Sie sind hier: Startseite Düsseldorf Kolumnen Peter Jamin
Weitere Artikel
Die Jamin-Kolumne: Auf einen Cappuccino

Abschied vom eigenen Auto - Von Freiheit, Wehmut und Herz

Unser Kolumnist richtet sich auf ein Leben ohne eigenes Auto ein und befasst sich dabei mit den Grundfragen zur Existenz des Menschen.

Der Abschied vom eigenen Auto hat etwas von der Vorbereitung zur eigenen Beerdigung.

Da ist sehr viel Trauer und Wehmut, weil man ja Jahrzehnte mit einem Ding gelebt hat, das einem wie ein verlängertes Gliedmaß war.

Mit einem Auto müssen wir unsere Beine nicht mehr viel bewegen um vorwärts zu kommen – Gas geben, Bremsen. Mit dem Automobil besitzen die Menschen die Möglichkeit, ihre eigene Kraft vielfach zu potenzieren – statt sechs Kilometer zu Fuß in der Stunde schaffen wir 100, 200, 300 Kilometer.

Es war einmal: Die große Freiheit auf vier Rädern...

Das Auto hat uns ab dem Ende des Kindseins eine große Freiheit gegeben. Es zeigte allen, dass wir endlich - mit 18 - erwachsen sind. Wir konnten, wenn wir es wollten, schnell einen Ort verlassen und einen anderen erreichen. Unabhängig sein von Bus und Bahn. Mädchen nachts nach Hause bringen und dafür einen leidenschaftlichen Abschiedskuss ernten.

Der ADAC hat vor einigen Jahrzehnten sogar die persönliche Freiheit aller mit dem Auto und seiner Geschwindigkeit in einer Protestkampagne verknüpft: „Freie Bürger fordern freie Fahrt.“

Flexibiltät und Mobilität

Wer Jahrzehnte ein eigenes Auto gefahren hat, lebt mit dem Bewusstsein, von Fahrplänen und anderen Einschränkungen der Mobilität unabhängig zu sein. Ich habe das erst erkannt, als sich vor einigen Jahren die Carsharing-Bewegung entwickelte. Ich wurde trotzdem Mitglied in der Vorläufergemeinschaft von GreenWheels, später auch Member bei Car2Go und DriveNow und Flinkster.

Manchmal nutzte ich deren Fahrzeuge, weil es selbst für einen Autofahrer Sinn macht. Zum Beispiel mit Car2Go in die Kneipe, mit dem Taxi später zurück nach Hause.

Ansonsten fahre ich meistens Fahrrad, U-Bahn oder Straßenbahn und Zug - mit großem Vergnügen. Nicht selten musste ich meinen Wagen suchen, wenn ich ihn nach Wochen des Dauerparkens einmal benutzen wollte.

Und doch: Wenn man wie ich jetzt vor dem entscheidenden Schritt steht, grundsätzlich auf den eigenen Wagen zu verzichten, kommen einem viele Bedenken.

Jamins autofreie Zukunft: Fragen über Fragen

Will ich in Zukunft morgens um Sieben mit dem Fahrrad statt mit dem Auto zum Fitnesscenter fahren? Auch bei Regen?

Will ich meinen Wochenendtrip mit Bahn oder Mietwagen machen? Leihe ich mir für den Trödelmarkt einen kleinen Lieferwagen, der zehn Umzugskartons mit meinem Ramsch fasst? Will ich darauf verzichten, doch mal eben schnell etwas mit einem eigenen Auto zu erledigen?

Im Internet lese ich, was ich schon lange weiß: Wer sein Auto weniger als 12.000 Kilometer im Jahr benutzt, fährt günstiger mit Carsharing. Umweltfreundlicher ist es sowieso, sich ein Auto mit anderen zu teilen.

Viel Zeit werde ich allerdings nicht einsparen. Denn die Stunden, die ich bislang für die Fahrt in die Autowerkstatt oder zum TÜV, zum Wagenwaschen oder Wechseln von Sommer- auf Winterreifen gebraucht habe, benötige ich in Zukunft für die Reservierung eines Mietwagens, der Suche nach passenden Bus- oder Bahnverbindungen.

Ein gutes Gefühl: Alternativen gibt es immer...

Ein gutes Gefühl werde ich dabei trotzdem haben. Denn falls das „Experiment Carsharing“ schief geht, kann ich ja immer noch die Reset-Taste drücken und mir wieder ein Auto kaufen. Einmal in meinem Leben würde ich ja noch gerne ein eigenes Mini-Cabrio fahren. Und gerne auch einen alten Jaguar, die es heute ja schon zum Spottpreis gibt.

Autofahren ist eben keine Sache nur für den Verstand, sondern vor allem eine Herzensangelegenheit.

Bleiben Sie fröhlich. Bis nächsten Freitag. Auf einen Cappuccino...
                               Ihr Peter Jamin

Unser Autor arbeitet als Schriftsteller und Publizist sowie als Berater für Kommunikation seit Jahrzehnten immer wieder auch für ausgewählte Projekte. Sein soziales Engagement gilt der Situation von Angehörigen vermisster Menschen, auf deren Situation er in Büchern, TV-Dokumentationen und Artikeln seit mehr 20 Jahren aufmerksam macht. Mehr unter www.jamin.de

(Peter Jamin)


 


 

Menschen
Freiheit
Abschiedskuss
Car2Go
Carsharing
Peter Jamin

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Auto" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: