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Die Jamin-Kolumne: Auf einen Cappuccino

Der erfolgreiche AfD-Roman – schlabbriges Programm, schräges Personal und schreiende Konflikte

Warum ist die AfD, die so genannte Alternative-für-Deutschland-Partei, so erfolgreich? Für unseren Kolumnisten gibt es nur eine Antwort: Die AfD bietet den Fans so viele Geheimnisse und Konflikte, dass die Leute einfach dranbleiben, um mehr zu erfahren. Das ist wie bei einem spannenden Roman, in dem der Autor auch nicht im ersten Kapitel die komplette Geschichte offenlegt.

Es gibt nicht viele Schriftsteller, die länger als drei Jahre benötigen, um einen Roman fertig zu schreiben. Die AfD schaffte es im gleichen Zeitraum seit ihrer Gründung vor mehr als drei Jahren nicht einmal ein simples Parteiprogramm zu schreiben. Obwohl die Partei doch – einer Hydra, einem schlangenähnlichen Ungeheuer gleich - über viele schrei(b)ende Köpfe verfügt.

Selbst beim letzten Parteitag servierte der Vorstand nur ein paar Ausblicke auf das, wofür die Partei steht - und gleichzeitig mit diesen Programmpünktchen viel Konfliktstoff. Also Zutaten wie in einem spannenden Roman.

Nicht mal mehr Blöken können sie...

Wer nun erwartet hat, dass das gemeine Parteivolk aufstöhnt ob dieser schlechten Vorstandsarbeit hatte weit gefehlt. Die Mitläufer und –wähler reagierten wie eine Herde Schafe, die das Blöken verlernt hat.

Sie reagierten eben wie die Leserinnen und Leser eines spannenden Romans, bei dem man bzw. frau sich freut, dass noch lange nicht alles erzählt wird, was noch passieren kann.

Wichtig hingegen sind in diesem AfD-Roman die Konflikte. Man kann gar nicht genug davon haben. Wenn es nicht Konflikte in der eigenen Familie sind – wie etwa der große AfD-Trennungsstreit und Abschiedskrach mit den Ex-AfD-Helden Lucke und Henkel – dann sollen es Konflikte mit anderen Mächten sein. Und in der Tat: Konflikte mit anderen grünen, roten, schwarzen und gelben Parteivertretern gibt es zuhauf in Talkshows und auf anderen Romanschauplätzen.

Der Fiesling aus dem Sumpf mutiert zum Biedermann

Das liegt ganz erheblich an den Helden des AfD-Romans, die gerne als Fieslinge aus den Niederungen des politischen Sumpfes aufsteigen und sich dann als brave Biedermänner anbiedern. Beispiel ist etwa der Rechtsaußen Björn Höcke. Eines seiner Kotz-Zitate: "Solange wir bereit sind, diesen Bevölkerungsüberschuss aufzunehmen, wird sich am Reproduktionsverhalten der Afrikaner nichts ändern."

Doch die große Faszination in diesem AfD-Roman geht von der Programm-Geschichte der Partei aus. Auch drei Jahre nach Gründung gibt es noch kein Parteiprogramm – die Anhänger und Wähler der AfD werden im Ungewissen gelassen, so dass sie immer hin und herschwanken wohin die Reise wohl geht.

Das Partei-Programm der AfD ist aufgebaut wie ein spannender Roman: Er lässt dem Leser, also den potentiellen Wählern, viel Raum für die eigene Fantasie und die eigenen Vorstellungen. Ein guter Roman lebt davon, dass sich der Leser seine eigenen Gedanken und Bilder macht.


 


 

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