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Die Jamin-Kolumne: Auf einen Cappuccino

Handeln im Basar - Orient-Prüfung beim Teppichkauf

Letzter Preis. Allerletzter Preis. Allerallerletzter Preis. Wirklich Allerallerletzter Preis!

Dann reichte er mir das Gerät. Ich tippte 2500. Er tippte 6200. Ich tippe 3000. Er tippe 5500.

„Dein letzter Preis“, fragte er, „wie viel?“

Ich tippte 3500. Er schüttelte den Kopf und tippte 5000.

Ich hatte ja schon öfter von den schwierigen Verhandlungen mit orientalischen Teppichhändlern gelesen und es immer vermieden, mich auf so ein Geschäft einzulassen. Jetzt befand ich mich mitten im Gefecht und lief Gefahr zu verlieren. Meine Grenze, maximal ein Drittel des vorgeschlagenen Preises zu bezahlen, hatte ich bereits überschritten. Darüber hinaus bot ich gerade für zwei Teppiche statt für einen.

„Dein letzter, letzter Preis“, fragte Ali. „Dein letzter Preis? Wieviel?“

4000 tippte ich und bestätige ihm dann: „Mein letzter, letzter Preis.“

Ich machte eine Bewegung meinen Rucksack von der Bank zu nehmen. Ich spürte, dass ich nun an einer Zahlgrenze angelangt war.

4500 tippen Ali: „Okay? Okay?“

Jetzt geht es ans Eingemachte, dachte ich. Das letzte Gefecht.

„Last Preis?“

Ich tippte 4200 in den Großtaschenrechner in Alis Hand.

Ali zögerte. Sein Gesichtsausdruck entsprach nun dem eines Bedenkenträgers ähnlich wie wir ihn aus vielen TV-Nachrichten von Politikern kennen, die dem Volk eine schwerwiegende Entscheidung bekanntgeben müssen.

Zwei zufriedene Menschen verabschieden sich...

Dann reichte mir Ali seine Hand. Handschlag. Geschäft gemacht. Zwei Kelims für 4200 Dirham, also für umgerechnet – wie ich später feststellte - exakt 383,14 Euro nach aktuellem Tageskurs.

Ich war zufrieden, zumal das Geschäft im Basar für mich einen großen Vorteil hatte: Ich besaß nun zwei Kelims ganz genau nach meinem Geschmack, und ich hatte darüber hinaus meine Meisterprüfung beim orientalischen Handel bestanden.

Um eine wichtige Erfahrung reicher, lehnte ich das Angebot, einen weiteren Teppich von 3x4 Metern in ähnlicher Picasso-Machart zu kaufen, ab, versprach aber, im nächsten Jahr wieder zu kommen.

Nun wusste ich ja, dass man den großen Taschenrechner von Ali noch zurückhaltender bedienen sollte, als ich es gemacht hatte.

Bleiben Sie fröhlich. Bis nächsten Freitag. Auf einen Cappuccino...
                                        Ihr Peter Jamin

Unser Autor arbeitet als Schriftsteller und Publizist sowie als Berater für Kommunikation seit Jahrzehnten immer wieder auch für ausgewählte Projekte. Sein soziales Engagement gilt der Situation von Angehörigen vermisster Menschen, auf deren Situation er in Büchern, TV-Dokumentationen und Artikeln seit mehr 20 Jahren aufmerksam macht. Mehr unter www.jamin.de

(Peter Jamin)


 


 

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