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Die Jamin-Kolumne: Auf einen Cappuccino

Gut, dass jeder eine Bank hat – warum die Menschen Bänke lieben

Treffpunkt für philosophische Gespräche, Plaudereien und Herzschnitzerei

Bänke sind eine Herzensangelegenheit. Bänke am Rhein sind Treffpunkte. Ein Freund verabredet sich an einer Bank in Oberkassel mit einem Bekannten regelmäßig zu philosophischen Gesprächen. Eine Bekannte trifft auf einer Bank bei schönem Wetter Freunde, mit denen sie gerne länger als auf einem Cappuccino in einem Bistro plaudern möchte. Eine Mutter auf einer Bank schaut ihrem Kind im Sandkasten zu – der ist auch eine Art Burg, für das Kind.
Eine Bank in Oberkassel auf dem Rheindeich gehört mir und einer Freundin aus Dresden. Wir haben vor Jahren nicht wie andere junge Liebespaare die Initialen unserer Vornamen in die Rückwand der Bank geschnitzt und mit einem Herz verziert – wir haben uns einfach immer wieder dorthin gesetzt. Wann immer wir uns – selten – sehen, führt uns einer unserer ersten Wege zu unserer Bank. Er ist für uns Ort der Erinnerungen, Rückblicke auf bewegte, schöne Zeiten.

Gelegentlich gehe ich auch an dieser Bank vorbei und ärgere mich, wenn Fremde darauf sitzen. Ich mag diese Bank menschenleer und fotografiere sie gerne und schicke dann das Foto mit einer SMS gen Osten.

Manchmal setze ich mich auf "unsere Bank", atme tief ein und gehe meinen Gedanken nach. Lasse die vergangenen Tage Revue passieren, denke über Erlebtes nach. 

Darüber beispielsweise: In der vergangenen Woche war ich im Schauspielhaus und habe mir dort im großen Haus Shakespeares "Sommernachtstraum" angesehen. Ein großes Verwirrspiel um die Liebe , modern interpretiert als rasantes Happening in der New Yorker "Factory" eines Andy Warhol. Diese Inszenierung muss man gesehen haben.

Und dann war ich in dem Kinofilm "Gone Girl" – dieser ebenfalls ein Verwirrspiel um Liebe – und Tod. Eine Frau verschwindet auf mysteriöse Art, mutmaßlich ermordet. Doch nach und nach kippen die vermeintlich gradlinige Story und die klaren Bilder, die wir uns von den handelnden Personen machen. 

"Sommernachtstraum" und "Gone Girl", - da wird Leben und Liebe und Sterben auf den Kopf gestellt, da braucht der Betrachter eine sichere, eine ruhige Bank um seinen Weg durch Handlung, Empfindungen und Verirrungen zu finden.

Keine Bank mault, wenn du auf ihr sitzt und sie ignorierst und in Gedanken versinkst. Oder danach auch noch ein kleines Nickerchen machst.

Bis nächsten Freitag. Auf einen Cappuccino...
                                                             Ihr Peter Jamin

Unser Autor ist Schriftsteller, Journalist und als Berater für Kommunikation seit Jahrzehnten immer wieder auch für ausgewählte Projekte von Unternehmen und Werbe- und PR-Agenturen tätig. Sein soziales Engagement gilt der Situation von Angehörigen vermisster Menschen, auf deren Situation der Publizist in Büchern, TV-Dokumentationen und Artikeln seit mehr 20 Jahren immer wieder aufmerksam macht.

(Peter Jamin)


 


 

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