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Die Inventur

Steuerrechtliche Vorgaben und mögliche Erleichterungen

Die Inventur ist für die meisten Unternehmen eine lästige Pflichtaufgabe. Der Begriff beschreibt die komplette Bestandsermittlung aller körperlichen sowie unkörperlichen Vermögensgüter und Verbindlichkeiten sowie Schulden zu einem festgelegten Stichtag. Schon aus wirtschaftlichen Gründen ist dieser Prozess unverzichtbar.

Doch auch aus steuerrechtlichen Gründen muss eine Inventur mindestens einmal pro Jahr durchgeführt werden. Dies schreibt § 240 des Handelsgesetzbuches (HGB) vor. Demnach ist eine Bestandsaufnahme zu Beginn der geschäftlichen Aktivitäten des Unternehmens, zum Ende des jeweiligen Geschäftsjahres und bei Ende der geschäftlichen Aktivitäten des Unternehmens (Auflösung, Verkauf, etc.) durchzuführen und beim zuständigen Finanzamt einzureichen.

Der Bilanzstichtag als vorgeschriebener Zeitpunkt der Inventur 

Eine der wichtigsten steuerrechtlichen Infos zur Inventur, die ein Unternehmer wissen muss, betrifft den genauen Zeitpunkt der Inventur: Laut Gesetzeslage muss die Inventur zum Bilanzstichtag erfolgen. Dieser ist gleichbedeutend mit dem letzten Tag des Geschäftsjahres. Aus praktischen Gründen ist es allerdings unmöglich, die Inventur tatsächlich an diesem Tag durchzuführen - schon deshalb, weil er meist mit Silvester zusammenfällt. Das Gesetz (§ 240f. HGB , R30, Satz 3 bis 5) gewährt deshalb die Möglichkeit einer "zeitnahen Inventur". Dies bedeutet, sie darf zehn Tage vor dem Bilanzstichtag oder zehn Tage danach erfolgen. Allerdings sind anschließende Veränderungen des Bestands zu registrieren und auszuweisen. Führt man die Inventur beispielsweise zehn Tage zuvor durch, muss nach dem Bilanzstichtag ein Dokument mit den Bestandsänderungen nachgereicht werden.

Stichprobeninventur oder zeitlich verlegte Inventur 

Unternehmen ab einer gewissen Größe sind nicht mehr in der Lage, eine zeitnahe Inventur durchzuführen, weil die zehn Tage nicht ausreichen, um alle Aktiva und Passiva aufzulisten und nach den gesetzlichen Vorschriften auszuweisen. § 241 HGB gewährt deshalb zwei weitere Optionen: Möglich ist so zum einen eine Stichprobeninventur. Mittels "anerkannter mathematisch-statischer Verfahren" darf die Inventur demnach anhand von Stichproben durchgeführt werden. Allerdings erlaubt das Gesetz nicht, die Stichprobeninventur in jedem Jahr durchzuführen. Stattdessen kann auch eine zeitlich verlegte Inventur beantragt werden. Diese darf dann in den ersten drei Monaten vor oder in den ersten beiden Monaten nach dem Stichtag durchgeführt werden. Anhand der Daten wird dann zum Bilanzstichtag zurück- bzw. hochgerechnet. Bei einer lückenlosen Buchführung ("permanente Inventur") ist es nicht notwendig, eine Erhebung der nicht körperlichen Vermögenswerte durchzuführen. Die Erhebung der körperlichen Vermögenswerte hat dennoch einmal jährlich zu erfolgen. Die Vereinfachungsverfahren sind generell verboten für Waren, die verderblich (Lebensmittel) sind oder schwinden (Benzin).

Tipps für die Inventur 

Es gibt verschiedene weitere Erleichterungen. Gleichartige Wirtschaftsgüter dürfen beispielsweise nach Art und Menge zusammengefasst werden (z.B.: 100.000 Liter Mineralwasser). Hat man Wirtschaftsgüter im Bestand, deren Bewertung über einen Festwert festgelegt werden kann (z.B. Tische, Schränke), so müssen diese nur alle drei Jahre körperlich aufgenommen werden. Eine körperliche Bestandsaufnahme von Vermögensgütern darf immer dann komplett entfallen, wenn durch andere Methoden (zumeist durch die lückenlose Buchführung) Art, Menge und Wert von diesen zweifelsfrei erschlossen werden können. Lohnend ist zudem für jedes Unternehmen die Führung eines Anlageverzeichnisses. Denn in diesem Fall ist es gestattet, eine buchmäßige Bestandsaufnahme des Anlagevermögens einzufügen. Die Inventurunterlagen sind gemeinsam mit der Bilanz und der Steuererklärung beim Finanzamt einzureichen. Sie müssen auch alle Wirtschaftsgüter enthalten, die voll abgeschrieben werden. Es empfiehlt sich deshalb ein Check der Unterlagen, dass die Abschreibungen in jedem Dokument ersichtlich werden.

(Redaktion)


 


 

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