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Die Jamin-Kolumne: Auf einen Cappuccino

Besorgte Unternehmer bilden Menschenkette gegen belgisches Atomkraftwerk – Was wir tun können, wenn die Atompest die Region unbewohnbar macht

Die Region Aachen und weite Teile NRWs sind einer stetig wachsenden nuklearen Bedrohung durch das belgische Atomkraftwerk Tihange, 60 Kilometer hinter der Grenze bei Aachen, ausgesetzt. Der Druckbehälter des Kraftwerks weist tausende von Haarrissen auf, es werden immer mehr und sie werden immer größer. Unser Kolumnist macht sich - wie u.a. die NRW-Landesregierung und viele Unternehmen - große Sorgen.

Die Belgier sind verrückt. Sie unterhalten ziemlich nahe der deutschen Grenze ein ziemlich schrottreifes Atomkraftwerk und ignorieren alle Proteste von Politik, Behörden, Wirtschaft und Experten. Die NRW-Regierung hat aus Protest sogar die im NRW-Pensionsfond liegenden Aktien des AKW-Betreibers Tihange verkauft.

Der Kampf gegen das Kernkraftwerk gleicht trotzdem dem Kampf von David gegen Goliath – und niemand kann einschätzen, wann David gewinnt.

Nun bildet sich allerdings ein recht starker Widerstand. Die Initiative „Menschenkette Tihange“ bereitet für Sonntag, 25. Juni 2017, einen internationalen Protest vor.

An der Aktion beteiligen sich auch viele Wirtschaftsunternehmen oder seriöse Menschen wie etwa Steuerberater, bei denen das Protestieren ja nicht zur Berufsbild gehört.

Vor allem auch Unternehmen aus dem Raum Aachen sind dabei, denn im Falle eines GAUs, also eines größtmöglichen anzunehmenden Unfalls, könnte – so die Protestierer – „die ganze Region unbewohnbar werden“.

So macht unter anderem auch das „Institut für Existenzgründungen und Unternehmensführung“ (IEU) in Roetgen mit, das mich jetzt informierte. Die „Aktion Menschenkette“ bildet am 25. Juni 2017 eine 90 Kilometer lange Menschenkette von Aachen über Maastricht und Lüttich bis hin zum AKW Tihange.

Das Institut stellt den Streckenposten für Kilometer 32 im belgischen Ort Herstal direkt am Ufer der Maas am Quai de Wallonie.
Um den Kilometer voll zu machen, sind noch zahlreiche Mitstreiter erforderlich. Deswegen organisiert Instituts-Chef Wilfried Tönnis einen Bus von Düsseldorf nach Herstal am Sonntag, 10.30 Uhr, Fernbusbahnhof Düsseldorf, Worringerstraße 140 (direkt am Hauptbahnhof). Anmeldung und Tickets für 15 Euro hier.

Auch organisiert Tönnis eine Mitfahrbörse zur Menschenkette und zwar hier.

Leider bin ich verreist, doch ich möchte allen Leserinnen und Lesern empfehlen, die Gelegenheit zu diesem seriösen und wichtigen Protest wahrzunehmen.

Der Betrieb des AKW beunruhigt mich schon seit langer Zeit. Und ich habe mir auch schon vor längerer Zeit überlegt, was ich im Fall des Falles, also bei Ausbruch einer Atomkatastrophe, tun werde: Wenn ein Flieger von Air Berlin zu erreichen ist, setze ich mich auf die Sonneninsel Mallorca ab, wo ich bei Freunden auch für längere Zeit unterkommen kann.

Sollte das nicht klappen, erkundige ich mich natürlich in welche Richtung der Wind windet und reise dann per Bahn und Bus in entgegengesetzter Richtung.

Zu befürchten ist aber, dass alle öffentlichen Transportmitteln vollkommen überlastet sein werden, weil viele Menschen vor der Atompest flüchten werden.

Ich halte nicht viel davon Medikamente gegen die Verstrahlung einzunehmen und vor Ort abzuwarten: Hochdosierte Jodtabletten - wissenschaftlich korrekt heißen sie Kaliumiodid-Tabletten - sättigen die Schilddrüse mit nicht-radioaktivem Jod. Sie verhindern, wenn sie zur rechten Zeit eingenommen werden, dass sich radioaktives Jod in der Schilddrüse ansammelt.

Sicher halten die Apotheken große Mengen der Medikamente vorrätig, denn Bundes- und Landesregierung haben vorgesorgt - aber darauf will ich mich nicht verlassen.

Denken wir nur einmal an die Atom-Crashs in Harrisburg in den USA, im russischen Tschernobyl oder in Fukushima in Japan. Sie sorgten für ein Heer von Toten und bereiteten Quadratkilometerweise verseuchte Erde.

Gäbe es ein Dauerticket für den Absprung nach Mallorca müsste man es jetzt kaufen. Vielleicht könnte es ja Air Berlin vor dem Konkurs retten, wenn das Unternehmen Dauertickets verkauft und ihre Maschinen mit laufendem Motor neben den Hangars am Düsseldorfer Flughafen parkt, damit wir im Fall eines GAUs schnell wegkommen. Eine Atomkatastrophe passiert ja schneller und gewaltiger als ein heraufziehendes Gewitter.

Bleiben Sie fröhlich. Bis nächsten Freitag. Auf einen Cappuccino...
                                  Ihr Peter Jamin

Unser Autor arbeitet als Schriftsteller und Publizist sowie als Berater für Kommunikation seit Jahrzehnten immer wieder auch für ausgewählte Projekte. Sein soziales Engagement gilt der Situation von Angehörigen vermisster Menschen, auf deren Situation er in Büchern, TV-Dokumentationen und Artikeln seit mehr 20 Jahren aufmerksam macht. Mehr unter www.jamin.de

(Peter Jamin)


 


 

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