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Die Jamin-Kolumne: Auf einen Cappuccino

Karneval im Schlafzimmer - komische Schlagparade a la Fifty Shades of Grey

Deutschlands Hausfrauen haben ein neues Hobby entdeckt: nach Diät-, Pilates- und Englischkurs nehmen sie jetzt im Kino SM-Nachhilfe und danach ihre Männer zur Brust. Eine Gesellschaft rüstet auf, Schlag auf Schlag.

In diesen Tagen macht das Internet viel Spaß. Nicht wegen des Karnevals, der ja ziemlich stark in die politische Ecke abgedriftet und nur noch wenig amüsant ist. Fifty Shades of Grey, der Kinofilm nach dem Weltbestseller, ist jetzt der echte Karneval.

SM-Maskerade statt Clownkostüm. Die Leute verkleiden sich voller Begeisterung - untenrum, obenrum und manche auch am Kopf. Im Baumarkt oder in Werkzeugkästen wird jetzt nach Ringen und Schrauben und Klemmen und anderen Folterwerkzeugen gestöbert. Der Sexshop des Vertrauens liefert den Rest – Handschellen mit rosa Plüsch zum Beispiel. Viele möchten dem Vorzeige-Sadomasopärchen Christian Grey und Anastacia Steel nacheifern und ein bisschen Pepp in den Schlafzimmer-Alltagseinheitsbrei bringen.

Grey- statt Tea-Time. Rollenspiele sind angesagt. Der Frührentner, der bislang nur einmal im Monat seinen ehelichen Pflichten nachkam, hat von seiner besseren Hälfte jetzt den Befehl erhalten, sie hinter verschlossenen Türen kräftig zu dominieren. Sie verlangt, an einem fix bei Beate Uhse erworbenen Lederimitat-Halsband vom Fernsehsessel in die Küche geschleift und dort zwischen dem frischen Gemüse auf dem Küchentisch ordentlich auspeitscht zu werden.

Der Traum einer verklemmten Autorin...

Zugegeben, das hat mit dem Kinofilm, der jüngst angelaufen ist, nicht viel gemein. Aber der Film selbst hat ja auch nicht wirklich was mit SM zu tun. Der Softpornoliebesfilm ist nur der Traum einer verklemmten Autorin, die nicht gelernt hat, vor dem Schreiben einer Story in der echten Welt zu recherchieren.

Deutschlands Männer und Frauen betrachten die schlechte Vorlage trotzdem als echt und träumen sich nun ebenfalls ihren ganz persönlichen Sadomasochismus zusammen - ohne sich wirklich weh zu tun. Werden Frauen bei Facebook gefragt, warum sie die größten Fifty-Shades-Fans sind, erhält man zum Beispiel die folgenden, vielsagenden Antworten:

  • Ich will Mr. Grey live sehen und hören wie er sagt: „Ich schlafe nicht mit jemandem, ich ficke... hart!" Rrrr.. 
  • Weil Kopfkino und Phantasie immer noch sehr fesselnd sind und jeder gerne einen richtigen Mr. Grey Zuhause hätte.
  • Ich habe die 3 Bücher verschlungen, ein bisschen peitschen, fesseln, kann und ist sehr Lust voll.
  • Weil wir alle ein bisschen "Fifty Shades of Grey" sind.
  • Weil Christian Grey es geschafft hat, alle Ansprüche an Männer in unermesslich unrealistische Höhen zu schrauben! Kein Hubschrauber? - Kein Date! Kein R8? - Kein Date! Keinen ausgeprägten Beschützerinstinkt? - Kein Date! Kein Sexspielzeug? - Kein Date! ... Und so weiter...
  • Jede Frau braucht auf gewisse Art und Weise einen Mr. Grey in ihrem Schlafzimmer.
  • Warum wir die allergrößten Fans sind ist doch klar: Wir gehen ja auch regelmäßig in den Baumarkt.

Als Shades of Grey-Konsument muss man sich nicht mit der echten Welt des BDSM auseinandersetzen. In den einschlägigen Internet-Foren der passionierten BDSMler lacht man sich derweil über den Fifty-Shades-of-Grey-Hype fast kaputt. Und wer weiss – vielleicht ist ja Bauchweh vor Lachen mittlerweile ein gängiges Strafmaß bei deren Sadomaso-Spielchen geworden.

Dem Handel jedenfalls bringt der Film-Hype ein paar anständige Zusatzeinnahmen. Denn kann die Freude größer sein, als zum Muttertag mit einem Fifty-Shades-of-Grey-Duschbad von Douglas überrascht zu werden?

Bis nächsten Freitag. Auf einen Cappuccino...
                                                  Ihr Peter Jamin

Unser Autor ist Schriftsteller, Journalist und als Berater für Kommunikation seit Jahrzehnten immer wieder auch für ausgewählte Projekte von Unternehmen und Werbe- und PR-Agenturen tätig. Sein soziales Engagement gilt der Situation von Angehörigen vermisster Menschen, auf deren Situation der Publizist in Büchern, TV-Dokumentationen und Artikeln seit mehr 20 Jahren immer wieder aufmerksam macht.

(Peter Jamin)


 


 

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