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Die Jamin-Kolumne: Auf einen Cappuccino

Flüchtlinge im Film – Ministerin Löhrmanns Geburtstag im Landtag

NRWs stellvertretende Ministerpräsidentin und Schulministerin Sylvia Löhrmann „feierte“ in dieser Woche ihren Geburtstag im neuen Kino des Düsseldorfer Landtags –bei der Aufführung einer Flüchtlings-Dokumentation von Regisseur Adnan G. Köse.

An ihren Taten, weniger an ihren Worten sollten wir Politiker messen. Wenn wir danach gehen, hat Sylvia Löhrmann in dieser Woche Punkte gemacht.

Denn sie verbrachte ihren Geburtstagsabend bei der Aufführung der Filmdokumentation „Last Refuge - Letzte Zuflucht“ und hielt eine ergreifende Rede: „Ich freue mich jeden Morgen über die Berichte in den Lokalzeitungen, weil darin beschrieben wird, wie aktiv unsere Bevölkerung bei der Unterstützung der Flüchtlinge ist (...) An dieser Willkommenskultur, an dieser zivilisatorischen Errungenschaft müssen wir jeden Tag arbeiten, dass sie trägt und weitergeht.“

Ich war von meinem Koautor, dem Filmproduzenten und Regisseur Adnan Köse, mit dem ich gerade an einem Drehbuch zum Kinofilm „Die letzte Reise“ schreibe, eingeladen, an der Filmvorführung teilzunehmen.

Bei seiner Begrüßung des Filmpublikums erzählte er, warum er den Film gemacht hat. Nicht nur, weil ihn das Schicksal der Betroffenen bewegt: Sein Vater, ein Türke, der als so genannter Gastarbeiter 40 Jahre in Deutschland gelebt hatte, packte im Rentenalter einen kleinen Koffer und reiste heim in sein Geburtsland. Ein Hinweis wie wichtig doch Heimat für die Menschen ist und dass schon sehr viel dazu gehört – etwa bittere Armut oder brutalster Krieg – wenn etwa Syrer ihr Vaterland verlassen.

Initiiert hatte die Präsentation des Films einer der Vizepräsidenten des NRW-Landtags, der Grünen-Landtagsabgeordnete Oliver Keymis. Auch er ein Mann der Tat und ein sehr an der Kultur interessierter Mann, erinnere ich mich doch noch gut an einen Anruf von ihm und das gute Gespräch, nachdem ich vor Jahren ein Buch über die skandalumwitterte Verleihung des Düsseldorfer Heine-Preises an den Dichter Peter Handke veröffentlicht hatte.

Vor ihm hat mich noch nie ein Politiker wegen einer Buchveröffentlichung angerufen, obwohl beispielsweise allein meine drei Bücher über das Schicksal der Angehörigen vermisster Menschen viel Stoff für Unterhaltungen mit Innen- und Sozialpolitikern hergeben würden.

Doch zurück in den Düsseldorfer Landtag, wo es ein neues Besucherzentrum mit 240 Grad-Panorama-Leinwand gibt, das – so Keymis - mit Adnan Köses Werk seine „Film.Premiere“ erlebte.

Im gut besuchten Landtagskino sahen wir einen Film u.a. über das Flüchtlingsübergangsheim „An der Fliehburg“ in Dinslaken – eine Betrachtung der Aufgaben und Schwierigkeiten bei der Flüchtlingshilfe und eine Darstellung beeindruckender Einzelschicksale. Vor allem das beeindruckte Ministerin Löhrmann: „Es ist wichtig, nicht nur die Gruppe zu sehen, sondern vor allem immer wieder auf den einzelnen Menschen zu schauen. Wir müssen die Menschen zeigen, die sich hinter der Menge verbergen.“

So kommt in „Letzte Zuflucht“ die Moderatorin Khadra Sufi zu Wort, die 1990 mit ihrer Familie aus Somalia floh – ein Psychogramm eines Lebens voller Angst. Köse schildert auch das Schicksal eines syrischen Bauern, der mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen vor dem Krieg in seiner Heimat geflüchtet und in Dinslaken gestrandet ist. Ein unglücklicher Mann, der die Flucht wegen der Zukunft seiner Kinder auf sich genommen hat. Er und seine Frau sehnen sich zurück nach ihrer Arbeit auf den eigenen Feldern in Syrien und nach den Großeltern, die selbst im Kriegsgebiet geblieben sind, aber ihren Sohn zur Flucht um der Kinder willen gedrängt haben.

Nach zwei Jahren hat der Film an Aktualität nicht verloren

Obwohl der Film schon 2014 gedreht wurde, hat er an Aktualität nichts eingebüßt und zeigte einmal mehr wie wichtig das Engagement von Politikern und Ehrenamtlern im Verbund zur Unterstützung der Asylanten in Deutschland ist.

„Letzte Zuflucht“ überzeugte bereits im vergangenen Jahr als einer der offiziellen Dokumentarfilm-Beiträge auf den Filmfestspielen in Hof und in dieser Woche auch das Publikum im Landtag, unter dem sich auch einige „mitwirkende“ Helfer aus Dinslaken und Filmschaffende befanden.

Adnan G. Köse hat einen ergreifenden Film gemacht und die richtigen Worte für seine Präsentation gefunden: „Letzte Zuflucht’ soll einen Blick in die Seelen der Flüchtlinge werfen, in der Hoffnung, dass noch viele Brücken zwischen ihnen und den Einheimischen geschlagen werden, um beide Seiten näher zusammenzubringen.“

Bleiben Sie fröhlich. Bis nächsten Freitag. Auf einen Cappuccino...
                          Ihr Peter Jamin

Unser Autor arbeitet als Schriftsteller und Publizist sowie als Berater für Kommunikation seit Jahrzehnten immer wieder auch für ausgewählte Projekte. Sein soziales Engagement gilt der Situation von Angehörigen vermisster Menschen, auf deren Situation er in Büchern, TV-Dokumentationen und Artikeln seit mehr 20 Jahren aufmerksam macht. Mehr unter www.jamin.de

(Peter Jamin)


 


 

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