Sie sind hier: Startseite Düsseldorf Aktuell News
Weitere Artikel
Börsen-Unwort 2012:

„Freiwilliger Schuldenschnitt“

Düsseldorfer Makler, Wertpapierhändler und Analysten haben zum zwölften Mal das Börsen-Unwort des Jahres gewählt. „Freiwilliger Schuldenschnitt“ lag mit großer Mehrheit an der Spitze.

Schon lange zerren die Staatsschuldenkrise sowie die anscheinend wirkungslosen Ret- tungsaktionen im Fall Griechenland an den Nerven der Börsianer. Das Vertrauen der Anleger und Investoren wurde Anfang 2012 final durch den als „freiwillig“ deklarierten Schuldenschnitt Grie- chenlands erschüttert, denn für für alle Privat- anleger handelt es sich doch eher um eine Enteignung. Die griechische Regierung hatte nach Verhandlungen mit Banken und institutionellen Investoren kurzerhand per Gesetz rückwirkend in die Anleihebedingungen Zwangsumschuldungsklauseln (Collective Action Clauses) eingeführt, die private Anleihegläubiger zum Forderungsverzicht zwangen.

Auch Privatanleger betroffen

Der Schuldenschnitt traf damit auch die Privatanleger, die bei den Verhandlungen zum Schuldenschnitt vollständig ausgeschlossen waren. Durch diese faktische Enteignung haben viele das Vertrauen in Staaten und das hohe Gut der Rechtsstaatlichkeit verloren. Ob das wieder gewonnen werden kann, ist sehr fraglich. Ein weiterer Schuldenschnitt Griechenlands wird dazu nichts beitragen. Höchstens der griechische Wein bietet den Anlegern die Chance, über die ärgsten Enttäuschungen hinweg zu kommen – das wusste schon Udo Jürgens 1974.

Das „Börsen-Unwort des Jahres“ wird von der Börse Düsseldorf in Anlehnung an die 1991 ins Leben gerufene sprachkritische Aktion des Frankfurter Germanisten Prof. Dr. Horst Dieter Schlosser seit 2001 ermittelt. Seit 2011 ist die Linguistin Prof. Dr. Nina Janich von der TU Darmstadt Vorsitzende und Sprecherin der Jury. Zum „Unwort des Jahres 2012“ wurde die Formulierung „Opfer-Abo“ gewählt. Weitere Unwörter 2012 sind: "Pleite-Griechen" und "Lebensleistungsrente".

Bisherige Börsen-Unwörter:

2011: „Euro-Gipfel“
2010: „Euro-Rettungsschirm“
2009: „Bad Bank“
2008: „Leerverkauf“
2007: „Subprime“
2006: „Börsen-Guru“
2005: „Heuschrecken“
2004: „Seitwärtsbewegung“
2003: „Bester Preis“
2002: „Enronitis“
2001: „Gewinnwarnung“

(Redaktion)


 


 

Börsen-Unwort
Unwort
Unwort des Jahres
2012
Freiwilliger Schuldenschnitt
Prof. Dr. Horst Dieter Schlosser
Prof. Dr. Nina Janich
TU Darmstadt
Udo Jürgens
Rettung
Griechenland
Anleihebedingungen Zwangsumschuldungsklauseln
Collective Action Clauses

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Börsen-Unwort" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: