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Das Interview

Annamia Beyer & Martin Lambrecht: Sanierung statt Abwicklung

Für business-on traf Susan Tuchel die Anwälte Annamia Beyer und Martin Lambrecht im Büro der Sozietät Lambrecht im Wilhelm-Marx-Haus.

business-on.de: Die Zahl der Insolvenzen in Westeuropa und in Deutschland war seit Jahren rückläufig. Im Jahr 2018 gingen 19.300 Unternehmen in Deutschland in die Insolvenz. Im Vergleich zu den Höchstständen 2009 hatten sich die Fallzahlen damit fast halbiert. Es scheint jedoch so, dass es jetzt wieder zu mehr Insolvenzen kommt. Was passiert mit Unternehmen, die in eine wirtschaftliche Krise geraten sind?

Martin Lambrecht: Diese Unternehmen haben heute gute Chancen auf eine Sanierung. Das „Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen" (ESUG) ist im Jahr 2012 in Kraft getreten und hat die Insolvenzordnung verbessert, um die Sanierung mittels Insolvenzverfahren nochmals zu erleichtern.

business-on.de: Worin liegen die Verbesserungen?

Annamia Beyer: Die Reform des Insolvenzrechtes hat bewirkt, dass der Begriff Insolvenz nicht mehr gleichbedeutend mit einer Stigmatisierung im Sinne eines Scheiterns ist. Ziel des Insolvenzverfahrens ist es in erster Linie, sanierungsfähige Unternehmen fortzuführen und Arbeitsplätze zu erhalten. Gleichzeitig wurden der Einfluss der Gläubiger gestärkt und die Regelungen über das Insolvenzplanverfahren verbessert.

business-on.de: Aber ist es nicht immer noch so, dass Rechnungen, die bis zur Antragstellung noch offen sind, nicht mehr gezahlt werden und ungesicherte Gläubiger meist nur einen Teil ihrer Forderungen erstattet bekommen?

Martin Lambrecht: Rechtlich gibt es diesen Einschnitt immer noch. Ein guter Insolvenzverwalter achtet darauf, dass Kunden- und Lieferantenbeziehungen geschont werden und der Betrieb bestmöglich weitergeführt wird. So werden Forderungsausfälle niedrig gehalten und hohe Quoten erreicht. Je früher der Antrag erfolgt, desto besser stehen die Chancen. Am besten sind die Chancen im sogenannten Schutzschirmverfahren. Um dieses nutzen zu können, muss der Unternehmer zu einem Zeitpunkt kommen, zu dem er noch alle Rechnungen bei Fälligkeit, also pünktlich, zahlen kann, aber bereits sieht, dass das nicht so bleibt.

business-on.de: Und wie sieht es mit dem Abbau von Arbeitsplätzen aus? Denn das ist ja meist das, was sich hinter dem Begriff Restrukturierung verbirgt.

Annamia Beyer: Wir haben in den letzten Jahren Verfahren betreut, bei denen bis zu 2.300 Arbeitnehmer betroffen waren. Daran sieht man die Relevanz für die Betroffenen und deren Familien. Bei einem Verfahren konnten wir nahezu alle Arbeitsplätze retten. Bei einem Handelsunternehmen mit 260 Filialen konnten wir 180 erhalten, übrigens relativ still, ohne viel Aufmerksamkeit in der Presse. Wir streben die Geräuschlosigkeit an, weil es dem Sanierungserfolg nützt.

business-on.de: Sie haben sich vor drei Jahren als Spin-off aus einer überregionalen Insolvenzverwalterkanzlei selbständig gemacht. Nach der Branchenzeitschrift JUVE Rechtsmarkt haben Sie mit Ihrem Team eines der „größten Schutzschirm“-verfahren begleitet. Sie haben im letzten Jahr gegen den Branchentrend Mitarbeiter eingestellt und belegen mittlerweile drei Etagen im Wilhelm-Marx-Haus. Warum ist Ihre Sozietät an so vielen Insolvenzen beteiligt?

Martin Lambrecht: Wir sind bundesweit beratend tätig und werden neben unserer Tätigkeit als Insolvenzverwalter hier bei den Gerichten im Rheinland auch bundesweit bei Amtsgerichten als Sachwalter und Insolvenzverwalter vorgeschlagen. Wir erzielen hervorragende Sanierungsergebnisse und agieren stets verlässlich und freundlich.

Annamia Beyer: Wir legen großen Wert darauf, dass alle Mitarbeiter nach unserer Maxime agieren: Wertschätzung für Menschen, Einsatz für die Sache und Erfolg als Maßstab. So können aus Unternehmen in einer Krise wieder wirtschaftlich gesunde Unternehmen werden.

(Das Interview führte Dr. Susan Tuchel)


 


 

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