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Die Jamin-Kolumne: Auf einen Cappuccino

Donald Trump spielt die Netflix-Serie "House of Cards" nach - Nur Ehefrau Melania verweigert sich dem Rollenspiel im Weissen Haus

Viele Stunden hat unser Kolumnist Peter Jamin vor seinem Fernsehgerät verbracht und sich die TV-Serie "House of Cards" angesehen. Jetzt ist er überzeugt, dass der amerikanische Präsident den Polit-Reißer nachspielt.

Monatelang habe ich nun in Tagesschau und Tageszeitungen die irritierenden Aktionen des US-Präsidenten Donald Trump verfolgt. Oft habe ich verwundert den Kopf geschüttelt oder mich verärgert abgewandt von den total irren Nachrichten aus Washington.

Doch jetzt habe ich mir in wenigen Tagen 30 Folgen der Netflix-Polit-Serie "House of Cards" angesehen und stelle fest: Trump spielt seine eigene TV-Serie und noch mehr - er spielt "House of Cards" nach.

Natürlich nicht 1:1. Trump ist subtiler, auch wenn man ihm das nicht zutraut. Er ermordet nicht die journalistische Widersacherin wie im Film - er beschimpft den ganzen Berufsstand als Lügenpresse und Erfinder von Fake News. Das ist schlimmer als Mord. Das ist Rufmord!

Doch darüber hinaus hat Trump - mit ein wenig Phantasie angespickt - ordentlich Anleihen an die TV-Politserie gemacht. Der echte Präsident lässt wie der TV-Präsident die Puppen tanzen und diskreditiert u.a. etwa vermeintliche Gegner wie es TV-Vorbild Underwood besser nicht hätte machen können - er schasst sogar den FBI-Chef, um Nachforschungen gegen sich bzw. seine Vasallen zu verhindern.

"America Works" heißt der große Schlachtruf des Schauspiel-Präsidenten Frank Underwood. In Staffel 3, Folge 2, ist es das innenpolitische Hauptziel der ersten Amtsperiode: Er will 10 Millionen Amerikaner mit einer Investition von 500 Milliarden Dollar in Brot und Arbeit bringen und Vollbeschäftigung im Land garantieren. Dafür müssen soziale Leistungen gekürzt werden in Rentenversicherung, Krankenversicherung, Katastrophenschutz u.a.

Selbst den Wahlkampfslogan hat Trump bei der Serie ausgeliehen

Das kommt ihnen sehr bekannt vor? Selbstverständlich. Donald Trump hat den Kriegsruf "America first" auf seine Fahne geschrieben. Ich vermute einmal, dass der echte Präsident - dem Medienraunen nach selbst ein TV-Junkie - beim Konsum der Netflix-Serie ein wenig weggedämmert ist und in diesem Halbschlafzustand statt "America Works" ein "America First" vernommen hat. Damit versucht er jetzt seine Landsleute zu begeistern.

Das reale Getöse kennen Sie natürlich: "Job, Jobs, Jobs" verspricht Trump, wo immer sich ihm die Gelegenheit bietet. Sogar bei seinem Besuch in Dubai verwies er stolz auf die mögliche Vermehrung der Job, als er mit den Scheichs ein Milliarden-Rüstungspaket schnürte.

Um Geld zu generieren, setzt Trump den Rotstift bei sozialen Leistungen an. Bereits am Abend seiner Amtseinführung unterzeichnete Trump eine "Executive Order" zur "Minimierung der finanziellen Last" durch die als "Obamacare" bezeichnete Gesundheitsreform, berichtete die Süddeutsche Zeitung: "Mit dem Dekret weist der Präsident alle Betroffenen an, auf alle Aufwendungen, die im Rahmen von Obamas 'Affordable Care Act' erbracht werden sollen, zu verzichten oder sie zu verzögern, soweit es das Gesetz zulässt. Längerfristig will Trump das Gesundheitssystem seines Vorgängers durch ein anderes ersetzen."

Auch Trumps Regulierung des Arbeitsmarktes und der Wirtschaft zahlt auf die Job-Vermehrung in den USA ein: Der US-Präsident unterzeichnete eine Executive Order, mit der er die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt von möglicherweise nicht notwendigen Regulierungen befreien will. Regierungsbehörden müssen entsprechende Regulierungen überprüfen. Vorschriften, die die Wirtschaft unnötig belasten und so die Schaffung von Arbeitsplätzen einschränken könnten, sollen abgeschafft oder vereinfacht werden.

Wie wir beobachten können, scheinen sich Trumps Minister-Darsteller und Familien-Akteure rund um das Weiße Haus in ihren Rollen recht wohlzufühlen.

Nur eine Person spielt nicht mit: seine Ehefrau Melania. Die wischt ihrem Ehemann die gereichte Hand sogar in aller Öffentlichkeit vor laufender Kamera weg und zeigt so, dass sie mit den Rollenspielen ihres Gatten nicht einverstanden ist. Hier mehr dazu.

So etwas wäre "First Lady" Claire Underwood im echten "House of Cards" niemals passiert. Das kann kein Drehbuchautor erfinden.

Bleiben Sie fröhlich. Bis nächsten Freitag. Auf einen Cappuccino...
                           Ihr Peter Jamin

Info-Box
Unser Autor arbeitet als Schriftsteller und Publizist sowie als Berater für Kommunikation seit Jahrzehnten immer wieder auch für ausgewählte Projekte. Sein soziales Engagement gilt der Situation von Angehörigen vermisster Menschen, auf deren Situation er in Büchern, TV-Dokumentationen und Artikeln seit mehr 20 Jahren aufmerksam macht. Mehr unter www.jamin.de

(Peter Jamin)


 


 

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