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Die Jamin-Kolumne: Auf einen Cappuccino

Brötchen-Kaufen mit FDP-Lindner

In dieser Woche hat unser Kolumnist Peter Jamin viele Brötchen gekauft. Er wollte doch einmal überprüfen, ob der FDP-Bundesvorsitzende Christian Lindner Recht hat. Ob die Deutschen beim Brötchenkaufen die ausländisch Aussehenden an der Theke misstrauisch beäugen. Und ob die Ausländer im Verkaufsraum das Gefühl haben, dass sie von den Deutschen misstrauisch angesehen werden.

Man sieht den Menschen ihre Angst ja an. Und so bin ich mit kritischem Blick jeden Tag morgens und abends Brötchen in den nahegelegenen Bäckereien kaufen gegangen. In meinem Lieblingsstadtteil Düsseldorf-Oberkassel ist das eine echte Herausforderung. Es gibt gefühlt 10 Bäckereien.

Große Angst bei Politikern

Meines Erachtens ist Oberkassel ein wahres Backwarenwunder. Wir haben noch echte Auswahl. Also mehr Bäckereien als Parteien. Das weiß sicherlich auch der FDP-Mann Lindner. Schließlich ist er auch im Düsseldorfer Landtag Chef der FDP. Sicherlich hat er die Angst-Tendenzen beim Brötchenholen, von denen er auf dem Parteitag in Berlin vor einer Woche sprach, nicht in Oberkassel beobachtet.

Nach meinem einwöchigen Experiment kann ich meine Nachbarn beruhigen: In Oberkassel hat niemand Angst. Vielleicht hat Lindner ja kürzlich Urlaub in Bayern gemacht, wo die Angst vor Ausländern ja viel größer sein soll. Warum sollte sich das Doppel-S-Politgespann Seehofer und Söder sonst so um die Sicherheit in ihrem Land sorgen und sogar warnen: Der Islam gehöre nicht zu Deutschland.

Mohnbrötchen nicht bei uns

Das ist so, als hätte Lindner noch gesagt: Mohnbrötchen gehören nicht zu Deutschland. Der hat aber nur Folgendes - Achtung gestelzter Originalton! - auf seinem FDP-Parteitag gesagt: "Man kann beim Bäcker in der Schlange nicht unterscheiden, wenn einer mit gebrochenem Deutsch ein Brötchen bestellt, ob das der hochqualifizierte Entwickler künstlicher Intelligenz aus Indien ist oder ein sich bei uns illegal aufhaltender, höchstens geduldeter Ausländer. Damit die Gesellschaft befriedet ist, müssen die anderen, die in der Reihe stehen, damit sie nicht diesen Einen schief anschauen und Angst vor ihm haben, müssen sich alle sicher sein, dass jeder, der sich bei uns aufhält, sich legal bei uns aufhält. Die Menschen müssen sicher sein, auch wenn jemand anders aussieht und noch nur gebrochen Deutsch spricht, dass es keinen Zweifel an seiner Rechtschaffenheit gibt. Das ist die Aufgabe einer fordernden, liberalen, rechtsstaatlichen Einwanderungspolitik.“

Und die Mieten explodieren

Hinterher hat Lindner, weil die Medien in ganz Deutschland über ihn und seinen versteckten Rassismus tuschelten, festgestellt, warum er das gesagt hat: "Mir berichten Zuwanderer, dass sie beim Bäcker in der Schlange Seitenblicke bemerken, seit der Staat die Kontrolle bei der Flüchtlingskrise verloren hat. Sie spüren Fremdenangst und Pauschalurteile. Beides ist unberechtigt."

Ich kann nur sagen: Lieber Christian Lindner, geh doch nächste Woche mal mit mir Brötchen einkaufen in Oberkassel. Da ist die Welt noch in Ordnung. Nur die Mieten explodieren. Aber dazu fällt dir sicherlich im Stil Deiner Brötchen-Saga etwas ein. So was wie: Immer mehr Vermieter verlassen Deutschland; sie haben Angst vor den Einschlägen, weil ihre Mieten explodieren...

Bleiben Sie fröhlich. Bis nächsten Freitag. Auf einen Cappuccino...
                       Ihr Peter Jamin

(Redaktion)


 


 

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