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Die Jamin-Kolumne: Auf einen Cappuccino

Kostenlos ein Tageszeitungs-Abo für jeden Arbeitslosen

Arbeitslose und Hartz-4-Empfänger sind zwar von den Rundfunkgebühren befreit, aber ebenso wichtig wäre eine kostenlose Tageszeitung - meint unser Kolumnist Peter Jamin.

Die Parteien sprechen ja gerne vom mündigen Bürger, dessen Willen man ernst zu nehmen habe. Doch ein solcher Bürger benötigt gute und umfassende Informationen, um sich eine Meinung bilden zu können über politische und gesellschaftliche Entwicklungen.

Nun hörte ich kürzlich in einem WDR-2-Bericht über den gesetzlichen Mindestlohn (von zur Zeit 9.01 Euro/Stunde) in den Niederlanden, dass dabei auch der Kauf einer Tageszeitung berücksichtigt wird.

Originalton WDR2 unter dem Titel “Stichtag: 27. November 1968 - Mindestlohn wird in den Niederlanden eingeführt“: „Eine Kommission klärt, wie viel Geld eine Durchschnittsfamilie mit zwei Kindern monatlich benötigt, um ein anständiges Leben führen zu können. Jede Familie soll sich Blumen auf dem Tisch leisten können, eine Tageszeitung, regelmäßig Kaffee und Kuchen, und ab und zu auch ein Bier.“

Nanu, dachte ich, eine Tageszeitung im Warenkorb für einen Lebensmindeststandard? Das habe ich ja noch nie gehört!

Doch genau das ist sinnvoll, wenn man den Bürger ernst nimmt als Gesprächspartner und Wähler. Denn ein Bürger muss es sich leisten können, gut und umfassend über aktuelles Geschehen vor allem in Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft sowie über die Ereignisse in seiner Stadt oder Gemeinde informiert zu sein. Dafür benötigt er eine Tageszeitung und nicht nur Fernsehen, Hörfunk und Internet.

Was Hörfunk und TV recht ist, sollte der Zeitung sein

Nun sind auch nach der Umstellung der GEZ-Gebühren Arbeitslose (ALG II) und Hartz-4-Empfänger vom neuen Rundfunkbeitrag befreit. Warum aber nur von Hörfunk und Fernsehen? Warum haben Sie nicht auch Anspruch auf ein Tageszeitungs-Abonnement?

Meine Forderung: Liefern wir den finanziell schwachen, aber nach wie vor mündigen Bürgern doch frei Haus eine Tageszeitung auf Kosten der Agentur für Arbeit. Der Vorteil dieser Regelung: Der mündige Bürger wäre besser informiert, als nur durch die flüchtigen Infos von Hörfunk und Fernsehen. 15 Minuten Tagesschau sind nicht viel mehr als die intensive Lektüre einer halben Titelseite der Süddeutschen Zeitung oder der Rheinischen Post. 

Allein wegen der Diskussionen über den „Wert“ einer Tageszeitung für den Einzelnen und die Gesellschaft, die eine Förderung von Arbeitslosen-Abos auslösen würde, lohnte sich die Maßnahme.

Ein Katalysator gegen den Info-Müll...

Und erinnern wir uns: Der Katalysator im Pkw, der heute in jedem Auto selbstverständlich ist, hatte nur einen durchschlagenden Erfolg, weil Bundesumweltminister Klaus Töpfer den Einbau des Filters mit hohen staatlichen Prämien förderte. Ist eine Tageszeitung als Mittel gegen Info-Müll nicht ebenso wichtig wie ein Katalysator gegen Umweltverschmutzung? Klare Luft hier - klarer Kopf dort.

Den Tageszeitungen jedenfalls würden neue Zielgruppen erschlossen. Die Krise der Tageszeitungen könnte zumindest ein wenig abgebremst werden und Modelle einer staatlichen Unterstützung für vom Absturz bedrohte Tageszeitungen könnten vielleicht weiterhin in der Schublade liegen bleiben - bei bundesweit rund sechs Millionen neuen Abos für die rund sechs Millionen sogenannten „Leistungsberechtigten in der Grundsicherung“ der Agentur für Arbeit.

... und ein Grundstein für den mündigen Bürger von morgen

Darüber hinaus ist das Tageszeitung-Lesen auch Weiter- und Volksbildung, und wenn die Zeitung erst einmal auf dem Frühstückstisch liegt, werden auch die Kinder und Jugendlichen darin blättern - so legen wir sogar noch einen Grundstein für den mündigen Bürger von morgen. 

Ich sehe sie schon vor mir, die Partei-Funktionäre von Schwarz und Rot und Grün und Gelb, wie sie sich darüber landauf-landab freuen werden.

Bis nächsten Freitag. Auf einen Cappuccino...
                                                                       Ihr Peter Jamin

Unser Autor ist Schriftsteller, Journalist und als Berater für Kommunikation seit Jahrzehnten immer wieder auch für ausgewählte Projekte von Unternehmen und Werbe- und PR-Agenturen tätig. Sein soziales Engagement gilt der Situation von Angehörigen vermisster Menschen, auf deren Situation der Publizist in Büchern, TV-Dokumentationen und Artikeln seit mehr 20 Jahren immer wieder aufmerksam macht.

(Peter Jamin)


 


 

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