Sie sind hier: Startseite Düsseldorf Kolumnen Peter Jamin
Weitere Artikel
  • 07.09.2018, 10:15 Uhr
  • |
  • Düsseldorf / Chemnitz
  • |
  • 0 Kommentare
Die Jamin-Kolumne: Auf einen Cappuccino

Diskussionen besser ohne Politiker

Die Ereignisse in Düsseldorfs Partnerstadt Chemnitz haben Deutschland wieder einen kräftigen Diskussionsschub gebracht. Nicht nur auf der Straße und in den Kneipen, auch in Fernsehsendungen und Bürgerforen wird seit Tagen darüber diskutiert, warum es zu den gewaltigen Ausschreitungen in Chemnitz gekommen ist und was getan werden muss. An vorderster Front stehen bei den Diskussionen wie immer die Politiker. Unser Kolumist Peter Jamin fragt sich: Sind Politiker überhaupt die richtigen Diskussionpartner?

Seien wir doch ehrlich: Politiker aller Parteien befinden sich im ständigen Werbemodus um zukünftige Wähler. Das hat zur Folge, dass sie dem Wahlvolk gerne Honig um den Bart schmieren und ihnen - wie im Fall Chemnitz - mehr Verständnis entgegen bringen, als es sinnvoll wäre.

Kein Verständnis für Mitläufer

Bei den Diskussionen nach Chemnitzist festzustellen, dass sich viele Politiker zwar gegen die Rechtsextremen wenden, aber den Mitläufern gegenüber Verständnis aufbringen nach dem Motto, diese seien ja eigentlich nur "fehlgeleitet" oder "besorgt" oder "wütend". Im Grunde zählten diese Chemnitzer ja doch zu den Guten.

Sind die das wirklich? Ich sage nein. Wer Seit’ an Seit’ mit AfD, Höcke, NPD, Hooligans und Pegida in Chemnitz ein Front bildet, gehört auch zu denen. Dieses Bild zeigte sich beispielsweise am vergangenen Samstag, wie man bei Spiegel-online nachlesen kann.  

Politiker immer im Wahlmodus

Wer auf einer Demonstration, die als "Trauermarsch" bezeichnet wird, mitmarschiert, ist weder ein Trauernder noch nur ein Wutbürger noch nur ein besorgter Staatsbürger. Wer sich mit den Hetzern und Angsthasen dieser Republik gemein macht, gehört zu diesem Lager.

Deutschlands Parteipolitiker, von Natur aus immer im Wahlmodus, möchten aber ausgerechnet von diesen Mitläufern gerne noch ein Kreuzchen auf dem nächsten Wahlzettel. Das ist die falsche Einstellung. Wir brauchen klare Verhältnisse auch in den Diskussionen um die Rechtsaußen und Rechtsextremen. Wer mit denen mitläuft, muss auch als Mitläufer, als einer von denen, bezeichnet werden, weil sie sich außerhalb der bürgerlich-demokratischen Gesellschaft begeben. Wer für sein Handeln auch Verantwortung übernehmen muss, überlegt sich vor der nächsten AfD-Pegida-Demo genau, was er macht.

Trauer gehört in die Kirchen

Die Parteipolitiker sollten sich weitgehend aus den Diskussionen heraushalten, wenn sie es nicht schaffen, endlich klar Stellung zu beziehen. Es gibt ja genug andere, meinungsstarke Wortführer in unserer Gesellschaft, die unabhängig von Parteiinteressen über unsere Demokratie diskutieren und vor allem auch Klartext reden können.

Das bedeutet beispielsweise auch: Den Trauermarschierern muss man vorhalten, dass Trauer in die Kirchen und nicht auf die Straße im Verbund mit Rechtsextremen gehört.

Deutsche Täter für AfD kein Thema

Abgesehen davon: Wenn es bei dem Chemnitzer Trauermarsch, der zum Schauermarsch wurde, tatsächlich um die Trauer um das Opfer und nicht um einen Protest gegen den ausländischen Täter gegangen wäre, dann müsste jeden Tag in Deutschland ein Trauermarsch stattfinden. Denn jeden Tag fallen Deutsche einer Gewalttat zum Opfer - allerdings durch deutsche Täter, bei denen AfD und Konsorten und ihre besorgten, wütenden Mitläufer dann doch lieber wegsehen. Richtige deutsche Täter sind für die kein Thema.

Bleiben Sie fröhlich. Bis nächsten Freitag. Auf einen Cappuccino...
                 Ihr Peter Jamin

Unser Autor arbeitet als Schriftsteller und Publizist sowie als Berater für Kommunikation seit Jahrzehnten immer wieder auch für ausgewählte Projekte. Sein soziales Engagement gilt der Situation von Angehörigen vermisster Menschen, auf deren Situation er in Büchern, TV-Dokumentationen und Artikeln seit mehr 20 Jahren aufmerksam macht. Mehr unter www.jamin.de

(Peter Jamin)


 


 

chemnitz
trauer
asylanten
kriminalität
demonstrationen
HerzStattHetze
DasAndereSachsen
WirSindMehr
Grundgesetz
Peter Jamin

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Deutscher Bundestag" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: