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Die Jamin-Kolumne: Auf einen Cappuccino

Das stille Örtchen vom Carlsplatz – zum Schreien underground

Haben sich Mitarbeiter der Stadtverwaltung die Augen verbunden, als sie die Toiletten in den Katakomben des Carlsplatzes genehmigten, fragt sich unser Kolumnist.

Oben hui, unten pfui. Hinweise dieser Art sind ja aus der Mode gekommen. Doch bei einem Besuch auf der Toilette in den Katakomben des Carlsplatzes fiel mir der Spruch wieder ein.

Bislang zählte ich ja den Carlsplatz zu meinen Lieblingsplätzen in Düsseldorf. Doch jetzt habe ich ihm zwei Sternchen gestrichen. Denn kürzlich war ich wieder einmal dort, um etwas Leckeres einzukaufen. Gut gereiften Balsamico. Knackiges Gemüse. Frischen Fisch.

Am Stand von Dauser, wo ich immer wieder sehr gerne eine Erbsensuppe esse, traf ich zwei gute Bekannte. Aus der Begrüßung wurde eine Runde Alt, aus der Runde Alt wurde eine Runde Wasser und daraus wieder eine Runde Alt. Irgendwann verspürte ich das Bedürfnis, eine Toilette aufzusuchen. Glücklicherweise kannte sich einer aus und führte mich, nachdem er sich beim Kellner einen Schlüssel besorgt hatte, in die Katakomben des Carlsplatzes.

Nun ist der Markt ja erst vor einigen Jahren sehr aufwändig renoviert worden und sogar das Treppenhaus in den Untergrund, Typ ehemaliger Luftschutzkeller, wurde attraktiv hergerichtet. 

Doch nach wenigen Stufen gelangten wir vom Hui zum Pfui. Ein düsterer, verstaubter Gang führt zu den Herrentoiletten, die eher in einer abbruchreifen Schraubenfabrik des letzten Jahrhunderts denn in einem stylischen Aushängeschild der Mode- und Welt-Stadt Düsseldorf vermutet würden.

Am Pissoir als Gast nur geduldet...

Während mein Bekannter und ich uns erleichterten und ein wenig über dieses abgewrackte Pissoir lästerten, gesellte sich eine weitere Person zu uns, hörte uns eine Zeitlang zu und erklärte uns dann empört, dass wir uns doch eigentlich auf den Toiletten der Markthändler befänden und nur als Gast geduldet seien.

Wir verzichteten auf eine Diskussion, machten uns nun jedoch ein paar Gedanken mehr über dieses zum Himmel schreiende, stille Örtchen. Schreibt nicht eine Bauordnung vor, dass jede öffentliche Gaststätte wie zum Beispiel Dauser gut zugängliche Toiletten anbieten muss? Wenn ja, wo sind diese, wenn das Underground-WC den Markthändlern gehört? Und wäre es nicht eine Pflicht der Stadtverwaltung bei einer Besucher-Attraktion wie dem Carlsplatz dafür zu sorgen, dass die Gäste aus aller Welt, die sich oben Alt und Erbsensuppe reinpfeifen, diese auch irgendwo stilvoll entsorgen können?

Noch ein Job für unseren neuen Oberbürgermeister. Der Geisel wird’s schon richten.

Bis nächsten Freitag. Auf einen Cappuccino...
                                                         Ihr Peter Jamin

Unser Autor ist Schriftsteller, Journalist und als Berater für Kommunikation seit Jahrzehnten immer wieder auch für ausgewählte Projekte von Unternehmen und Werbe- und PR-Agenturen tätig. Sein soziales Engagement gilt der Situation von Angehörigen vermisster Menschen, auf deren Situation der Publizist in Büchern, TV-Dokumentationen und Artikeln seit mehr 20 Jahren immer wieder aufmerksam macht.

(Peter Jamin)


 


 

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