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Ballett am Rhein

Premiere „b.26“ spannte Bogen von Romantik bis zur Gegenwart

Ein Wechselbad der Gefühle: von beseelt, über zu Tode betrübt bis zu energiegeladen.

Einen „Poeten des Balletts“ nannte Hans Christian Andersen den dänischen Choreographen August Bournonville, der um 1850 Ballettgeschichte schrieb. Statt auf eine virtuose Ausstellung des Tänzerkörpers war der Romantiker auf die Balance von Ausdruck und Körpertechnik bedacht. So waren die „Bournonville Divertissement“ auch leicht und sommerlich beschwingt. Wie ein Blütenreigen muteten die aufwändig verzierten Kleider der Tänzerinnen an, eine modernisierte Interpretation des romantischen Kostümstils. Geradezu übersprudelnd die Lebensfreude beim Pas de deux „Blumenfest in Genzano“.

Im scharfen Kontrast dazu stand „Dark Elegies“, ein 1937 uraufgeführtes Ballett von Antony Tudor, das dieser zu Gustav Mahlers „Kindertotenliedern“ schuf. Eine Dorfgemeinschaft beklagt den Tod ihrer Kinder. Gebets- und Andachtshaltungen werden inszeniert, aber auch Volkstanzelemente kommen vor. Die Gruppensequenzen erinnern an die Wucht antiker Tragödienchöre, die Soli mit ihren Sprüngen und zusammenfallenden Gesten wirken wie schemenhafte emotionale Ausbrüche. Sehr beeindruckend und völlig in sich ruhend am rechten Bühnenrand Bariton Dmitri Vargin.

Den dritten Teil des Ballettabends bestritt „ONE“, ein Stück, das eigens für Martin Schläpfers Compagnie kreiert wurde. Zur Sinfonie Nr. 1 von Johannes Brahms schuf der Australier Terence Kohler eine Choreographie, die voller Bewegungsenergien steckt und zugleich existenzielle Fragen nach dem Weg für eine zeitgenössische Tanzkunst stellt. Immer wieder stürzen neue Tänzerformationen auf die Bühne. Es ist ein Anrennen, ein Kämpfen in einem Raum, der durch monolithische Säulen begrenzt wird. Am Ende wird eine Leiter eingehakt und Tänzer für Tänzer erklimmt die Sprossen, um auf der anderen Seite in eine Welt hinabzusteigen, deren Beschaffenheit der Phantasie des Zuschauers überlassen bleibt.

Weitere Vorstellungen am 24.09., 29.09., 19.11., 26.11., 9.12. und 21.12.2016 jeweils um 19.30 Uhr. Am 02.10. gibt es eine Vorstellung um 15.00 Uhr. Karten online hier.

(Susan Tuchel)


 


 

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