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Die Jamin-Kolumne: Auf einen Cappuccino

Erdogans Sodomie – Jetzt wird Jan Böhmermann gefickt

Der ZDF-Satiriker Jan Böhmermann kann schon mal für das Strafverfahren gegen ihn sparen. Die Nation will schließlich wissen, ob sein sogenanntes Schmähgedicht über den türkischen Staatspräsidenten Erdogan eine Beleidigung ist - oder Kunst. Unser Kolumnist möchte das statt durch Literaturexperten lieber von Juristen beurteilt sehen.

Eigentlich wollte ich ja in dieser Woche über meine erfolgreiche Saftkur schreiben – aber es gibt Saftigeres: Erst fickte Jan Böhmermann in seiner Fernsehsendung „Neo Magazin Royale“ den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan und jetzt wird er selber gefickt.

In der ZDF-Satire-Sendung veröffentlichte der zu verschwurbelten Übertreibungen neigende Humorist eine so genannte Schmähkritik gegen Erdogan und beleidigte ihn mit Vorwürfen der Sodomie und anderer Unappetitlichkeiten.

Um diesen unhaltbaren Vorwürfen ein wenig den Biss zu nehmen, schmierte der Satiriker seinen Ekeltext mit einem Hinweis ein, dass man so etwas ja eigentlich gar nicht sagen dürfe.

Beleidigung bleibt Beleidigung

Und genau damit hat er Recht. Denn eine Schmähkritik ist eine Beleidigung, die entweder nach Paragraph 185 Strafgesetzbuch als normale Beleidigung gegen Bürger Mustermann oder nach Paragraph 103 Strafgesetzbuch bei Beleidigung eines ausländischen Staatsorgans vor Gericht be- und verurteilt wird.

Eigentlich müsste man heute das „ausländische Staatsorgan“ durch „jeden Menschen auf der Welt“ ersetzen. Oder finden Sie etwa, dass man einen Menschen anderer Nationalität beleidigen darf?

Böhmermann, der seit Beginn der öffentlichen Debatte um seinen Fernsehfehltritt zum Feigling mutierte und aus dem Spotlight des TV-Studios vermutlich in einer Bodensenke inmitten einer Ziegenherde geflüchtet ist, muss nun mit einem Strafverfahren rechnen. Ich finde: zu Recht.

Viele protestieren und lamentieren ja jetzt für die Freiheit von Kunst und Satire, aber es muss erst einmal geklärt werden, ob Böhmermanns Ekelverse überhaupt Satire sind.

Ich denke, dass sie es nicht sind, weil sich der Inhalt der vorgeblichen Satire nicht auf ein Ereignis oder die Lebenssituation einen Menschen des öffentlichen Lebens bezieht, sondern eine reine Unterstellung ohne Wahrheitsbasis ist. Böhmermann hat den türkischen Staatsbürger Erdogan beleidigt. Nicht einmal den Staatsmann Erdogan, denn in der Schmähkritik geht es nicht um Staatsmännisches, sondern um rein Persönliches fern jeder politischen Aussage.

Wir müssen in diesen Tagen auch keine öffentliche Diskussion darüber führen, ob es Meinungsfreiheit oder die Freiheit der Kunst in Deutschland gibt. Beides ist in Deutschland gesichert und ich sehe in dieser Grundsatzfrage auch nirgendwo düstere Wolken am Himmel. Selbst ein Gerichtsverfahren ist keine Bedrohung, sondern ein höchst demokratisches Verfahren.

Ich kann mich somit nicht der Einschätzung des Spiegel-Berlin-Chefs René Pfister anschließen, der in dieser Woche im Spiegel-online-Newsletter schreibt: „Man kann Böhmermann nur wünschen, dass es zu keinem Gerichtsprozess kommt. Ein Böhmermann, der sich nervös und gänzlich ironiefrei vor Männern in schwarzen Roben rechtfertigen muss, ist eine eher triste Vorstellung.“

Warum eigentlich? Steht ein Satiriker außerhalb jeder Rechtsnorm? Ist Böhmermann ein Marsmännchen?

Im Grunde geht es ja nur um die Beurteilung, ob das Schmähgedicht eine Beleidigung ist - oder ob es aufgrund der Anmoderation Böhmermanns das genau nicht ist. Dafür gibt es Gerichte, das zu klären.

Böhmermann selbst stellte ja in seiner Sendung indirekt die Frage danach, wie weit Satire gehen darf?! Man sollte ihm nun den Gefallen tun und das überprüfen.

Dazu gibt es drei Wege: den literaturwissenschaftlichen, den journalistischen und den juristischen.

Die Mediendebatte bleibt ergebnislos

Die Diskussion über die Medien erleben wir gerade – eine Debatte ohne Ergebnis. Die beiden anderen Möglichkeiten stehen noch aus: Ich bin für ein Gerichtsverfahren mit Rechtsanwalt, Staatsanwalt und Richter, weil mir bei der Beurteilung von Texten durch Literaturwissenschaftler und -kritiker zu viel geschwafelt wird und zu viel persönliche Befindlichkeiten untergemixt werden.

Welcher Weg eingeschlagen werden soll, spaltet im Moment nicht nur die Intellektuellen der Nation. Auch meine Freunde in meinem Düsseldorfer Stammcafé „Schiff ahoi“ sind nicht einer Meinung und auch unter den Facebook-Freunden gibt es geteilte Lager.

Vielleicht schließt sich ja der Richter in einem Verfahren „Die Bundesrepublik gegen Jan Böhmermann“ der Meinung meines Facebook-Followers Jens Voss an. Der schreibt: „Bleibt die Frage, ob die Strafwürdigkeit einer Handlung entfällt, wenn man vorher sagt, dass das, was man gleich tun wird, verboten ist - und es dann tut. Beim Einwerfen eines Fensters würde das niemandem einleuchten, bei Beleidigung offenbar schon.“

Bleiben Sie fröhlich. Bis nächsten Freitag. Auf einen Cappuccino...
                                  Ihr Peter Jamin

Unser Autor arbeitet als Schriftsteller und Publizist sowie als Berater für Kommunikation seit Jahrzehnten immer wieder auch für ausgewählte Projekte. Sein soziales Engagement gilt der Situation von Angehörigen vermisster Menschen, auf deren Situation er in Büchern, TV-Dokumentationen und Artikeln seit mehr 20 Jahren aufmerksam macht. Mehr unter www.jamin.de

(Peter Jamin)


 


 

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