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Der Kulturspaziergang

Wilde Mischung

Das NRW-Forum in Düsseldorf präsentiert unter dem Titel „Der Wahnsinn, den wir Realität nennen“ eine Retrospektive des Schweizer Künstlers Olaf Breuning. Gezeigt werden Fotografien, Videos, Zeichnungen und Installationen.

Der Künstler Olaf Breuning wurde in der Schweiz geboren, lebt aber in New York. In dieser Ausstellung, der ersten großen Einzelausstellung von Alain Bieber im NRW-Forum, werden Arbeiten aus den letzten 20 Jahren aus allen wichtigen Werkzyklen gezeigt. Für Olaf Breuning mit seinen 46 Jahren ist diese Retrospektive lediglich eine Zwischenbilanz, eine Rückschau auf die letzten 20 Jahre, um sich dann auf 20 bis 30 Jahre Weiterarbeit zu freuen. Der Künstler sagt von sich, dass er nicht genau weiß ob er glücklich ist, aber dass er ohne Kunst definitiv unglücklich wäre. Er möchte als Künstler nicht in einer Blase leben und arbeiten, er sucht und braucht den direkten Kontakt zur Realität.

Der Wahnsinn dieser Realität hat sehr viele Gesichter und Olaf Breuning hat unterschiedlichste Kunstformen und Techniken genutzt, um Bildwelten zu schaffen, die diese unterschiedlichsten Gesichter zeigen, hinterfragen oder ironisieren. Während des Rundganges betont Olaf Breuning, dass es jedoch nicht hinter jeder Arbeit eine intellektuelle Begründung gibt. Spaß, Spielerei und Experimentierfreude sind der Ausgangspunkt vieler Arbeiten, Ironie und politische Unkorrektheit inbegriffen.

Schon ein Blick aus dem Foyer in die Ausstellungshalle beeindruckt mit einer „Sand Sculpture“ in Form einer Sphinx. Sie ist die Replik einer Sandskulptur, die Olaf Breuning 2008 auf der Art Basel in Miami gezeigt hat. Diese Sandskulptur wurde völlig ohne Fixier- und Bindemittel von sandcity, einer Gruppe Sandkünstler um Benno Lindel, aus 16 Tonnen Sand geformt und wird am Ende der Ausstellung wieder zu Sand.

Der Kopf, ein Paul-Klee-Zitat, taucht in einer großen Wandzeichnung mit dem Titel „Art History Fucks Itself“ wieder auf.

In mehreren Arbeiten wird Bezug auf Ikonen der Kunstgeschichte genommen. Die große Arbeit „Marilyn 10“ zeigt die Gesichter von vier Frauen, die im Stile Andy Warhols bemalt und dann fotografiert wurden. „The Art Freaks“ sind eine Galerie von Fotos überlebensgroßer nackter Menschen, die jeweils im Stil eines Künstlers bemalt wurden. Bei solchen Projekten arbeitet Olaf Breuning in der Regel mit Freunden und Freundinnen. Dass hier das Verhältnis von Kunst und Kitsch verhandelt wird, wie die Pressemitteilung nahelegt, ist denkbar. Aber sicher ist, dass eine ausgezeichnete Kenntnis der kunsthistorischen Ikonen und der unterschiedlichen Stile mit viel Elan und entschiedenem Pinselstrich umgesetzt wurde.

„Smoke Bomb“ ist das Foto einer Performance. Mit Farbpulver gefüllte Feuerwerkskörper sind an einem Gerüst befestigt und ergeben bei der Explosion ein sehr schönes Bild. Das ganze dauert nur eine Minute, aber die Vorbereitung und die Spannung der Zuschauer machen dies zu einem besonderen Moment. Dieser Augenblick kann jedoch auch schiefgehen, wie wohl in Zürich geschehen, wo der Wind drehte und die Zuschauer vor den Farbwolken davon rannten. Riskante Spiele.

„The Eatmes“ lustige Figürchen aus Lebensmitteln, die zum ersten Mal in Japan gezeigt wurden, würden jede Kindergeburtstagsgesellschaft erfreuen. Die Kettensägen in Videos möglicherweise die größeren Kinder, komisch und gruselig, was sicherlich auch von den Sehgewohnheiten des Publikums abhängt. Persiflage, Ironisierung, Kritik und Spaß an der wahnsinnigen und wilden Realität.

Bis zum 21. August 2016 im NRW-Forum Düsseldorf, Ehrenhof 2, 40479 Düsseldorf

(Ulrike Liedtke)


 


 

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