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AUS DER BAHN

Zur Hölle mit den Paukern

Es ist wieder Abi-Zeit in NRW. Neulich lausche ich einem Gespräch unter Abiturienten, die sich in der Bahn über die anstehenden Klausuren und die mündlichen Prüfungen im Mai unterhalten.

In der Retrospektive fühlte sich meine Abizeit damals schlimmer an, als sie eigentlich war. Gerne hätte ich dies den jungen Absolventen mit an die Hand gegeben…

Drei Jungs und vier Mädels steigen in die Bahn ein und fangen lautstark an über LKs (sogenannte Leistungskurse) und Fächerkombinationen zu diskutieren. Ich höre raus, dass es sich um ein bekanntes Gymnasium in Stadtmitte handelt, Abiturienten, die gerade mitten im Prüfungsstress sind.

Wild wird auch über einige Lehrer hergezogen, sehr amüsant für den Zuhörer. Unwillkürlich fühle ich mich nur einige Jahre zurück in meine eigene Abizeit versetzt. Das war alles ganz schön aufregend damals, man dachte, das Abitur wäre eine der größten Herausforderungen überhaupt. Ich muss schmunzeln.

Punkte, Partys und die Studienwahl fürs Leben

Die jungen Erwachsenen diskutieren eifrig weiter über Punktevergabe und anschließende Reisen, Partys und potentielle Studiengänge. Fachbegriffe wie Numerus Clausus, Immatrikulation und hochschulstart.de fallen. Eines der Mädchen macht sich tiefschürfende Gedanken über ein Medizinstudium – heutzutage fast unmöglich, wenn man keinen 1,0er-Durchschnitt hat. Eine Alternative kann sie offenbar nicht sehen, sollte es mit dem Medizinstudium nicht klappen.

Es ist schon erstaunlich, wie früh man sich als junger Mensch für eine Richtung entscheiden muss. Ist man mit gerade 18 Jahren in der Lage sich ein Leben lang festzulegen? Zumindest ist das die breite Meinung, wenn es um die Studienwahl geht.

Ich finde das alles viel zu früh. Letztlich kommt es oftmals anders, als geplant. Oft vermisse ich die Akzeptanz, Dinge hinzunehmen, wie sie sind, wenn sie nicht klappen. Mut zum Scheitern sozusagen. Das ist in unserer Leistungsgesellschaft nicht mehr üblich. Vor allem sehr junge Leute müssen sich das mühsam aneignen. Es ist auch mal okay, wenn man vermeintliche „Lebensziele“ nicht erreicht. Vielleicht kommt etwas viel Besseres dabei raus?

Leider bringt es nichts, andere missionieren zu wollen ("Leider"?, fragt d. Red.). Sie würden es nicht annehmen, da jeder seine eigenen Erfahrungen machen möchte und machen muss. Die Abinote habe ich lediglich für den Eintritt in die Universität gebraucht, danach hat mich nie wieder ein Mensch danach gefragt.

Das thematisch Wichtige liefert das Studium, auch bei den Medizinern. Sagen Noten tatsächlich etwas über den Menschen aus?

Vielleicht muss das schulische Bildungssystem endlich entstaubt und neu aufgelegt werden. Abi 4.0 könnte es heißen. Psychologie statt Religion,  IT statt Bio-Chemie. Und statt des banalen Notensystems mehr Lehrkräfte, die auf die Stärken der Schüler eingehen.

Zur Hölle mit den Paukern!

(Carolin Kirchhoff)


 


 

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