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Die Jamin-Kolumne: Auf einen Cappuccino

Düsseldorf wird auf den Kopf gestellt – der OB in spe räumt auf

Freie Fahrt für Straßenbahnen, Fahrradfahrer und Hundebesitzer, Kahlschlag in Düsseldorfs Wäldern und sozialer Wohnungsbau im Hofgarten – unser Kolumnist hat sich umgehört, wie der zukünftige Oberbürgermeister Thomas Geisel radikal das Stadtbild verändern will.

Neue Besen kehren gut, heißt eine alte Volksweisheit. Ich möchte einmal erzählen, was es für eine so schöne Stadt wie Düsseldorf bedeutet, wenn sie einen neuen Oberbürgermeister bekommt. Thomas Geisel, unser OB in spe, ist noch nicht im Amt, da befindet sich die Landeshauptstadt ja bereits massiv im Umbau. Als sich OB-Kandidat Geisel vor etlichen Wochen im Wahlkampf bei den Heinrich-Heine-Freunden im Steigenberger Parkhotel vorstellte, ahnte ich bereits, dass wir es da mit einem echt-radikalen Politiker zu tun haben würden. Der Mann sprach zunächst über Fracking , also der neuen Methode Öl auch bei uns aus dem Boden zu gewinnen, obwohl das doch eigentlich mit Düsseldorf gar nichts zu tun hat.

Doch ich befürchte, es kommt anders. Dieser OB, der noch nicht im Amt ist, und dessen Pläne trotzdem schon Schlagzeilen machen, wird auch in Düsseldorf nach dem schwarzen Gold suchen, das etliche arabische Staaten superreich gemacht hat. Es wäre grundsätzlich ja auch nicht schlecht, wenn wir in Zukunft auf die Öl-Lieferungen arabischer Scheichs verzichten und unsere eigenen, ewig sprudelnden Geld- und Ölquellen anzapfen könnten. Doch zunächst zu den jüngsten Nachrichten aus dem provisorischen Oberbürgermeister-in-spe-Zimmerchen am Burgplatz.

Erst vor wenigen Tagen machten Schlagzeilen die Runde, dass in Düsseldorf der öffentliche Personennahverkehr freie Fahrt bekommen und Vorrang vor dem Autoverkehr erhalten soll. Nun höre ich allerdings auch Gerüchte, dass auch die Fahrradfahrer bevorzugt und ihnen 50 Prozent der Fahrbahnen zugewiesen werden sollen. Es wäre eine große zukunftsweisende Tat, wenn der Autoverkehr stillstehen und sich Fahrräder, Busse, Straßenbahnen und Spaziergänger mit Hund auf eigenen Fahrbahnen bzw. Kot-Pisten durch die Straßen Düsseldorfs bewegen könnten. Was kein Problem für die Extratouren der Kö-Society wäre - es gibt ja schließlich auch schicke Fahrräder von Ferrari, Mercedes und BMW, und nur die Oberkassler SUV-Fahrerinnen würden vermutlich im eingeplanten Stau steckenbleiben und ihren Ärger im Suff bei Muggel's und Saitta ertränken müssen. Aber mit denen möchte ja kaum jemand Mitleid haben.

Doch das ist noch nicht alles. In einer Stadt wie Düsseldorf, wo Gerüchte gerne einmal über den Rhein nach Oberkassel und über alle Stränge schlagen, hört man auch, dass das Rathaus zum Asylantenheim umgestaltet werden soll. Der OB, pardon Noch-OB Elbers, der zukünftige OB und seine Mitarbeiter würden nach Ende der größten Kirmes am Rhein in der nächsten Woche in die frei werdenden Großzelte von Füchschen, Frankenheim, Schlösser und Uerige/Chateau Rikx umziehen. Ein Vorteil, denn man könnte die Zelte das ganze Jahr über kostenlos benutzen und müsste nur während der großen Kirmes am Rhein im nächsten Jahr in Urlaub gehen.

Solche kleinen Aufregungen kann man aber sicherlich von Bediensteten der Stadt Düsseldorf erwarten. Schließlich müssen sie ganz andere Veränderungen etwa im grünen Stadtbild stemmen. Nach der großen Unwetter-Katastrophe, der rund 20.000 Bäume zum Opfer gefallen sind, gibt es nun Überlegungen, die Wälder und Parks in Düsseldorf komplett freizuräumen. Die neue Anweisung der Stadtverwaltung, dass ein Spaziergang durch Parks und Wälder gegen Strafe verboten ist, dient möglicherweise nur der Vertuschung des Vorhabens, in Düsseldorf alle Bäume komplett abzuholzen. Angeblich dient das der Sicherheit der Bevölkerung bei zukünftigen Unwettern. Aber laut der Gerüchteküche am Burgplatz sollen die frei werdenden Flächen zu fast 50 Prozent für den neuen, von Noch-Nicht-OB Geisel angekündigten sozialen Wohnungsbau fest verplant sein. Das neue Wohn-Quartier im Zentrum der Stadt etwa hieße zukünftig "social live in hofgarten".

Hier kündigt sich ein Öl-Boom an...

Der größere Teil der neuen Freiflächen wird meines Ermessens nach allerdings für die Fracking-Bohrtürme benötigt. Für die Landeshauptstadt wird ein wahrer Öl-Boom erwartet. Reichtum für alle Bürger der Stadt. Düsseldorf wird nicht nur schuldenfrei sein wie unter den Oberbürgermeistern Erwin und Elbers in der Vergangenheit – in der radikalsozialen Zukunft mit einem roten OB Geisel soll jeder Einwohner angeblich sogar ein Bürger- Gehalt beziehen und auf Arbeit verzichten können. Ich sehe schon tout-Düsseldorf an den Champus-Bars der Kö feiern. Möglicherweise ja sogar mit Noch-OB Elbers, der seit Tagen offensichtlich untergetaucht ist und – große Empörung – Düsseldorfs Schützen bei Eröffnung der größten Kirmes am Rhein nicht in den H... gekrochen ist.

Von großer Bedeutung sind auch des Bald-OB's Geisel Pläne für die Stadtteile in Düsseldorf. Sie sollen aufgechict werden. Erste Maßnahmen stehen angeblich schon in den nächsten Monaten zur Realisierung an: So werden die Weihnachtsmärkte aus der Innenstadt – Kö, Altstadt, Schadowstraße usw. - in die Stadtteile verlagern. Der neue so genannte "Weiße Weihnachtsmarkt" wird als "Weißer Wanderweihnachtsmarkt" jedes Jahr in einem anderen Stadtteil stehen, um so auch die internationale Besucherschar in die Vororte Düsseldorfs zu locken. Erster Standort wird in Garath sein, für den Aufbau hat sich die Männergemeinschaft "Hells Angels" freiwillig gemeldet.

Welch' eine Symbolik! Ich höre die kräftigen Kerls in ihren Lederuniformen beim Budenbau schon singen: "Oh du fröhliche, fröhliche Düsseldorfer Zukunftszeit!"

Bis nächsten Freitag. Auf einen Cappuccino...
                                                                        Ihr Peter Jamin

Unser Autor ist Schriftsteller, Journalist und als Berater für Kommunikation seit Jahrzehnten immer wieder auch für ausgewählte Projekte von Unternehmen und Werbe- und PR-Agenturen tätig. Sein soziales Engagement gilt der Situation von Angehörigen vermisster Menschen, auf deren Situation der Publizist in Büchern, TV-Dokumentationen und Artikeln seit mehr 20 Jahren immer wieder aufmerksam macht.

(Peter Jamin)


 


 

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