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Die Jamin-Kolumne: Auf einen Cappuccino

Drei Musketiere kämpfen für Asyl

In einer Zeit, in der Deutschland sehr kontrovers über die Akzeptanz weiterer Asylanten diskutiert, zeigen die Oberbürgermeister von Düsseldorf, Köln und Bonn Flagge: In einem gemeinsamen Schreiben an Bundeskanzlerin Angela Merkel bieten die drei Städte der Bundesregierung an, in Not geratene Flüchtlinge aufnehmen zu wollen. Das ist mutig und richtig, findet unser Kolumnist Peter Jamin. Dieses Vorgehen der OB’s erinnert ihn an Alexandre Dumas’ "Drei Musketiere", die ja - zumindest in Roman und Kinofilm - auch immer da waren, wenn es um die gerechte Sache ging.

Wenn wir unsere deutschen und internationalen Gesetze, die uns zur Aufnahme von Kriegsflüchtigen und politisch Verfolgten verpflichten, ignorieren und Moral und Menschlichkeit nur unter Gesichtspunkten der Bequemlichkeit eine Rolle spielen, verroht unsere Gesellschaft. Minderheiten jeder Art werden in der Folge in den nächsten Jahrzehnten unter diesem Mangel zu leiden haben.

Nicht lamentieren, sondern handeln

Es ist also an der Zeit weniger zu lamentieren (Minister Seehofer!), sondern zu handeln. Es müssen realistische und gleichzeitig humane Maßnahmen getroffen und nicht noch weitere Jahre diskutiert werden. Flüchtlinge, die hier sind, sind schnellstens zu integrieren. Integration darf kein Schlagwort bleiben.

Die Kölner Oberbürgermeisterin und die beiden Oberbürgermeister aus Düsseldorf und Bonn setzen sich zunächst einmal dafür ein, die Seenotrettung im Mittelmeer aus humanitären Gründen wieder zu ermöglichen. "Wir wollen ein Signal für Humanität, für das Recht auf Asyl und für die Integration Geflüchteter setzen", so die drei Stadtoberhäupter Henriette Reker (Köln), Thomas Geisel (Düsseldorf) und Ashok Sridharan (Bonn).

Keine Mauer gegen Flüchtlinge

"Wir stimmen mit Ihnen überein, dass es eine europäische Lösung für die Aufnahme, die Asylverfahren sowie die Integration oder die Rückführung von Geflüchteten geben muss. Bis eine europäische Lösung mit allen Beteiligten vereinbart ist, ist es dringend geboten, die Seenotrettung im Mittelmeer wieder zu ermöglichen und die Aufnahme der geretteten Menschen zu sichern", schreiben die Stadtoberhäupter.

Die Stadtchefs bieten außerdem an, in Not geratene Flüchtlinge aufzunehmen - genauso wie andere Städte und Kommunen in Deutschland es bereits angeboten haben. Damit wollen sich die drei Städte gegen die vermeintlich herrschende Stimmung stellen, dass "Zäune und Mauern statt eines gerechten europäischen Verteilsystems die Not der Geflüchteten lösen können".

OB-Mut gegen CSU-Jammer

Das sind mutige Schritte der Oberbürgermeister. Denn nicht zuletzt wegen der penetranten Schlagzeilen-Tortour gegen Flüchtlinge und dem Jammern über die Flüchtlingskrise durch die CSU-Politiker hat sich ein Deutschland ein fremdenfeindliches Klima entwickelt. Das führte sogar so weit, dass sich die liberale Wochenzeitung "Die Zeit" dazu hinreißen ließ, zu diskutieren, ob die Rettung von Flüchtlingen durch private Seenotretter auf dem Mittelmeer wirklich der richtige Weg ist.

Manchmal beginnt der Human-Schaden einer Gesellschaft im Kopf - bevor die Menschlichkeit dann tatsächlich auf der Strecke bleibt.

Richtige Hilfe für Flüchtlinge

Seit Anfang des Jahres erreicht die menschliche Katastrophe im Mittelmeer neue erschreckende Ausmaße, stellen die Oberbürgermeister in einer Pressemitteilung fest: "Mehr als 1.400 Menschen sind seitdem an den Grenzen der Europäischen Union gestorben. Allein im Juni ertranken 629 Menschen auf dem Weg über das Mittelmeer - unter anderem als unmittelbare Folge der Behinderung und Kriminalisierung von privaten Initiativen zur Seenotrettung."

Hören wir endlich auf, inhumane Maßnahmen wie den Stopp von Seenotrettung oder den Bau von Mauern und Grenzzäunen zu diskutieren - und packen wir bei der Flüchtlingshilfe richtig an. Dass wir es können, hat Deutschland nach dem 2. Weltkrieg bewiesen.

Bleiben Sie fröhlich. Bis nächsten Freitag. Auf einen Cappuccino...
                                Ihr Peter Jamin

Unser Autor arbeitet als Schriftsteller und Publizist sowie als Berater für Kommunikation seit Jahrzehnten immer wieder auch für ausgewählte Projekte. Sein soziales Engagement gilt der Situation von Angehörigen vermisster Menschen, auf deren Situation er in Büchern, TV-Dokumentationen und Artikeln seit mehr 20 Jahren aufmerksam macht. Mehr unter www.jamin.de

(Peter Jamin)


 


 

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