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Der Kulturspaziergang

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Das Museum Folkwang zeigt eine umfassende Retrospektive zum 80. Geburtstag des politischen Aktivisten Klaus Staeck. In der Ausstellung „Klaus Staeck. Sand fürs Getriebe“ sind rund 200 Arbeiten des Künstlers zu sehen. Neben der frühen Druckgrafik werden die bekanntesten Plakate, Postkarten und einige Multiples gezeigt.

Klaus Staeck, der am 28. Februar 1938 bei Dresden auf die Welt kam und in Bitterfeld aufwuchs, verließ die DDR 1956 in Richtung Westen und kam nach einem kurzen Aufenthalt in Wuppertal nach Heidelberg. Dort war ein Freund gelandet und dort wollte er hin. Heidelberg ist bis heute Wohnsitz und Sitz seines Verlages Edition Staeck, den er bereits 1965 unter dem damaligen Namen Verlag Edition Tangente gegründet hatte.
Der Wunsch, Künstler zu werden, reifte schon früh und war der Grund für das Jurastudium. Ein Fach, in welchem man lange unauffällig studieren konnte und welches die Möglichkeit bot, sich parallel dazu eine Existenz als Künstler aufzubauen. Da hierzu doch mehr Zeit erforderlich war, machte Staeck beide Staatsexamen und arbeitete mehrere Jahre als Anwalt.

Klaus Staeck begleitet mit seiner Kunst seit den 1960er Jahren äußerst aufmerksam und kritisch die politischen und gesellschaftlichen Prozesse und Krisen. Die Entwicklung von den frühen abstrakten Holzschnitten über den Siebdruck zur Plakatproduktion war folgerichtig, denn es ging ihm nicht um Kunst für Galerie und Museum sondern um eine hohe Reichweite für seine gesellschaftskritische Plakatkunst. Er wollte die Massen erreichen. „Originale waren irgendwann obsolet.“ „Das Ziel war immer klar: Ich will mit diesen Arbeiten an die Öffentlichkeit.“ Keine nummerierten und signierten Holzschnitte und Siebdrucke mehr sondern Plakate und Postkarten in hoher Auflage und zu niedrigen Preisen.

Den Anfang macht er 1971 mit einer Plakataktion in Nürnberg. Die Stadt feierte Dürers 500. Geburtstag. Das Plakat mit dem Titel „Würden Sie dieser Frau ein Zimmer vermieten? („Sozialfall“ )“ zeigt Dürers Mutter. Mit einem ikonischen Bild der Hochkultur war etwas geschehen, das sorgte für Aufmerksamkeit. Eine Tagung der Haus- und Grundbesitzer, die zur gleichen Zeit in Nürnberg stattfand, nutzten die Jusos um das Plakat in ihre Proteste einzubinden. Damit war der bedeutende Schritt hinaus aus dem Kunstbetrieb in die Öffentlichkeit gelungen.

Klaus Staeck hält sich nicht für einen Provokateur, obwohl aufgebrachte Abgeordnete der CDU/CSU 1976 während einer Ausstellungseröffnung in der Parlamentarischen Gesellschaft in Bonn Plakate von den Wänden rissen. Als „Bonner Bildersturm“ ging der Vorfall in die Geschichte der Bundesrepublik ein. „Nein, ich bin ein Hinweiser.“ Ein Fernsehfilm über ihn beschreibe das im Titel sehr gut „Ich stelle bloß - Ich stelle klar - Ich stelle richtig“. Seine Arbeiten, Selbstverteidigung - keine Provokationen, führten zu 41 Prozessen, von denen er keinen verlor.

„Ich bin ein Produzent für Demokratiebedarf, frech, satirisch, ironisch.“ „Meine Definition von Satire: Den unverschuldet Schwachen gegen den Übermut der Starken helfen.
„Nichts ist erledigt.“

9. Februar bis 8. April 2018
Museum Folkwang
Museumsplatz 1
45128 Essen

(Ulrike Liedtke)


 


 

Kulturspaziergang
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Klaus Staeck
Klaus Staeck. Sand fürs Getriebe
Ulrike Liedtke

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