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Die Jamin-Kolumne: Auf einen Cappuccino

Arbeitslose und die Arbeits-Agentur - wo Macht auf Ohnmacht trifft

In Deutschland gibt es aktuell 2.871.000 Arbeitslose. Warum gehen die nicht jeden Tag auf die Straße gegen die Ungerechtigkeiten, die sie erleben, fragt unser Kolumnist.

Wer mit Arbeitslosen spricht, gewinnt gelegentlich den Eindruck, dass die Mitarbeiter der Arbeits-Agentur ihre Klientel gerne wie Untergebene, Abhängige oder auch Außenseiter unserer Gesellschaft behandeln und betrachten. Solche Eindrücke gewinnen ja Menschen auch, wenn sie mit anderen Behörden zu tun haben. Vor allem dort, wo Menschen ziemlich abhängig von Entscheidungen der Behördenmitarbeiter sind, also wo Macht auf Ohnmacht trifft - etwa bei der Ausländerbehörde, wo schlechter Stil noch immer zu oft zum guten Ton gehört.

Gefragt: Service, Respekt und Höflichkeit

Den Behördenmitarbeitern sollte eigentlich bewusst sein, dass sie ihre Existenz den Bürgern verdanken, die Steuern und Sozialabgaben zahlen und sie beschäftigen. Ganz besonders ist das bei der Agentur für Arbeit der Fall. Hier sind die Arbeitslosen letztlich in direkter Finanzierungslinie Kunden und Arbeitgeber gleichermaßen. Die Mitarbeiter der Agentur verwalten die Beiträge der Arbeitnehmer zur Arbeitslosenversicherung und würden sich letztere mehr um ihre Interessen und vor allem auch um die Situation der Arbeitslosen kümmern, wären auch Service, Respekt, Höflichkeit und perfekte Organisation selbstverständlich. Und dann würde vielleicht auch endlich danach gefragt, ob nicht die Mitarbeiter der Bundesagentur für Arbeit eigentlich die wahren Versager sind, weil sie es nicht schaffen ihre Kunden in vernünftige Arbeitsverhältnisse zu vermitteln und deswegen immer noch fast 3 Millionen Arbeitslose am Existenzminimum strampelt?!

Aber leider denkt kaum ein Bürger mit Job daran, dass er schon morgen selbst betroffen und arbeitslos sein kann - und ihn interessiert es also nicht, wie mit jenen umgegangen wird, deren Status auf "arbeitslos" geschaltet ist.

So kann es zum Alltag werden, dass Arbeitslose wochenlang auf Besprechungstermine warten, Telefonanrufe oder E-Mail tagelang nicht beantwortet und Informationen über Leistungen und ihre Details nur zögerlich oder gar nicht vermittelt werden.

Die Agentur für Arbeit bestreitet natürlich, dass die Behandlung der Arbeitslosen zu wünschen übrig läßt und räumt höchstens Einzelfälle ein. Auch erhält sie darauf kaum ein Kontra, weil sie letztlich nicht kontrolliert wird. Die Arbeitslosen selbst sind in Bezug auf ihre eigenen Rechte erstaunlich inaktiv. Die Gewerkschaften haben auf Arbeitslose nicht wirklich Lust. Die Politik möchte nur die Statistik bereinigen und die zukünftigen Arbeitslosen, die - noch - in ungekündigter Stellung arbeiten, wollen sich mit ihrem möglichen Status in spe nicht befassen.

Eine Aufgabe mehr für eine Partei, die die Lücken besetzen möchte? Bis dahin gibt es wenigstens Initiativen wie Tacheles e.V., die konsequent auf Seiten der Arbeitslosen stehen. Oder das Mittwochsfrühstück der “Arbeitslosen Initiative Düsseldorf” im Kulturzentrum Zakk. Mehr Adressen von Arbeitslosen-Initiativen im Internet hier. Mitmachen sollte man auch hier: http://www.aufrecht-bestehen.de/kampagne/2014072731.html

Bis nächsten Freitag. Auf einen Cappuccino...
                                              Ihr Peter Jamin

Unser Autor ist Schriftsteller, Journalist und als Berater für Kommunikation seit Jahrzehnten immer wieder auch für ausgewählte Projekte von Unternehmen und Werbe- und PR-Agenturen tätig. Sein soziales Engagement gilt der Situation von Angehörigen vermisster Menschen, auf deren Situation der Publizist in Büchern, TV-Dokumentationen und Artikeln seit mehr 20 Jahren immer wieder aufmerksam macht.

(Peter Jamin)


 


 

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