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Die Jamin-Kolumne: Auf einen Cappuccino

Friedensmarsch nach Aleppo – Wer fliegt am Freitag mit mir nach Prag?

Seit Weihnachten befinden sich einige hundert Menschen auf einem Friedensmarsch von Berlin zum Kriegsgebiet Aleppo in Syrien. Unser Kolumnist hat sich spontan entschlossen den „Civil March for Aleppo“ für einige Tage in der Tschechischen Republik zu begleiten und hofft auf Unterstützung durch Freunde und Bekannte, Alt-68er und den Hunderttausenden von Ostermarschierern vergangener Zeiten. Wer fliegt mit?

Am kommenden Freitag, dem 13., fliege ich nach Prag, um mich am Friedensmarsch „Civil March for Aleppo“ zu beteiligen. Ich betrachte das Datum als gutes Omen, schlechte gibt es in diesem Fall ja genug. Zum Beispiel Beschwörungsformeln wie: Es wird nie Frieden in Syrien geben, das Morden wird nie aufhören...

Wie oft haben wir uns schon gesagt: Man müsste doch etwas dagegen machen?! Gegen Kriege, gegen Armut, gegen Unterdrückung...

Meist bleiben wir ja mit diesen Gedanken auf unserer Wohnzimmer-Couch sitzen und starren entsetzt auf Bilder von Tagesschau, ZDF-Heute oder RTL-Aktuell.

Doch da gibt es nun eine Frau, ihren Ehemann und ihre zwei Kinder in Berlin, die nicht sitzen geblieben sind und zum „Civil March for Aleppo“ aufrufen.

Anna Alboth, Journalistin und Autorin des Reise-Blogs „The Family Without Borders“, ist die Initiatorin der Aktion. Mittlerweile gehören dutzende Menschen aus verschiedensten Ländern dem Organisationsteam an und einige hundert Menschen sind seit Weihnachten unterwegs auf einem mehr als 3500 Kilometer langen Fußweg. (Mehr Infos gibt es hier)

Ich saß auf meiner Wohnzimmer-Couch und dachte: Gute Aktion! Da sollte man mitmachen.

Am Sonntagmorgen habe ich dann spontan meinen Hin- und Rückflug nach Prag gebucht. Vom Freitag, dem 13. Januar 2017, bis Montag, den 16. Januar 2017. Mehr Zeit habe ich leider kurzfristig nicht. Aber ich denke, es ist ein gutes Zeichen der Unterstützung, jetzt in die Tschechische Republik zu fliegen und vier Tage lang an dieser besonderen Wanderung für den Frieden teilzunehmen. Besser ein paar Tage dabei als gar nicht.

Wer kommt mit? Welche Freunde und Bekannte und Leserinnen und Lesern dieser Kolumne haben Zeit und sind gern aktiv für den Frieden?

Die Flugkosten machen hin und zurück rund 100 Euro aus, die Übernachtungssuche ergibt sich spontan. Irgendetwas wird sich finden.

Wo sind meine Tausenden von Schriftsteller-Kolleginnen und ¬Kollegen, die gerne mal von Frieden reden? Wo sind die Verdi-Gewerkschafter von der Deutschen Journalisten Union und vom Schriftsteller-Verband, die sich gern aufgeklärt und engagiert geben? Schon öfter habe ich mich gefragt: Warum schweigen Deutschlands Schriftsteller, wenn es um den Frieden geht?

Wo sind die Hunderttausenden von OstermarschiererInnen für den Frieden der vergangenen Jahrzehnte. Wartet nicht bis Ostern, rafft euch auf. Kommt mit!

Engagement ist keine Frage des Alters

Leuchttürme für den Frieden zu bauen, muss man nicht allein den Jungen überlassen. Auf den Fotos der Marschierer, die schon unterwegs sind, habe ich gesehen, dass es vor allem junge Menschen sind, die mitmachen.

Wo sind die Alt-68er geblieben? Die alt gewordenen Grünen und SPDler, die einst Willy Brandt für seine Ideen vom Frieden anhimmelten? Brandt 1981: „Der Frieden ist nicht alles, aber ohne den Frieden ist alles nichts.“

Wenn ein Donald Trump mit 70 Jahren noch US-Präsident werden kann, können wir ja wohl in jüngeren Jahren noch Friedensmarschierer werden.

Werft eure (seelischen) Krücken und Bedenken weg und macht euch auf den Weg.

Was das bringt, werden Sie jetzt fragen. Das Team von „Civil March for Aleppo“ sagt dazu: „Wir wollen dieses Gefühl der Hilflosigkeit in Aktion verwandeln. Wir wollen die Aufmerksamkeit der Welt darauf lenken, dass dort Zivilisten sterben. Wir planen nicht in die Politik einzusteigen – aber wir wollen ein Ende der Bombardierung von Zivilisten in Syrien und Korridore für Hilfstransporte, so dass den Menschen geholfen werden kann.“

Wer gegen das Töten von unschuldigen Menschen ist, solle mitmarschieren: „Gehe mit uns, wenn Du an die Macht der Bevölkerung und an die der Märsche glaubst. Du erinnerst Dich an Gandhi, an Martin Luther King, an die 89er Montagsdemonstrationen?“
Ich erinnere mich und ich meine, jede Aktivität des Widerstandes gegen Krieg und Morden ist besser als ein Leben als Couch-Potato mit Facebook in der Hand und „Deutschland sucht den Superstar“ in der Glotze.

Wir alle, die wir 71 Jahre ohne Krieg leben, sollten ein wenig für den Frieden tun.

Lassen wir uns vom Schwung der jungen Friedensmarschierer aus Berlin mitreißen. Schreiben wir uns doch nicht länger die Finger auf Facebook wund, sondern laufen wir uns ein paar Blasen auf den Straßen von Veltrusy nach Roztoky u Prahy und weiter nach Prag.

Hunderttausende Flüchtlinge haben es von Syrien nach Deutschland geschafft. Da werden wir doch ein paar Kilometer durch die Tschechische Republik laufen können, oder!?

Also - wer kommt mit?

Bleiben Sie fröhlich. Bis nächsten Freitag. Auf einen Cappuccino...
                                       Ihr Peter Jamin

Unser Autor arbeitet als Schriftsteller und Publizist sowie als Berater für Kommunikation seit Jahrzehnten immer wieder auch für ausgewählte Projekte. Sein soziales Engagement gilt der Situation von Angehörigen vermisster Menschen, auf deren Situation er in Büchern, TV-Dokumentationen und Artikeln seit mehr 20 Jahren aufmerksam macht. Mehr unter www.jamin.de

(Peter Jamin)


 


 

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