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Die Jamin-Kolumne: Auf einen Cappuccino

Hass gegen alles – Wenn Fussballfans und Facebook-Freunde ausrasten

Ob im realen oder virtuellen Leben: Überall schlägt uns vermehrt Hass von Mitmenschen entgegen. Unser Kolumnist erlebte das gerade erst bei einem EM-Spiel in Bordeaux – und macht sich Gedanken darüber.

In der vergangenen Woche besuchte ich in Bordeaux das Fußballspiel Deutschland gegen Italien der Europameisterschaft. Unsere Mannschaft gewann – beim Elfmeterschießen.

Doch wir Deutschen verloren an Ansehen durch deutsche Fans, die durch besoffenes Agieren auffielen und vor allem ihren Hass gegen die italienischen Fußballer und Zuschauer ungehemmt rausließen.

Ich habe auch noch nie so viele Deutsche besoffen die National-Hymne singen hören. Meines Erachtens sollte man die Verwendung der Hymne für Fußballereignisse verbieten.

Vor mir in der Reihe saßen zwei etwa 30 Jahre alte Deutsche, links neben mir zwei etwa 20jährige deutsche Fans. Ihre groben Emotionen begleiteten das gesamte Spiel. Dumpfes „Deutschland Deutschland“-Grölen. Buhe-Rufe. Scheiße-Schreie.

Was mich entsetzte waren vor allem die Aggressionen gegen die Italiener, jenen auf dem Rasen und jenen auf der Zuschauertribüne.

Meine „Nachbarn“ riefen nicht nur „Scheiß Italiener“, sie machten auch primitive Drohgebärden in Richtung der Südeuropäer auf den Nachbarrängen, wenn diese vermeintlich Platzvorteil hatten.

Auch Reporter deutscher Tageszeitungen berichteten nach dem Spiel über Hasstiraden deutscher Fans, was den deutschen EM-Teamchef Oliver Bierhoff veranlasste, die deutschen Fans für die nächsten Spiele zu mehr Fairness gegenüber den Anhängern der Konkurrenzteams aufgefordert: „Die Fans sollen sich darauf konzentrieren, das eigene Team zu unterstützen.“

Der Hass hat in der Gesellschaft Karriere gemacht

Doch solche Hinweise werden nichts nutzen. Hass hat in der deutschen Gesellschaft seit längerer Zeit Karriere gemacht. Linksautonome bekämpfen hasserfüllt die Rechtsextremen und umgekehrt. Bürger beschimpfen voller Aggressionen Politiker, deren Meinung oder Handeln ihnen nicht gefallen. Autofahrer werden immer brutaler gegeneinander. Im Internet und hier insbesondere auf Facebook gehören Hasstiraden vor allem gegen jene, die anderer Meinung sind, zum Tagesprogramm.

Woran liegt das? Vom Fußball kennen wir das schon seit Jahren. Unter dem Deckmantel der Zugehörigkeit zu einer Mannschaft bekämpfen sich Fans oft bis aufs Blut – nach oder vor der Veranstaltung auf Bahnhöfen, in Straßenbahnen oder in Kneipenzonen wie etwa in der Düsseldorfer Altstadt.

Bei den Verbalbrutalos haben wir es mit Menschen zu tun, die nicht selten zu den Verlierern in unserer Gesellschaft gehören und ihre Aggressionen nicht im Griff haben. Über die sozialen Netzwerke gewinnen aber auch diese Loser vermeintlich an Beachtung. Trotz dumpfen Verstandes stehen ihnen Foren offen, in denen sie ihre Meinungen im wahrsten Sinne rauskotzen können – ob man sie hören möchte oder nicht.

Pöbel-Versammlungen al la Pegida in Dresden, auf denen Volkes tumbe Stimmen und Stimmungen ebenfalls Karriere machen, bestärken diese Bürgerinnen und Bürger in ihren Meinungen und Aggressionen.

Letztlich haben wir es mit Menschen zu tun, die sich nicht einmal an Stammtischen der Nation Gehör schaffen können, weil sie den Stammtischbrüdern mit ihren schwachen Argumenten und aggressiven Meinungen ganz einfach auf den Geist gehen.

Sogar in der Kirche, die ja für vieles Verständnis hat, finden die Hasstiraden keine Antwort. Heinrich Bedford-Strohm, der Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, findet, dass Hass hat keinen Platz in der Kirche hat.

Versuchen auch wir sie zu ignorieren, ändern können wir sie nicht. Schon Napoleon Bonaparte stellte fest: „Es gibt Menschen, für welche der Hass ein Bedürfnis ist, und da sie die Regierung nicht umstürzen können, sich damit trösten, dass sie, wohin sie gelangen können, überall Zwietracht und Uneinigkeit aussäen.“

Bleiben Sie fröhlich. Bis nächsten Freitag. Auf einen Cappuccino...
                                Ihr Peter Jamin

Unser Autor arbeitet als Schriftsteller und Publizist sowie als Berater für Kommunikation seit Jahrzehnten immer wieder auch für ausgewählte Projekte. Sein soziales Engagement gilt der Situation von Angehörigen vermisster Menschen, auf deren Situation er in Büchern, TV-Dokumentationen und Artikeln seit mehr 20 Jahren aufmerksam macht. Mehr unter www.jamin.de

(Peter Jamin)


 


 

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