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Die Jamin-Kolumne: Auf einen Cappuccino

Deutschland ein Entwicklungsland - Angehörigen von Vermissten werden allein gelassen

Seit mehr als 20 Jahren berät unser Kolumnist ehrenamtlich, neben seinem Job, Angehörige von vermissten Menschen. Er hat früher die Fernsehreihe "WDR-Vermisst" entwickelt und als Autor begleitet sowie inzwischen drei Bücher zum Thema geschrieben. Gerade erst wurde sein "Vermisst-Ratgeber für Angehörige" veröffentlicht.

Am kommenden Montag, 8. Juni, sendet der MDR um 22.05, mit "Fakt ist..." eine Diskussionssendung mit unserem Kolumnisten zum Thema "Vermisste Menschen". Jamin stellt hier heute seine wichtigsten Thesen zum Thema vor.

Deutschland ist, was die Betreuung und Beratung von Angehörigen von Vermissten betrifft ein Entwicklungsland. Und darüber hinaus erschreckend rückständig und ignorant. 

In diesen Wochen wird das wieder einmal besonders deutlich, nachdem im Osten der Republik, in Stendal, die 5-jährige Inga beim Holzsammeln in einem Wald spurlos verschwunden ist. Niemand außer einigen, mit der Suche befassten Polizisten findet angemessene Worte. Die Innen- und Familienpolitiker – Schweigen im Wald.

Wie sollte das auch anders sein. Es gibt in Deutschland keinen Politiker und keinen Behördenmitarbeiter außerhalb der Polizei, der sich umfassend mit der Situation der jährlich rund 100.000 bei der Polizei registrierten Vermissten und vor allem auch mit den Problemen ihrer rund 500.000 Angehörigen auskennt. 

Diese Tatsache wird nun endlich einmal in einer Fernsehsendung ausführlich diskutiert. In "Fakt ist..." stehe ich am kommenden Montag gemeinsam mit Moderator Andreas F. Rook und Lars Bruhns von der Initiative Vermisste Kinder e.V. und anderen Gesprächspartnern im Fernsehstudio in Dresden. Die Sendung beginnt um 22.05 Uhr, und es wird u.a. um folgende meiner Thesen gehen:

  1. "Unsere Gesellschaft ignoriert die Probleme von jährlich 500.000 Angehörigen von Vermissten. Die Politik überlässt der Polizei sogar die gesamte Sozialarbeit, wohlwissend, dass diese dafür weder ausgebildet noch personell ausgestattet ist."
  2. "Die Ungewissheit, ob die vermisste Person lebt oder tot ist, macht den Menschen schier verrückt. Und zu der seelischen Krise kommt häufig noch ein organisatorisches Chaos, das mit dem Weggang eines Menschen fast immer einhergeht. Aber keine Behörde außer der Polizei hilft."
  3. "Es gibt in Deutschland keinen Politiker und keinen Behördenmitarbeiter außerhalb der Polizei, der sich für die Beratung und Unterstützung der Angehörigen von jährlich rund 100.000 Vermissten zuständig fühlt und ihnen mit Sachkenntnissen zur Seite steht. Das betrifft alle Ebenen von der Bundesregierung und ihren Ministerien bis hin zu den Landes- und den Kommunalbehörden sowie den jeweiligen Parlamenten."
  4. "Wir benötigen 1. einen nationalen, durch ein Bundesministerium betreuten Internetauftritt für die Suche nach Vermissten und die Beratung ihrer Angehörigen, 2. sachkundige Vermisst-Berater in den Sozialbehörden jeder Stadt oder Gemeinde und 3. einfache Infoblätter mit Hinweis auf die vorgenannten Angebote für Angehörige in allen Polizeidienststellen."

Ich hoffe, Sie verehrte Leserinnen und Leser meiner Kolumne "Auf einen Cappuccino", werden die MDR-Sendung am Montag einschalten. Das Thema liegt mir am Herzen. Unterstützen Sie mich!

Bis nächsten Freitag. Auf einen Cappuccino...
                                                 Ihr Peter Jamin

Unser Autor ist Schriftsteller, Journalist und als Berater für Kommunikation seit Jahrzehnten immer wieder auch für ausgewählte Projekte von Unternehmen und Werbe- und PR-Agenturen tätig. Sein soziales Engagement gilt der Situation von Angehörigen vermisster Menschen, auf deren Situation der Publizist in Büchern, TV-Dokumentationen und Artikeln seit mehr 20 Jahren immer wieder aufmerksam macht.

(Peter Jamin)


 


 

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