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Die Jamin-Kolumne: Auf einen Cappuccino

Gebucht auf Germanwings – wie ein kastrierter Hahn mit lahmen Flügeln

Mehr Service hätte sich unser Kolumnist von der Fluggesellschaft Germanwings gewünscht, als in dieser Woche erst sein Flug von Düsseldorf nach Dresden abgesagt wurde und die Ersatzmaschine ein paar Stunden später nicht abheben konnte, weil keine Crew da war. Fast wäre eine Livesendung des MDR deswegen geplatzt.

Manchmal geht erst alles schief – und ganz zum Schluss, praktisch in letzter Minute, wendet sich alles zum Guten. Solche Szenarien kennen wir aus vielen Filmen.

Gerade erst habe ich beispielsweise auf Spiegel-TV die Serie "Paradox" gesehen. In diesem Fantasy-Krimi kann eine Kommissarin dank eines aus dem Nirgendwo gesendetes Bilder-Puzzle ein wenig in die Zukunft sehen und in Folge 2 in letzter Minute einen Jungen vor dem angekündigten Ertrinken und ihren Kollegen vor dem angekündigten Tod durch Stromschlag retten.

Die Zukunft hätte auch ich gerne in dieser Woche manipuliert. Am Montagabend um 22.05 Uhr war ich in die Live-Diskussionssendung "Fakt ist..." des MDR in Dresden als Gesprächspartner eingeladen. Das Thema war mir bekanntlich sehr wichtig: Die Situation der Angehörigen vermisster Menschen.
Für 15.45 Uhr hatte mir der Sender einen Flug mit Germanwings von Düsseldorf nach Dresden reserviert, doch als ich am Flughafen eintraf war der Flug annulliert und ich auf eine Maschine um 19.10 Uhr umgebucht.

Ich verbrachte also den Nachmittag in Restaurants, Toiletten, Sitzgruppen und Edelshops des Düsseldorfer Airport, was bekanntlich höchstens die Laune der RTL II-Geissens hebt, weil sie vom Sender für jede Minute Warterei und Laberei fürstlich bezahlt werden. 

Eine halbe Stunde vor Abflug stand ich dann im prallgefüllten Warteraum vor dem Schalter der Fluggesellschaft, als man uns mitteilte, dass sich unser Flug verspäten würde, weil die Crew noch nicht da sei.

Noch drei Stunden Zeit... das beruhigt doch

Das beunruhigte mich noch nicht, waren es doch bis zur Livesendung noch mehr als drei Stunden. Und ich hatte ja Verständnis dafür, dass Germanwings nicht ohne Piloten und Stewardessen fliegen wollte.

Doch meine gefühlten Alarmglocken klingelten laut, als uns die Mitarbeiterin von Germanwings eine Viertelstunde später mitteilte, dass die Crew aus Berlin eingeflogen würde und man darum noch nicht wisse, wann sie einträfe. 

Wer so mit seinen Kunden umspringt, beeindruckt nicht wie ein stolzer Adler der Lüfte, sondern flattert herum wie ein kastrierter Hahn mit lahmen Flügeln.

Ich bat die Mitarbeiterin von Germanwings für mich in ihrem Computer nachzusehen, ob eine andere Fluggesellschaft noch in den nächsten zwei Stunden von Düsseldorf nach Dresden fliegen würde. Doch auf Service ist diese Fluggesellschaft in einer solchen Situation nicht eingestellt.

Und ein weiteres Erlebnis in der Servicewüste...

Die Mitarbeiterin weigerte sich ihren Computer zu benutzen oder auch nur eine Kollegin, die es wissen könnte, anzurufen: "Gehen Sie zum Ticketschalter der Lufthansa in der Abflughalle."

Ich informierte also die Redaktion von "Fakt ist..." und rannte dann durch die Ladenpassage der Abflugebene A Richtung Ausgang, die Treppe hinunter und durch die Gepäckabfertigung an den Gepäckbändern vorbei, durch die Zollkontrolle, durch die Ankunftshalle und die Treppe hoch zur Abflughalle und durch die Abflughalle zum Ticketschalter der Lufthansa. Allein dafür sollte ich Schmerzensgeld von Germanwings verlangen. 

Immerhin schaffte es dann eine Lufthansa-Mitarbeiterin, mich auf eine Maschine der AirBerlin um 20.30 Uhr nach Dresden einzubuchen – und ich begann erneut einen Check-in bei der AirBerlin und eine Gepäck- und Personenkontrolle bei der Flughafen-Sicherheit und schaffte es im Eiltempo rechtzeitig in die Maschine.

Doch der Abflug verzögerte sich und mein Adrenalinspiegel, ohnehin im oberen Level, stieg weiter an. Um 21.40 Uhr landete die Maschine in Dresden Airport. Um 21.50 rannte ich durch die Ankunftshalle dem Taxistand entgegen. Um 21.53 Uhr drückte ein sympathischer Taxifahrer mit Schwung aufs Gaspedal seines Fahrzeugs. Um 22.03 Uhr begrüßte mich eine Mitarbeiterin am Portal des MDR und bedeckte mein schweißüberströmtes, gerötetes Gesicht mit Puder. Um 22.06 führte sie mich – der Vorspann der Sendung lief gerade über den Bildschirm – zur Talkrunde. Und die Diskussion begann.

Falls Sie wissen möchten, was dann geschah, sollte Sie sich den Film in der Mediathek des MDR ansehen. Bitte hier klicken.

Bis nächsten Freitag. Auf einen Cappuccino...
                                                Ihr Peter Jamin

Unser Autor ist Schriftsteller, Journalist und als Berater für Kommunikation seit Jahrzehnten immer wieder auch für ausgewählte Projekte von Unternehmen und Werbe- und PR-Agenturen tätig. Sein soziales Engagement gilt der Situation von Angehörigen vermisster Menschen, auf deren Situation der Publizist in Büchern, TV-Dokumentationen und Artikeln seit mehr 20 Jahren immer wieder aufmerksam macht.

(Peter Jamin)


 


 

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