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Die Kommerzialisierung der Kunst - Künstler als Marketing-Opfer

Auf meiner Reise durch Frankreich mache ich mir Gedanken über die Stellung des Künstlers in der Kunst, wenn Sie kommerzialisiert wird. Wir leben schließlich in einer Welt, in der wir Kunst mit allen Mitteln des Marketings unters Volk und an die Frau oder den Mann bringen.

Gestern beispielsweise beobachtete ich in Avignon rund 100 Menschen, die sich in strömendem Regen vor dem Eingang des "Palastes des Papstes" drängelten – Kultur als Massenerlebnis hat überall Hochkonjunktur.

Heute wohne ich in einer Wohnung, die ich über Airbnb gemietet habe und die mit dem Hinweis angepriesen wurde, dass sie sich mitten im Künstlerviertel von Marseille befinde – Künstlerleben als Qualitätsnachweis für eine Immobilie.

Bei Betrachtung bei Tageslicht stelle ich allerdings fest, dass von den Künstlern an diesem Platz nur Grafittis minderter Qualität übrig geblieben sind und in den vielen Restaurants platter Kommerz herrscht. Im ersten Restaurant, dass ich besuche, werde ich nachts um Elf vertrieben, weil ich nur eine Flasche Wein trinken und nicht auch noch zu Abend essen möchte. Im nächsten Lokal erwartet man von mir, dass ich eine Flasche Wein trinke und nicht nur ein Glas.

Zu wenige Ateliers, aber massentaugliche Events

In Düsseldorf beherrschen wir inzwischen die Kommerzialisierung der Kunst ziemlich perfekt. Wir haben zwar nicht genügend preiswerte Künstlerateliers, in denen Maler und Bildhauer arbeiten können, und Dichterinnen und Schriftsteller sind ohnehin weitgehend auf sich allein gestellt, aber wir haben eine ganze Reihe von Veranstaltungen, mit denen die Kunst massentauglich gemacht und kommerziell aufgepeppt wird.

In der "Nacht der Museen" drängeln sich Tausende Menschen vor Museumseingängen. Es gibt "Kunst-Punkte" und "Schmuck-Punkte" und viele andere Treffpunkte, an denen die Künstler als kostenlose Unterstützer für Kunsthandwerk und Kunsthandel und andere Gewerbe gezielt eingesetzt werden.

Zutritt ins Allerheiligste der Kreativen

Die größte Kunstausstellung Düsseldorfs, "Kunstpunkte – offene Ateliers in Düsseldorf", findet am kommenden Wochenende in den nördlichen Stadtteilen statt. Mehr als 500 Künstler an 266 Standorten öffnen ihre Atelieräume für die Öffentlichkeit. Die Kreativen gewähren dann - so die Veranstalter - "Fremden Zutritt in ihr Allerheiligstes. Die Besucher dürfen und sollen den Malern, Bildhauern, Filmern, Fotografen und Performern über die Schulter schauen, können von den Künstlern Werke kaufen, mit ihnen ins Gespräch kommen".

Ich gehe dann ins Studio der Malerin Kristin Dembny, Kunstpunkt 121. Sie freut sich schon auf uns. Ab Samstag 14 Uhr.


 


 

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