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Der Kommentar

Die prekären Mehrheiten im Rathaus: Wie Düsseldorf verzwergt wird

Singt Ed Sheeran am 22. Juli in Düsseldorf? Große Aufreger-Frage, täglich tagesaktuell neu aufgemischt. Die Diskussion, nicht die erste dieser Art, wirft ein (kleines) Licht darauf, wie Chancen und Perspektiven des Standorts kleingequatscht werden.

Event-City Düsseldorf. Japan-Tag, Frankreichfest, Jazz Rally. Großer Skisport am Rheinufer (war einmal); Grand Départ (war ein einziges Mal). Die Stones in der Arena. Die Toten Hosen sowieso. Bald wieder Fußball aus der Ersten Liga.

Diese Stadt, ohne solitär-zentrale Lage wie beispielsweise Berlin oder München, lebt nicht nur von ihrer Wirtschaftskraft, ihren vielen Arbeitsplätzen, von Messe, Flughafen und erfolgreichen Unternehmen. Düsseldorf lebt und erlebt sich immer wieder neu durch die bunte Vielfalt seiner attraktiven Veranstaltungen, vulgo: Events. Sie laden erfolgreich zum Besuch ein, locken die Menschen aus der Stadt und der weiten Umgebung hierher. Sie fördern die Bekanntheit und polieren das Image der Stadt national wie international.

Warum dann also diese sonderbare Verzagtheit und Verdruckstheit politischer Bedenkenträger, wenn - mal wieder - eine neue Idee, eine neue Attraktion im Angebot ist?

Der Verdacht liegt sehr, sehr nah, dass die prekären Mehrheitsverhältnisse im Düsseldorfer Stadtrat es einigen Parteipolitikern erleichtern, den Blick nicht aufs große Ganze zu richten; stattdessen verheddern sie sich mit Wollust im Klein-Klein der Nebenschauplätze.

Die Stadt hat mit Michael Brill einen Event-Experten an Bord geholt, der Nägel mit Köpfen machen will. Ed Sheeran plus ein neues Event-Gelände für Düsseldorf - kurzfristig ein Coup (Ed Sheeran), auf Sicht ein zusätzliches attraktives Angebot für Konzertveranstalter.

Was fehlt ist ein klares und starkes Bekenntnis aus der Politik zu dem Vorhaben. Die (grüne) Opposition innerhalb der Ampel-Koalition wankelt: Event-Gelände ja, Ed Sheeran eher nicht. Die CDU bleibt erst mal störrisch (wie so oft, "wenn's von Geisel kommt") und lässt sich alle Türen offen - oder eben auch nicht. Ein Panikforscher verbreitet Schreckensbilder. Und es wird geredet, gequatscht, gemutmaßt; eine Schlagzeile jagt die nächste. Gelegentliche besonnene Einwürfe bleiben da die Ausnahme.

Fiktive Prognose: Gäbe es den Japan-Tag nicht, sondern sollte in Düsseldorf erst gestartet werden - auch dieses hochattraktive Event würde erst mal niedergeredet. Oder gar verhindert.

Von außen betrachtet produziert Düsseldorf Kakophonie, dörfliche Aufgeregtheit - und vermittelt das Bild eines kleinkarierten Vorwahlkampfgetümmels. Das war schon im Vorfeld der Tour de France so. Und es droht Wiederholung. Das Bild der Stadt - ihr Image - nimmt Schaden. Eine Beschädigung des Standorts Düsseldorf, billigend in Kauf genommen von den Streitparteien.

So wird Düsseldorf kleingeredet. Willkommen in Zwergenstadt!

P.S.: Da passt es doch, dass auch der Circus Roncalli, gern gesehener Gast am Rhein, aus der CDU mal eben ne Watsche kriegt. Seine bunten Plakate in der Stadt seien irgendwie... na ja, zu viel, zu bunt, zu irgendwie... Seufz.

(Bernd Holzrichter)


 


 

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3 Kommentare

von Kommunikation
05.06.18 11:04 Uhr
Openairfläche

Wer über dieses Thema schreibt, sollte auch den Gesamtblick wagen. Stellen wir mal die Wirtschaftlichkeit dieses Unterfangens an den Beginn. Laut Lärmgutachten ist wegen der Anwohner nur einmal im Jahr ein Konzert mit 120 db an diesem Standort zulässig. Andererseits liegt die Fläche genau unter der Einflugschneise und macht somit Musikveranstaltungen mit leiseren Tönen unmöglich. Im Minutentakt dröhnen startende und landende Flugzeuge darüber hinweg. Wo ist da Rentabilität zu erwarten?
Unwetter und Starkregen häufen sich in den letzten Jahren und haben bei Openairevents mit z.T. Blitzeinschlag schon einige Opfer gefordert.
Unverständlich bleibt auch, dass die bis zu 66 500 fassende ESPRITarena direkt daneben nicht bespielt wird. Sie schreibt noch immer rote Zahlen und steht über 300 Tage im Jahr leer.
Und zur politischen Situation: Wie versteht man demokratische Prozesse, wenn mehr oder weniger im Alleingang im Vorfeld Unterschriften geleistet und ein Projekt eingestielt und beworben wird, als existiere es schon. Von der Planung einer Eventfläche in 2019 wusste man, nicht aber dass im Hauruckverfahren Prüfungen unter Hochdruck der Verwaltung aufgedrückt werden, damit Ed Sheeran bereits 2018 auftreten kann. Er spielt in vielen Städten zwei bis dreimal in Hallen, warum also nicht auch in Düsseldorf.
Ein ökologisches Begleitverfahren müsste über vier Jahreszeiten gehen, um zu beobachten, welche Tiere hier leben. In Düsseldorf wirft man Netze und vertreibt sie vorsorglich. Und für all das werden auch noch über 100 Bäume gefällt, deren Anpflanzung mit 800 anderen vor über 40 Jahren Bedingung war, um im Lohauser Rheinbogen eine Ausgleichsfunktion zu erfüllen.
Für ein Vierstundenkonzert so viele Bäume, die selbst Herr Brill als waldähnliche Struktur bezeichnet, abzuholzen, widerspricht umweltpolitisch aktuellen Bedingungen (z.B. die skandalösen Luftwerte in der Stadt) und trägt der besonderen Situation nach dem Baumverlust nach ELA nicht im geringsten Rechnung. All diese Faktoren unerwähnt zu lassen und von "Kleinquatschen" zu schreiben, entspricht unseres Erachtens nicht gerade professionellem Journalismus....

von flo
10.06.18 05:09 Uhr
Ed Sheeran

Düsseldorf wird nie eine Weltstadt sein. Wenn es so wäre, gäbe es keinen Antrag für ein Konzert, welches Düsseldorf kein Stück weiter bringt sondern eher noch gesundheitsschädliche Aspekte ins Spiel bringt. Die Planung und die Vermittlung sind eine einzige Katastrophe. Warnungen von renommierten Panikforschern werden einfach in den Wind geschlagen, ein paar Sauerstoffproduzenten werden gekillt, aber ist ja egal. Hier gehts ja nur um Menschen. Und wenn was schief läuft so wie in Duisburg will es wieder keiner gewesen sein. Es geht nur um Geld, Geld und nochmals Geld. Die wirklichen Bedürfnisse der Menschen (Luft zum Atmen, bezahlbarer Wohnraum usw.) spielen keine rolle mehr. Hauptsache noch ein Event.

Das darf doch alles nicht mehr wahr sein.

von Gernod Fuchs
10.06.18 19:59 Uhr
100 Bäume fällen aber Dieselfahrverbot verhängen

Bäume reinigen die Luft. Da verstehe ich nicht, daß die Luft in Düsseldorf angeblich so verdreckt ist, daß Dieselfahrverbote drohen, dafür dann aber auch noch Bäume gefällt werden sollen!

Dieselfahrer alles Welt vereinigt Euch und stört das Konzert mit einem Dauerhupkonzert!

 

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