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Die Jamin-Kolumne: Auf einen Cappuccino

Der Bundespräsident als Pressesprecher

Respekt für meinen Präsidenten

Diese Sympathie-Zeremonie wurde von Erdogans Partei AKP sofort auf Twitter und anderen Social Media Plattformen veröffentlicht. Das wiederum löste in Deutschland großes Entsetzen aus, schließlich entwickelt sich die Türkei unter Erdogan u.a. durch Verhaftungen von Journalisten und Oppositionellen mehr und mehr zu einer Anti-Demokratie, in der die Menschenrechte und auch türkisches Recht nicht mehr beachtet oder gebeugt werden.

Wie das Konzept der Krisen-PR der beiden Fußballspieler genau aussah, ist nicht bekannt. Moralische Unterstützung bekamen sie jedenfalls von DFB-Präsident Reinhard Grindel, Bundestrainer Joachim Löw und Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff. Und vom Bundespräsidenten.

Steinmeier auf Facebook

Der schrieb auf Facebook: "Ilkay Gündogan und Mesut Özil haben den Wunsch geäußert, mich zu besuchen. Beiden war es wichtig, entstandene Missverständnisse aus dem Weg zu räumen. Wir haben lange gesprochen, über Sport, aber auch über Politik. Der deutsche Fußball hat beide Spieler groß gemacht. Ihre Geschichte spiegelt wider, was ich in meiner Rede zum Tag der Deutschen Einheit gesagt habe: 'Heimat gibt es auch im Plural. Ein Mensch kann mehr als eine Heimat haben, und neue Heimat finden. Das hat die Bundesrepublik für Millionen von Menschen bewiesen und es hat uns bereichert.' Genauso wichtig wie der Respekt vor der Vielfalt unserer Wurzeln, ist das Bekenntnis aller Bürgerinnen und Bürger zu unserem Land und seinen Werten. Mesut Özil hat mir heute gesagt: 'Ich bin hier aufgewachsen und stehe zu meinem Land.' Und İlkay Gündoğan erzählte: 'Meine Familie stammt aus Dursunbey. Ich bin in Gelsenkirchen geboren. So wie die Heimat meiner Eltern auch ein Stück Heimat für mich ist, so ist Deutschland heute eindeutig mein Land und mein Team.' Meine Antwort an beide: 'Und mit Deutschland werden Sie Weltmeister!'“

So schnell zu Steinmeier

Eine sehr befremdliche Aktion des Bundespräsidenten. Wenn jemand Missverständnisse gegenüber der Öffentlichkeit ausräumen möchte, sollte er eine Pressekonferenz einberufen und nicht den Bundespräsidenten als Pressesprecher berufen. Leider bestätigt diese Aktion, dass man als Prominenter in Deutschland doch gewisse Vorzüge in der Politik hat.

Die empörten Reaktionen auf das Statement des Bundespräsidenten sind nachvollziehbar. Die Reaktion in den Kommentaren etwa auf Facebook sah entsprechend aus. Viele Nutzer äußerten sich so wie "muds0r" auf Tagesschau.de am 19. Mai 2018 um 21:53: "Wie? So schnell und einfach kommt man zum Steinmeier? Na wenn das so ist, wünsch ich mir auch mal, ihn zu treffen, so in 2-3 Tagen sollte kein Problem sein."

Bundespräsident im Fettnäpfchen

Bundespräsident und Fußballspieler hatten also voll ins Fettnäpfchen getreten. Statt mit dem Bundespräsidenten zu sprechen, hätten die beiden Fußballspieler ihren Fans und der Öffentlichkeit lieber erklären sollen, wie sie denn zu dem türkischen Präsidenten stehen und was sie von dem Demokratie-Verfall in der Türkei halten. Das ist bis heute nicht geschehen.

Mesut Özil hat sich bislang gar nicht geäußert. Ilkay Gündogan redet offensichtlich so verschwurbelt, dass der "Stern" in seiner jüngsten Ausgabe in einem Artikel auf drei Heftseiten feststellt, dass der Fußballspieler gar nichts zu sagen hat.

Meinungsgestörte Fußballspieler

Angeblich sind ja die meisten Fußballspieler von Rang vollkommen a-politisch. Also viel, viel Meinungsgestörter als das gemeine Volk.

Nun könnte man ja sagen, dass es letztlich doch eine Privatangelegenheit der beiden Fußballspieler ist, ob sie den türkischen Präsidenten ein T-Shirt schenken oder mit dem deutschen Bundespräsidenten einen Gartenspaziergang machen. Aber was ist schon privat bei zwei Nationalspielern, von denen wir sogar erwarten, dass sie die Nationalhymne bei wichtigen Fußballspielen singen können...

Möglicherweise haben die beiden Kicker allerdings auch Angst, dass Angehörigen von Ihnen in der Türkei Nachteile entstehen, wenn sie sich kritisch mit dem Regime auseinandersetzen. Dann sollten sie oder die DFB-Führung aber wenigstens einen Hinweis darauf geben, damit die Öffentlichkeit ihr Schweigen verstehen kann.

Zwei Körper für die nächste WM

Die beiden Fußballspieler haben sich des Bundespräsidenten wie auch des DFB und ihrer Führung als Pressesprecher bedient. Das ist eine einfache Methode den Kopf einzuziehen. Dabei sollten es gerade Kicker doch besser wissen: Wenn man wirklich etwas erreichen und ein Tor schießen will, muss man sich selbst kräftig bewegen. Auf die Mitspieler und ihren Kampfgeist allein zu vertrauen, führt selten zu einem Sieg.

Wer nicht selbst die Initiative ergreift, verliert. Ilkay Gündogan und Mesut Özil haben sich als Dummköpfe geoutet. Auf solche Nationalspieler kann man wirklich nicht stolz sein.

Aber vielleicht bringen es die beiden Körper wenigstens bei der nächsten Fußball-WM in Russland.

Bleiben Sie fröhlich. Bis nächsten Freitag. Auf einen Cappuccino...
                                   Ihr Peter Jamin

Unser Autor arbeitet als Schriftsteller und Publizist sowie als Berater für Kommunikation seit Jahrzehnten immer wieder auch für ausgewählte Projekte. Sein soziales Engagement gilt der Situation von Angehörigen vermisster Menschen, auf deren Situation er in Büchern, TV-Dokumentationen und Artikeln seit mehr 20 Jahren aufmerksam macht. Mehr unter www.jamin.de

(Peter Jamin)


 


 

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