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Die Jamin-Kolumne: Auf einen Cappuccino

Der erfolgreiche AfD-Roman – schlabbriges Programm, schräges Personal und schreiende Konflikte

Andeutungen, Versatzstücke - warum soll man die Wähler mit Fakten und Lösungen behelligen?

Insofern hat die AfD bislang einen überaus geschickten Schachzug getan. Während die etablierten Parteien sich an Fakten und Lösungen abarbeiten und dadurch nicht selten auch ihren Wähler viel abverlangen, bietet das Wahlprogramm der AfD lediglich Versatzstücke und erste Andeutungen wohin die Reise gehen könnte.

Alles ist möglich. Wird aus der AfD eine demokratische Alternative zu CDU/CSU oder ein Double der NPD?

Etliche Schlagwörter und –halbsätze aus dem AfD-Programm und den Diskussionsbeiträgen der AfD’ler lassen beide Schlussfolgerungen zu, so dass der Wähler-Anhänger sich nicht entscheiden muss.

Man ist zwar der Meinung, dass der Islam nicht zu Deutschland gehört, aber der gute Islam soll ruhig in Deutschland bleiben. Man will zwar eine Partei, aber nicht für politische Lösungen zuständig sein. Man sei nicht rechtsextrem proklamieren die Partei-Führer ständig, lässt aber Rechtsextremen in der Partei viel Spielraum. Deutschlands Grenzen sollen für ausländische Flüchtlinge dicht gemacht werden, deutsches und internationales Recht ignoriert man aber locker. Die AfD ist gegen Abtreibung, Alternativen für die Frauen in Not werden aber nicht vorgestellt. Deutschland soll schließlich auch noch die NATO verlassen – aber noch nicht so richtig.

Irgendwann, ja irgendwann endet der Roman. Vielleicht.

Irgendwann in nächster oder ferner Zukunft will die AfD einmal ein richtiges Parteiprogramm vorlegen. Ich bin mir aber nicht sicher, ob es dazu wirklich kommen wird. Wie in einem spannenden Krimi könnte der AfD-Roman noch über viele hundert Seiten bzw. Monate hinweg offen für alle bleiben. Es gibt vermutlich zehn bis zwanzig Prozent der Deutschen, die sich mit solcherart offener Politik zufrieden geben, weil das einfach spannend ist und sie selbst sich dann ja auch nicht festlegen müssen.

Manche Kapitel des AfD-Romans sind allerdings spannender als andere. Besonders langweilig ist beispielsweise das Düsseldorf-Kapitel der AfD. Da agiert ein Kreisvorstand praktisch ohne jegliche Argumente, Denkansätze oder Lösungsvorschläge fürs rheinische Wahlvolk.

Die einzige Aussage ist ein Slogan auf der Home: „Für unsere Zukunft, für unsere Kinder.“ Dem kann man zustimmen, denn wer ist schon gegen unsere Zukunft – was bleibe denn dann? Die aktuellste News der Düsseldorfer AfD ist auch nicht gerade ein Bringer: Seit dem 12. Mai sei man nun auch bei Facebook.

Achja - bleibt nur noch die Frage: Was soll man mit dem neuen AfD-Roman anfangen?

Einen normalen Roman kann man wenigstens ins Regal stellen und vergessen - einer Partei, der man zu lange Kredit gibt, endlich in die Pötte zu kommen, bestimmt unter Umständen vieles für den Rest des eigenen Lebens und des Landes.

Bleiben Sie fröhlich. Bis nächsten Freitag. Auf einen Cappuccino...
                                                Ihr Peter Jamin

Unser Autor arbeitet als Schriftsteller und Publizist sowie als Berater für Kommunikation seit Jahrzehnten immer wieder auch für ausgewählte Projekte. Sein soziales Engagement gilt der Situation von Angehörigen vermisster Menschen, auf deren Situation er in Büchern, TV-Dokumentationen und Artikeln seit mehr 20 Jahren aufmerksam macht. Mehr unter www.jamin.de

(Peter Jamin)


 


 

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