So erging es mir diesen Monat in der Bahn, als mein Hippocampus aufblinkte.

Zwei zurechtgezupfte Männer in den Mittzwanzigern unterhalten sich über die Düsseldorfer Schickeria und wen man davon alles kennen muss, um nicht out zu sein. Wichtige Namen von überteuerten Restaurants und Bars werden genannt, das Lieblingsgetränk ist selbstverständlich Wodka aus dem Norden Frankreichs. Die beiden liefern sich ein freundschaftliches Gefecht, wer jetzt wen besser kennt und wer auf welcher Gästeliste stehen darf.

Gerade möchte ich schon genervt die Augen verdrehen und mich dem Social-Media-Druck meines Handys hingeben, da höre ich tatsächlich auch einige vertraute Namen.

Selbstreflexion? Nein, danke

Wir Menschen können nicht anders als hinzuhören, eine Mischung aus Faszination und Fremdscham. Ich gebe mich also der Unterhaltung hin. Es wird geprahlt und betont, aus bestimmten Situationen berichtet und am Ende nochmals unterstrichen, wie erfolgreich diese und jene Situation für einen verlaufen ist. Pure Überkompensation der eigenen Person und relativ schnell wird klar, dass einer der beiden dem anderen höchstwahrscheinlich dreist ins Gesicht lügt.

Aber warum tun wir das eigentlich?

Wenn wir ehrlich sind, dann hat jeder von uns in seinem Leben schon die eine oder andere Lüge konstruiert, um aus unangenehmen Situationen zu entfliehen, peinliche Dinge nicht zugeben zu müssen oder zu einer vermeintlich hippen Gruppierung dazuzugehören. Aber irgendwann ist die Pubertät vorbei und man beginnt die Wahrheit zu schätzen.

Gerne hätte ich den beiden Jungs das gesagt, aber dann fand ich es amüsanter, weiter ihrer Konversation zu lauschen. Düsseldorf ist klein, das sollte man nicht unterschätzen.

(Carolin Kirchhoff)


 


 

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