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  • 03.10.2014, 09:32 Uhr
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Die Jamin-Kolumne: Auf einen Cappuccino

Emil Steinberger erhält einen Preis – und Zippert zappt was durch sein Leben

In dieser Woche wurde der Friedestrompreis in Dormagen-Zons an den Kabarettisten Emil Steinberger verliehen. Unser Kolumnist war fast bis zum Schluss der Veranstaltung dabei und hat sich gut amüsiert.

Der eine, Hans Zipper, ist ein Satiriker und Journalist, der jeden Tag in der "Welt" die ziemlich schräge Kolumne "Zippert zappt" schreibt. Der andere, Emil Steinberger, ist ein bürgerlich-gutmütiger Kabarettist aus der Schweiz, von dem man hierzulande nicht mehr viel hört, seit die Komiker das Fernsehen erobert haben. Vielleicht, weil er "nicht mal richtig deutsch sprechen kann", wie er von sich behauptet.

Die beiden treffen sich also auf der Bühne des Kulturzentrums Friedestrom in Zons, wo Zippert die Laudatio halten und Steinberger den Preis erhalten wird.

Ein idyllisches Örtchen wie aus dem Bildbuch

Ein schöner Anlass, um wieder einmal in dem romantischen Örtchen am Rhein spazieren zu gehen. Enge Gassen, geduckte historische Gebäude, Häkelgardinen vor Küchenfenstern, verwinkelte, gemütliche Restaurants und Kneipen. 

Musikalisch wird die Preisverleihung vom "Joscho Stephan Trio" begleitet. Der Mönchengladbacher Jazz-Star begann bereits mit sechs Jahren seine Musikerkarriere. Damals lebte er mit seiner Familie in Mönchengladbach und lernte Gitarre spielen. Sein Lehrmeister war zunächst der eigene Vater, der mit anderen Roma-Musikern Rock- und Pop-Musik der 60er und 70er Jahre präsentierte.

Joscho Stephan war gerade mal zwanzig Jahre alt, als er sein erstes Album „Swinging Strings“ beim renommierten Label „Acoustic Music Records“ veröffentlichte. Das Fachmagazin „Jazzpodium“ nannte sein Gitarrenspiel „das eines erwachsenen Musikers, der über ein stupendes Spektrum an Gefühlen verfügt, die er meisterhaft umzusetzen versteht.“

Ich kann mich also auf einen rundum schönen Kulturabend freuen, als ich am Spätnachmittag auf der Terrasse der Schloßcafé-Lounge in Zons einen Flammkuchen Elsässer Art zu mir nehme. Die milde Abendluft stimmt mich fröhlich, der Cappuccino, der mir serviert wird, ist echt italienisch mit geschäumter Milch und macht dieser Kolumne alle Ehre.

Jamin lernt dazu: Charlie Chaplin war auch als Komponist erfolgreich

Das Musik-Trio eröffnet die Preisverleihung mit einer kleinen Überraschung. Es spielt das Stück "Smile", komponiert von Charlie Chaplin. Ich wusste nicht, dass der Stummfilmstar auch als Komponist geglänzt hat. Wieder mal was gelernt – wie schön!

Dann spricht der Herr Landrat des Rhein-Kreis Neuss, Hans-Jürgen Petrauschke, blickt zurück auf 28 Jahre Preisverleihungen. Hier sollte ich darauf hinweisen, dass der Friedestrompreis "besondere Verdienste um die deutschsprachige Dialektliteratur" würdigt und es in Zons das Internationale Mundartarchiv "Ludwig Soumagne" gibt, das dafür ein Vorschlagsrecht hat. Die modernen lyrischen Mundarttexte des Dramatikers Ludwig Soumagne aus Neuss-Norf setzten neue Akzente in der zeitgenössischen Literatur.

Sie merken sicherlich schon: Diese Kolumne wird zu einer Literaturnachhilfestunde. Ich werde mich jedoch bemühen, sie möglichst unterhaltsam zu gestalten. Der Herr Landrat also weist auch darauf hin, dass Emil Steinbergers Texte "Fernsehgeschichte geschrieben haben", seine Figuren seien "erdverbunden" und trotzdem "künstlerisch überhöht". Vermutlich haben wir wegen dieses Spannungsfeldes so viel Spaß an Steinbergers Auftritten gehabt.

Zippert zappt sich durch Vita und Charakter des Preisträgers

Doch bevor der inzwischen 81-Jährige seine Preisträger-Rede hält und seine Urkunde erhält, steht Hans Zippert am Pult. Er verspricht dem Publikum sogleich, nicht seine fünfstündige Power-Point-Präsentation vorzuführen, sondern nur eine zweistündige Kurzfassung zu verlesen – daraus werden glücklicherweise entspannte 15 Minuten.

Was Zippert in seiner Kolumne in der "Welt" sagt oder schreibt, kann man nicht ernst nehmen – es ist nur zum Lachen. So schreibt er in seiner Kolumne am Morgen nach der Friedestrompreis-Verleihung beispielsweise, dass Deutschland angesichts der Bundeswehr-Pannen "im Moment von einer entschlossenen Scharia-Polizeieinheit im Handstreich genommen werden könnte. Deshalb muss gehandelt werden. In Deutschland besitzen 1,5 Millionen Menschen 5,5 Millionen funktionstüchtige und registrierte Waffen. Bis man daraus eine schlagkräftige Truppe geformt hat, sollte Ursula von der Leyen die Schutzangebote von Bandidos und Hells Angels akzeptieren."

Zippert fabuliert also auch in Zons munter drauflos und spricht von 497 Auszeichnungen, die Emil Steinberger bereits schon eingeheimst hat – der Friedestrompreis schließe nun die letzte Lücke im Pokal-Zimmer des Geehrten, dessen Schweizer Mundart eine Form der Glasbläserei sei. Der Dialekt "hört sich an wie ein Geräusch, das durch eine Fehlbildung im Rachenraum entsteht."

Zippert, 57 Jahre alt, doch noch immer für jeden Spaß zu haben, blödelt auf Teufel komm raus – und das ist schon sehr komisch. Angeblich könne Steinberger sogar seinen Charakter verändern, indem er sich die Haare rauft.


 


 

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