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Der Kulturspaziergang

Was hat die Politik mit der Natur gemacht?

Das Folkwang Museum in Essen zeigt unter dem Titel „Nature & Politics“ eine konzentrierte Werkschau des Fotografen Thomas Struth, der einer der ersten Studenten in der Fotografie-Klasse von Bernd und Hilla Becher an der Kunstakademie in Düsseldorf war.

Der Titel der Ausstellung verwundert zunächst. Wo sieht man Politik? Wo ist die Natur? Den Titel, zunächst nur ein Arbeitstitel, vertritt Thomas Struth „mit einem ernsthaften Schmunzeln“. Als Ausstellungstitel eher abgelehnt, wurde darauf vertraut, dass sich im Laufe der Arbeit schon ein neuer Titel finden würde. Das tat es aber nicht und so blieb es bei „Nature & Politics“.

In der Ausstellung sind 34 großformatige Arbeiten aus den Jahren 2005 bis heute zu sehen. Die Bilder gewähren dem Betrachter Einblicke in Forschungslabore, Produktionsanlagen und Operationssäle, die diesem in der Regel verwehrt sind. Fotos aus Vergnügungsparks, von Alltagsarchitektur und riesigen Baustellen zeigen Umgebungen, die durchaus zugänglich sind, eröffnen aber einen neuen Blick auf die Gegebenheiten.

Diese künstlichen Welten, ob als hochtechnisiertes Labor oder als die Natur imitierender Vergnügungspark, versuchen mit der Erweiterung der technischen Möglichkeiten die Natur zu überbieten. Äußerst komplexe Strukturen werden sichtbar, denen die Fantasie und der Erfindungsreichtum von Menschen zu Grunde liegt. Diese geistigen Leistungen, sind das was Thomas Struth fasziniert.

„Ich wollte den Prozess der Imagination und Fantasie untersuchen. (…) Es geht mir darum, wie etwas, das zuvor nur ein Gedanke war, sich materialisiert und Teil der Wirklichkeit wird. 'Sich etwas ausmalen', dieser Ausdruck beschreibt ja schon die Möglichkeit des Gehirns, in Bildern zu denken.“

Das Interesse für Politik wurde schon im Jugendalter geweckt und ist geblieben. Nicht Parteipolitik und Tagespolitik stehen im Fokus sondern die Fragen: „Was geschieht? Welche politische Dimension hat Technik?“ Auch das Schaffen eines Vergnügungsparks hat durchaus eine politische Dimension.

Thomas Struth bezeichnet sich selbst als „Laie mit offener Antenne“. „Welche Ausstrahlung haben diese skulpturalen Erzeugnisse?“ Zeugen sie von Fortschritt? Manches wirkt auf den Laien chaotisch und man kann nur hoffen, dass die Experten alles im Griff haben. Thomas Struth hält das Vertrauen darauf, dass der technische Fortschritt unser Heilsbringer ist, für eine bedenkliche Haltung, in der auch ein Stück Verzweiflung steckt. Die Grenzwertigkeit des menschlichen Fortschrittsglaubens wird in einigen Bildern deutlich.

Thomas Struth fotografiert mit einer Plattenkamera und verzichtet weitestgehend auf digitale Bearbeitung. Er sagt über seine Arbeit: „ Es muss einen Grund zum Fotografieren geben. Ich fotografiere eigentlich ziemlich selten. Ich möchte Dinge zeigen, die man sonst nicht sehen kann.“

Bis zum 29. Mai 2016 im Museum Folkwang, Museumsplatz 1, 45128 Essen

(Ulrike Liedtke)


 


 

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