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Die Jamin-Kolumne: Auf einen Cappuccino

Ein feiger Fahrradreifen-Schlitzer

Im Internet liest man ja häufiger Klagen von FahrradbesitzerInnen, weil ihnen wieder einmal jemand einen Reifen aufgeschlitzt hat. Unser Kolumnist Peter Jamin ist das jetzt drei Mal innerhalb eines Monats passiert, und er macht sich Gedanken darüber, was der Täter wohl für ein Mensch ist. Diesmal schreibt er die Wut-Kolumne eines Wut-Bürgers.

In den vergangenen vier Wochen hat mir ein Fahrradreifen-Schlitzer drei Mal die Reifen an meiner holländischen Gazelle zerstochen. Zugegeben, ich muss das Fahrrad ja nicht unbedingt nachts draußen vor der Tür stehen lassen. Aber meine Gazelle steht da schon seit rund 25 Jahren. Sie ist mir nicht nur zu schwer, um sie jeden Tag in den Keller und wieder herauszutragen. Sie ist mein Stadtteilrad, das ich schnell mal nutze, um Einkäufe zu erledigen oder mich mit Leuten zu treffen.

Nun habe ich also einen ganz besonderen Lebensbegleiter: einen Fahrradreifen-Schlitzer, der vermutlich schon hinter der nächsten Ecke lauert, um mir die frisch reparierten Reifen erneut aufzuschlitzen. Denn jedes Mal hat er innerhalb weniger Tage nach einer Reparatur wieder sein Messer oder ein ähnliches Tatwerkzeug angesetzt.

Ein armer Wicht mit Messer

Die Kosten für eine Reifenreparatur von etwas mehr als 50 Euro kann ich ja gut verkraften. Aber diese miesen Gewaltakte irritieren einen. Man fragt sich: Wer ist der Täter? Lebt er in der Nachbarschaft und grüßt tagsüber freundlich im Vorübergehen? Zuzutrauen ist manchen Zeitgenossen ja dieses hinterhältige Verhalten.

Gehört er zum Freundes- oder Bekanntenkreis? Sitzt er vielleicht gelegentlich in meine Stammcafé, dem "Schiff ahoi" in meinem Lieblingswohnstadtteil Düsseldorf-Oberkassel, einen Tisch weiter, beobachtet mich beim Zeitungslesen und freut sich diebisch, dass er mir wieder mal eine Fahrradfahrt versaut hat?

Täter giert nach Befriedigung

Sicher, ich weiß, dass der Fahrradreifen-Schlitzer ein armer Wicht ist. Wer hat schon seine Freude daran, einem anderen Menschen die Fahrradreifen zu zerstören?! Solch eine Tat entspringt einem kranken, sehr frustrierten Hirn.

Ich bin sicher, der Täter oder die Täterin ist ein ebenso asoziales wie einsames Wesen. Ein kleines, armes Arschloch, das nicht geliebt und vermutlich von allen Mitmenschen gemieden wird. Ein Subjekt, das so wenig Glück und Freiheit im Leben hat, dass es sich an einem Fahrradschlauch seine Befriedigung holt. Wenn es genug Kraft besäße, würde es vermutlich den geschändeten Fahrradschlauch zu einem Sommersalat verarbeiten und verspeisen. So bleibt es beim Reifenstechen aus Gier nach Befriedigung.

Das erinnert mich an ein Kindermärchen. Ich sehe einen buckligen Zwerg um ein Feuer herumtanzen. Er singt: "Ach wie gut, dass niemand weiss, dass ich Rumpelstilzchen heiß."

Bleiben Sie fröhlich. Bis nächsten Freitag. Auf einen Cappuccino...

                                             Ihr Peter Jamin

(Peter Jamin)


 


 

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