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Die Jamin-Kolumne: Auf einen Cappuccino

Fremdenfeindlichkeit auf den Straßen – und was findet in den Unternehmen statt?

Die Parolen von Pegida bereiten den Nährboden für Fremdenhass – auch in den Betrieben und Unternehmen unserer Wirtschaft. Schon vor 15 Jahren schrieb unser Kolumnist für die NRW-Wirtschaft einen Leitfaden für eine Welt ohne Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus.

Die Parolen von Pegida hören wir in diesen Tagen nicht nur auf der Straße, sondern auch an unseren Arbeitsplätzen. Wenn es nur um allgemeine Sorgen wie um den Bestand des Euro, um die Sicherheit der Rente oder die angeblichen Gefahren durch den gesetzlichen Mindestlohn geht, sollte uns das nicht aufregen.

Wenn aber rechtsextremes Gedankengut diese Gespräche in der Mittagspause vergiftet, sollten sich Mitarbeiter, Betriebsräte und Geschäftsleitungen in den Unternehmen darüber nicht nur Gedanken machen, sondern auch handeln und dagegen Maßnahmen ergreifen. 

Denn Rechtsextreme und Rassisten arbeiten in so manchen Betrieben.

Diese Überlegung erinnert mich an eine Initiative, die 2001 der damalige SPD-NRW-Wirtschaftsminister Ernst Schwanhold, und der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, ins Leben riefen: eine Initiative für Toleranz und Weltoffenheit und gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus.

Damals waren Wirtschaft und Politik besorgt um den Ruf Deutschlands in der Welt – vorausgegangen waren Anschläge auf Synagogen, jüdische Friedhöfe und Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Ich schrieb – nach einer Reihe von Workshops mit Unternehmensvertretern u.a. von RWE, Sony, RTL und Siemens – einen Leitfaden von und für die NRW-Wirtschaft mit "Standpunkten, Anregungen und Ideen der NRW-Wirtschaft für eine Welt ohne Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus".

Heute gibt es wieder einen Grund besorgt zu sein, denn die Demonstrationen gegen einer angebliche "Islamisierung des Abendlandes" bieten fremdenfeindlichen Parolen den idealen Nährboden – und schaden dem Ruf Deutschlands in der Welt.

Sicherlich laufen auf diesen Kundgebungen viele Ahnungslose mit, die einfach einmal ihrem Ärger statt am Stammtisch in aller Öffentlichkeit Luft machen möchten. 

Doch jeder, der mit Rechtsextremen – aus welchen Gründen auch immer - gemeinsam marschiert, stärkt die Rassisten.

Und damit wären wir auch wieder bei den Unternehmen. Damals, Anfang des 21. Jahrhunderts, sprachen in Workshops des Wirtschaftsministeriums die Vertreter von NRW-Unternehmen klare Worte: "Wichtig ist das Engagement und die Zivilcourage des Unternehmens" oder "Das Deutschlandbild im Ausland ist schon stark geprägt von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus".

Rund 15 Jahre danach ist es an der Zeit, darüber nachzudenken, ob Wirtschaft und Politik gemeinsam nicht wieder einmal Zeichen setzen sollten gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. 

Dabei geht es nicht darum, auf aktuelle Entwicklungen wie in Dresden, Köln, Düsseldorf oder Bonn einzugehen, sondern darzustellen, dass es unabhängig von ein paar Tausend fremdenfeindlich eingestellten Menschen immerhin rund 80 Millionen Deutsche gibt, auf die Ausländer auch in Zukunft bauen können.

Bis nächsten Freitag. Auf einen Cappuccino...
                                                   Ihr Peter Jamin

Unser Autor ist Schriftsteller, Journalist und als Berater für Kommunikation seit Jahrzehnten immer wieder auch für ausgewählte Projekte von Unternehmen und Werbe- und PR-Agenturen tätig. Sein soziales Engagement gilt der Situation von Angehörigen vermisster Menschen, auf deren Situation der Publizist in Büchern, TV-Dokumentationen und Artikeln seit mehr 20 Jahren immer wieder aufmerksam macht.

(Peter Jamin)


 


 

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